Mesut Özil auf der Bank bei Arsenal nach der Niederlage gegen den FC Chelsea Foto: picture alliance/Arne Dedert/dpa
Ex-Nationalspieler

Özil prangert Rassismus in Deutschland an

BERLIN. Der frühere Nationalspieler Mesut Özil hat sich über Rassismus in Deutschland beklagt. Dieser sei nicht nur ein rechtes Problem, sondern in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen, sagte Özil dem Sport-Internetportal „The Athletic“. „Es gibt große Probleme in Deutschland – schaut, was in der vergangenen Woche in Halle passiert ist. Eine weitere antisemitische Attacke.“

Auch er habe nach der Diskussion um sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Rassismus erfahren. „Ich habe sie schreien hören: ‘Ziegenf…, Scheiß-Türke’ und noch mehr Beschimpfungen“.  Nach dem Foto habe er sich nicht mehr geschützt und respektiert gefühlt. „Ich wurde rassistisch angegangen – sogar von Politikern und bekannten Persönlichkeiten.“

Und obwohl er damals noch in der Nationalmannschaft spielte, habe ihn niemand vom DFB in Schutz genommen. „Niemand von der Nationalmannschaft hat sich vor mich gestellt und gesagt: ‘Halt, das reicht. Das ist unser Spieler.’ Alle haben geschwiegen und es geschehen lassen.“

„Türkei ist Teil meiner Identität“

Zugleich verteidigte Özil das damalige Foto mit Erdogan. Ein solches hätte er in einer vergleichbaren Situation auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemacht. Erdogan sei der gewählte Präsident der Türkei. „Ich würde dieser Person immer Respekt zollen, wer auch immer es ist. Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, die Türkei ist Teil meiner Identität.“

Özil hatte im vergangenen Jahr nach dem schwachen Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Rußland seinen Rückzug aus dem DFB-Team erklärt. Dabei beklagte er Rassismus und warf DFB-Funktionären vor, seine türkischen Wurzeln nicht zu respektieren. Lob erhielt er dafür von Erdogan. „Seine Haltung ist national und patriotisch. Ich küsse seine Augen“, sagte der türkische Präsident.

Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer hingegen wies die Rassismusvorwürfe Özils zurück. In der Nationalelf habe dieser sicherlich keinen Rassismus erfahren, betonte der Torwart damals.

Im Interview mit „The Athletic“ bewertet Özil seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft als richtigen Schritt. „Rückblickend weiß ich, daß es die richtige Entscheidung war.“ Es sei damals eine schwere Phase für ihn gewesen. „Ich habe neun Jahre für Deutschland gespielt und war einer der erfolgreichsten Spieler.“ Er habe unter anderem den Weltmeistertitel  gewonnen und viele sehr gute Spiele gemacht. Dafür müßten ihn die deutschen Fans zwar nicht lieben, aber „sie sollten respektieren, was ich für Deutschland getan habe“, betonte Özil. „Meine Generation hat den deutschen Fußball verändert. Er ist seitdem schöner anzuschauen.“ (krk)

Mesut Özil auf der Bank bei Arsenal nach der Niederlage gegen den FC Chelsea Foto: picture alliance/Arne Dedert/dpa

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