Sinterklaas-Feierlichkeiten im holländischen Hoom Foto: picture alliance/Hollandse Hoogte
Widerstand gegen politische Korrektheit

Die Niederländer wollen ihren „Schwarzen Peter“ behalten

Am 5. Dezember feiern die Niederländer einen traditionellen Kinderfeiertag: St. Nikolaus („Sinterklaas“). Dabei kommen Familie und Freunde zuhause zusammen, ziehen sich schick an und tauschen Geschenke und Süßigkeiten aus. In den Wochen vor diesem Tag steigt die Spannung quer übers ganze Land an. Bisher kam diese Spannung von der Aussicht vieler Kinder, Sinterklaas zu treffen – meist ein Nachbar oder Familienmitglied, der sich bis zur Unkenntlichkeit mit einem weißen Bart und rotem Mantel verkleidet.

Sinterklaas und sein Helfer, der Schwarze Peter, kommen im November auf einem Dampfschiff ins Land, treten im Fernsehen auf und klettern nachts die Schornsteine hinunter, um den Kindern ein Geschenk in ihrem Schuh dazulassen. Zumindest wird das den Kindern so erzählt. Sinterklaas ist in den Niederlanden vermutlich ein beliebterer Feiertag als Weihnachten.

Die Niederländer haben es satt

In den vergangenen acht Jahren sind die Spannungen um diesen Feiertag dagegen unangenehmer geworden. „Antirassistische Bewegungen“ (mit einer vornehmlich weißen Gefolgschaft) haben den Schwarzen Peter zu einem rassistischen Symbol erklärt, das abgeschafft gehöre. Ernstgemeinte Versuche von Medien, Schulen und Veranstaltungsorganisatoren nach und nach das Aussehen vom Schwarzen Peter zu „Regenbogenpeter” zu ändern oder in einen Kaminkehrer-Look umzugestalten, haben die progressiven Kämpfer nicht besänftigen können, die mittlerweile fordern, daß alle Feierlichkeiten ihren Richtlinien folgen.

Für sie ist klar: Es darf keinen Schwarzen Peter mehr geben! Laute Demonstrationen inmitten von Gruppen junger Kinder haben sich zu einem typischen Teil der jährlichen Feierlichkeiten entwickelt. Viele Eltern lassen ihre Kinder deswegen auch zu Hause oder organisieren lokale Feierlichkeiten, allerdings immer auch mit dem Risiko, von den Anti-Rassismus-Bewegten attackiert zu werden.

In diesem Jahr haben die Niederländer – vor allem Bewohner ländlicher Kommunen – die Diskussionen um den Schwarzen Peter mehr als sonst satt. Unterstützung bekommen die selbsternannten Anti-Rassismus-Kämpfer dagegen aus den Mainstreammedien und von der kutlturellen Elite. Umfragen zeigen, daß jetzt mehr als 70 Prozent der Bürger Peter genauso lassen wollen, wie er schon immer war: schwarz.

Traditionen verteidigen gilt als rechtsradikal

Die Unterstützung für Peter ist aus verschiedenen Gründen gestiegen. Viele fühlen sich von einer lautstarken Minderheit eingeschüchtert, die nicht nur den Schwarzen Peter fälschlicherweise als ein Symbol der Sklaverei charakterisiert, sondern auch die als „Rassisten” beschuldigt, die ihre Forderung nach einer Abschaffung der Figur ablehnen.

Historisch betrachtet hat die Geschichte von Peter viele Wurzeln. Bisher ist noch kein Beweis erbracht worden, daß er tatsächlich ein Sklave war oder als Symbol für Ungleichheit zwischen den Ethnien hergenommen wurde. Dennoch wurde die Figur auf ein problematisches und verletzendes Symbol von Unterdrückung und Spaltung reduziert. Daß es gerade die linken Protestierer sind, die diese Spaltung verursacht haben, hält die Medien nicht davon ab, weiter die Flammen der Unzufriedenheit auf beiden Seiten zu schüren. Den Schwarzen Peter und westliche Traditionen im allgemeinen zu verteidigen, gilt inzwischen als rechtsradikale Position.

„Werft den Schwarzen Peter raus” (KOZP) – eine Organisation, die von der Open-Society Stiftung von George Soros finanziert wird – ist die treibende Kraft hinter der Anti-Peter-Bewegung. Führende Köpfe der Organisation sind Jerry Afriyie, Mitchell Esajas und Quinsy Gario. Sie hatten anfänglich ihre Anstrengungen als „Kunstprojekt” vorgestellt, schwenkten dann aber schnell auf Taktiken im Antifa-Stil um und benutzten sogar Symbole der Black-Panter-Bewegung.

 

Unter Extremismusverdacht

Der niederländische Geheimdienst AIVD listete sie zunächst als extremistische Organisation, entfernte sie aber später wieder von der Liste – ohne Begründung. Dieses Jahr hat KOZP Briefe an die Inhaber kleinerer Geschäfte in Den Haag gesandt, wo Sintaklaas am vergangenen Wochenende ankommen sollte. Darin forderten sie die Unternehmer auf, mit der traditionellen Version des Feiertags zu brechen. Diejenigen, die dies nicht täten werde man „aktiv besuchen”. Die kommunalen Regierungen taten nichts. Allerdings bildeten sich kleine Initiativen, die ihren Unmut zum Ausdruck brachten.

 

Genau wegen dieser einschüchterenden Methoden hatten sich vor zwei Jahren einige Dutzend Bürger entschlossen, die Autobahn für KOZP-Sympathisanten zu blockieren, die damals mit dem Bus anreisten. Sie waren unterwegs in die niederländische Kleinstadt Dokkum. Später wurden die Bürger angeklagt, eine legale Proteskundgebung behindert zu haben und erhielten relative hohe Strafen – bis zu 240 Sozialstunden. Diese Gruppe kennt man heute unter den Namen „Blokkeerfriezen”. Sie erhielt massive Zustimmung aus dem ganzen Land.

Sinterklaas-Feierlichkeiten im holländischen Hoom Foto: picture alliance/Hollandse Hoogte

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