Craig 007
Daniel Craig in „Keine Zeit zu sterben“ Foto: picture alliance / empics | Nicola Dove

Der neue James Bond
 

„Du wirst mich nie wiedersehen!“

Keine Zeit zu laufen, hieß es zunächst einmal monatelang für den neuen James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Es ist der 25. Film der Reihe und der letzte für 007-Darsteller Daniel Craig. CoVid-19-bedingt war der ursprünglich für April 2020 vorgesehene Start in den Kinos immer wieder verschoben worden. Jetzt trauen die Produzenten, allen voran die Rechte-Erben Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, dem Frieden.

Und sie trauen sich auch sonst so einiges: Mit einer Spieldauer von 163 Minuten nähert sich der neue Bond gefährlich der Drei-Stunden-Marke. Schon die dem Vorspann traditionell vorgeschaltete Eröffnungssequenz, in der sich der Superagent normalerweise schon mal bei ein paar spektakulären Stunts warmlaufen kann, artet aus zum epischen Melodram, das als klassischer Horrorfilm beginnt, anschließend kurz beim Genre des Action-Krachers hospitiert und schließlich als ergreifende italienische Tragödie endet – ein Film im Film, ein in sich geschlossenes Kunstwerk, so noch nie in einem Bond gesehen, meisterhaft.

Einige der furiosesten Szenen an den Anfang zu packen hat bei 007 Tradition. Seit Daniel Craig den Agenten mit der Lizenz zum Töten spielt, ist aus dem Pläsierchen indes eine immer stärker mit Eigendynamik und dramaturgischer Relevanz aufgeladene Finesse geworden, die in „Keine Zeit zu sterben“ ihren kaum zu überbietenden Höhepunkt erreicht.

Passendes Szenario zur Pandemiezeit

Zwar folgen weitere Paukenschläge, doch Regisseur Cary Fukunaga fällt es zunächst nicht ganz leicht, wieder auf Touren zu kommen, nachdem er schon in der ersten Viertelstunde so viel Pulver verschossen hat. Langsam werden die Konturen einer neuen Geschichte sichtbar. Dabei zeigt sich die Agentenreißer-Reihe einmal mehr ganz auf der Höhe der Zeit: Wie für einen Filmstart in Pandemiezeiten geschrieben, geht es diesmal um eine brisante Bio-Technologie, sogenannte Nanobots.

Man könnte sie den bösen Bruder von mRNA-Impfstoffen nennen: Statt sie zu retten, macht sie Menschen zu gefährlichen B-Waffen. Die eigentlich zu friedlichen Zwecken für das Herakles-Projekt des britischen Geheimdienstes bestimmte Erfindung ist einem gefährlichen Schurken (Rami Malek) in die Hände gefallen, der damit die ganze Welt …

Alles wie gehabt also und doch auf erfrischende Weise anders. Denn 007 ist nicht nur aus dem aktiven Dienst beim MI-5 ausgeschieden und befindet sich zwecks Dauerurlaub in Jamaika, er wurde auch noch von einer schwarzen Doppelnull (Lashana Lynch) ersetzt. Die ist so weiblich, so dunkel und vor allem so uncharismatisch, daß man sich ernstlich fragen muß: Ist diese Fehlbesetzung das durch medialen Dauerdruck erzwungene Zugeständnis an Diversitätsdemagogen oder bereits die Parodie darauf?

Bond-Girl ist ein Glücksgriff

Daniel Craig
Daniel Craig bei der Weltpremiere des neuen 007-Films in London Foto: picture alliance / Photoshot

Gut tut der Reihe hingegen, daß Bond diesmal – unter dem Eindruck einer nicht verarbeiteten Liebesgeschichte mit der Blofeld-Tochter Madeleine – nicht besonders erpicht darauf ist, mit jeder attraktiven Frau, die seinen Weg kreuzt, gleich außerehelich geschlechtlich zu verkehren. Wir leben ja nicht mehr in den wilden Sechzigern!

Madeleine wird gespielt von der hinreißenden Léa Seydoux. Die Charakterdarstellerin aus Frankreich hat alles, was die Bond-Mädels früherer Tage nicht zu bieten hatten: Klasse, Charisma, eine geheimnisvolle Aura. Jede Szene mit Léa Seydoux hebt Bond 25 in eine andere Sphäre als seine Vorgänger – ein Glücksgriff.

Der Agent a.D., den es außer nach England diesmal nach Italien, in die Karibik und auf ein fernes Insel-Archipel (gedreht in Norwegen und auf den Färöer-Inseln) verschlägt, wird anfangs tätig für die Konkurrenz vom CIA. Das geht aber nicht lange gut, und bald sieht man ihn wieder vor dem Schreibtisch von M, in der Werkstatt von Q und an der Türschwelle mit Moneypenny stehen, damit er, ausgestattet mit einem neuen Auftrag, die Welt vor dem Schlimmsten bewahren kann.

250-Millionen-Dollar-Spektakel

Wird er aber auch von sich selbst das schlimmste Unheil abwenden können? Diese Frage kann diesmal nicht so selbstverständlich mit Ja beantwortet werden wie bisher bei 007 üblich. Wohl aber die, ob der Film voll einschlagen wird. Die Sorge, die sich Der Spiegel um den Erfolg des 250-Millionen-Dollar-Spektakels macht, weil eines von Bonds Mobiltelefonen wegen des verzögerten Starts inzwischen veraltet ist, muß man nicht unbedingt teilen.

Mit Blick auf Daniel Craigs Abschied von der Rolle des Superspions ist die Dialogzeile: „Wie kann ich wissen, daß es dir gut geht?“ – „Gar nicht. Du wirst mich nie wiedersehen!“ die wohl passendste. Auf jeden Fall bringt „Keine Zeit zu sterben“ die Auftritte des mittlerweile 53jährigen als britischer Geheimagent zu einem würdigen Abschluß: Brücken zu früheren Filmen werden geschlagen, es gibt jede Menge nostalgischer Reminiszenzen und zugleich geht der Film wie seit Craigs Einstieg in „Casino Royale“ (2006) gewohnt neue Wege, auf denen die persönliche, verletzliche Seite von 007 erkennbar werden soll. Verletzt wird der Superagent im neuen Film mehr als einmal. Und mag Bond auch diesmal keine Zeit zum Sterben haben, Möglichkeiten dazu gibt es zur Genüge.

Daniel Craig in „Keine Zeit zu sterben“ Foto: picture alliance / empics | Nicola Dove
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