Joachim Kuhs
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Benin Bronzen
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist froh über die Einigung zu den Benin Bronzen Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Kunst und Kolonialismus
 

Deutsche Museen geben Benin-Bronzen an Nigeria zurück

BERLIN. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat sich erfreut über den Beschluß gezeigt, daß deutsche Museen die während der Kolonialzeit in deutschen Besitz gelangten Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben werden. „Wir stellen uns der historischen und moralischen Verantwortung, Deutschlands koloniale Vergangenheit ans Licht zu holen und aufzuarbeiten“, teilte sie am Freitag mit.

„Neben größtmöglicher Transparenz werden vor allem substantielle Rückgaben angestrebt. So möchten wir zur Verständigung und zur Versöhnung mit den Nachkommen der Menschen beitragen, die in der Zeit des Kolonialismus ihrer kulturellen Schätze beraubt wurden“, ergänzte die CDU-Politikerin.

Außenminister Maas lobt Beschluß

Zuvor hatte sie sich mit den Leitungen der deutschen Museen der „Benin Dialogue Group“, den zuständigen Kulturministern der Bundesländer und Vertretern des Auswärtigen Amtes auf das weitere Vorgehen verständigt. Demnach soll eine von Bund und Ländern finanzierte „Kontaktstelle für Sammlungen aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ bis Mitte Juni eine Auflistung der in deutschen Museen befindlichen Statuen und Tafeln aus der Gruppe der Benin-Bronzen veröffentlichen.

Es seien außerdem bereits Gespräche mit Vertretern Nigerias geführt worden, um nicht nur die Rückgabe der Stücke, sondern auch den Aufbau eines geplanten Museums für westafrikanische Kunst zu unterstützen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) nannte laut der Nachrichtenagentur dpa die beschlossenen Maßnahmen „einen Wendepunkt in unserem Umgang mit der Kolonialgeschichte“. Seit Monaten sei daran gearbeitet worden, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Großbritannien brachte Benin-Bronzen nach Europa

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sprach von einem „historischen Schritt“ mit Blick auf das nun abgestimmte Vorgehen. „Wir hoffen, daß wir schon 2022 mit Rückgaben beginnen können.“ Mit nigerianischen Vertretern solle geklärt werden, „unter welchen Bedingungen in deutschen Museen auch weiterhin Benin-Bronzen gezeigt werden können“.

Die Benin-Bronzen umfassen mehrere tausend Skulpturen und Metalltafeln aus dem Königreich Benin, das im heutigen Nigeria lag. Seit dem 16. Jahrhundert schmückten sie den dortigen Königspalast. 1897 brachte die Kolonialmacht Großbritannien sie als sogenannte Beutekunst nach Europa, wo sie verkauft wurden und teilweise auch in deutsche Museen gelangten.

Der Deutsche Museumsbund hatte im Februar Träger von Museen und Politiker dazu aufgefordert, ihr Engagement bei der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu forcieren. Dazu arbeitete der Verband einen Leitfaden mit dem Titel „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ aus. (ag)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist froh über die Einigung zu den Benin Bronzen Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress
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