Rudelbildung beim Fußball und der Schiedsrichter ist mittendrin (Symbobild) Foto: picture alliance/Promediafoto
Gewalt im Sport

Fußballschiedsrichter streiken für besseren Schutz

Mittlerweile gehören Berichte über Angriffe auf Schiedsrichter im Amateurfußball fast schon zum Alltag. Dabei schaffen es nur die brutalsten Fälle in die überregionalen Medien, wenn die Unparteiischen verletzt werden. Die beinahe obligatorischen Pöbeleien und Bedrohungen während der Spiele verhallen ohne Resonanz. Die Sportler, die am Wochenende in die Kluft des Spielleiters schlüpfen, greifen daher zum Mittel des Arbeitskampfes und streiken.

Am vergangenen Wochenende verweigerten die Kölner Schiedsrichter ihren Dienst, um auf das Problem der Gewalt im Amateurfußball aufmerksam zu machen. Die Spiele der Kreisligen A bis D in der Domstadt fielen aus. „Mit diesem Ausstand soll ein deutliches Zeichen gegen die Gewalt und zunehmende Verrohung gesetzt werden, denen die Schiedsrichter auf den Fußballplätzen ausgesetzt sind“, teilten die Referees aus der Rheinmetropole via Facebook mit.

Allein in der vergangenen Saison habe es zehn tätliche Angriffe gegeben. Hinzu kommen demnach weitere 56 Fälle von Beleidigungen und Bedrohungen nach Abpfiff. Das Faß zum Überlaufen brachte der jüngste Vorfall vom 3. November. Nach dem Ende einer Partie wurde der Unparteiische von Spielern über das Spielfeld gejagt. Ein Video, das dem WDR vorliegt, dokumentiert die Angriffe der Fußballer auf den Schidesrichter, der dabei verletzt wurde.

Spielabbruch „bevor ich aufs Maul kriege“

Bereits im Oktober hatten in Berlin die Schiedsrichter wegen ähnlicher Vorfälle ein Wochenende lang Pfeife und Karten liegen gelassen. „Die Gewalt auf Berlins Plätzen ist in dieser Saison gegenüber der Vorsaison gestiegen. Bereits jetzt nach wenigen Spieltagen haben wir 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Plätzen zu verzeichnen“, begründete damals der Schiedsrichterausschuß seine Entscheidung.

Gegenüber der JF berichtet ein Berliner Kreisligaschiedsrichter von einem hohen Maß an Respektlosigkeit und Pöbeleien im Spielbetrieb. So ein Verhalten gehe von allen Spielern aus, unabhängig von der Nationalität, erläutert er. Für tätliche Angriffe auf den Plätzen seien hingegen oftmals Spieler mit ausländischen Wurzeln verantwortlich, so seine Erfahrung. „Die haben eine kürzere Zündschnur. Allerdings richtet sich deren Gewalt in erster Linie gegen ihre Gegenspieler, denen dann ein Tritt mitgebeben wird.“

Er selbst habe in diesem Jahr auch schon ein Spiel abgebrochen, berichtet der Unparteiische, der anonym bleiben möchte. Zuvor habe ihn ein Spieler körperlich angegangen und habe ihn geschubst. „Da habe ich abgebrochen, bevor ich aufs Maul kriege. Damit wollte ich auch ein Zeichen setzen.“

Ordner sollen für Sicherheit sorgen

Weitgehend unbeachtet von den überregionalen Medien hatten bereits im September die saarländischen Schiedsrichter gestreikt. Dort hatte zuvor der Vater eines C-Jugendspielers einen Referee krankenhausreif geschlagen. Im kleinsten Flächenland ereigneten sich laut dortigem Fußballverband in den vergangenen zwei Jahren 35 Fälle körperlicher Gewalt gegen Unparteiische, berichtete der Saarländische Rundfunk.

Daß der Streik zumindest in der Hauptstadt bei den verantwortlichen Sportfunktionären gewirkt hat, zeigt eine Änderung, die ab dem 1. Januar greifen soll. So sei der gastgebende Verein künftig verpflichtet, einen Ordner zu stellen, der den Schiedsrichter unterstützen und für seine Sicherheit sorgen soll. Bei Problemspielen werde die Zahl aufgestockt.

Amateurspieler lernen Respektlosigkeit von Bundesligaprofis

Ähnliche Konsequenzen fordern auch die Schiedsrichter in Köln. Neben harten Strafen für Gewalttäter und Schutz durch Ordner verlangen sie eine bessere Betreuung. „Wir sind nicht bloß ein notwendiges Übel, sondern Sportler wie die Spieler!“

Doch diese Haltung scheint sich auch in der Bundesliga noch nicht durchgesetzt zu haben. So beklagt der Berliner Amateurschiedsrichter das Verhalten der Profis. Das ständige Diskutieren über Entscheidungen, das Lamentieren nach Fouls und die aggressiven Trainer an der Seitenlinie zeigten die Respektlosigkeit, die gegenüber den Unparteiischen herrsche. „Das Verhalten kopieren dann die Jugend- und Amateurspieler“, warnt er im Gespräch mit der JF.

Im Gegensatz zu den Bundesligaschiedsrichtern stehen ihre Kollegen in der Amateurklasse jedoch allein da. Dort müssen sie sich nach dem Spielende immer öfter auf ihre Beine verlassen, um der Gewalt zu entgehen.

Rudelbildung beim Fußball und der Schiedsrichter ist mittendrin (Symbobild) Foto: picture alliance/Promediafoto

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