Mahnwache in Dresden für den zurückgetretenen Landesbischof Carsten Rentzing Foto: picture alliance/Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa
Synodalpräsidium

Sächsische Landeskirche nimmt Rentzings Rücktritt an

DRESDEN. Die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hat das Rücktrittsangebot von Landesbischof Carsten Rentzing zum 31. Oktober angenommen. Das gab Synodalpräsident Otto Guse, am Montag in Dresden bekannt. Ein neuer Bischof soll bei der Frühjahrssynode am 29. Februar und 1. März 2020 gewählt werden. Bis dahin wird der theologische Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel den Landesbischof vertreten. Daniel kündigte an, nicht für die Wahl zum Bischof zur Verfügung zu stehen.

Bereits am 2. November soll eine erweiterte Präsidiumssitzung mit den Landessynodalen tagen, um über die Zukunft der Landeskirche zu sprechen. Synodalpräsident Guse erklärte, er bedauere den Rücktritt Rentzings. „Ich habe selten einen so wunderbaren Geistlichen kennengelernt“, sagte Guse. „Ich würde mich jederzeit unter die Kanzel setzen, unter der er das Wort auslegt.“

Rentzing kündigt weitere Erklärung an

Er müsse jedoch den Willen des Landesbischofs respektieren und könne ihn nicht zwingen, sein Amt weiterhin auszuüben. Er habe mit Rentzing am Wochenende telefoniert. Die Ereignisse belasteten den Landesbischof stark, aber es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Man wolle mit Rentzing darüber sprechen, welche Aufgabe er künftig wahrnehmen könne. Der Landesbischof habe angekündigt, vor der am 15. November beginnenden Herbstsynode eine Erklärung abzugeben.

Eine Gruppe mit dem Namen „Bekennende Christinnen und Christen in Sachsen“, darunter mehrere Pfarrer, hatten am 27. September eine Online-Petition an Rentzing gerichtet. Darin forderten sie ihn auf, sich öffentlich und deutlich von „allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien“ zu distanzieren. Auch solle er darlegen, warum er weiterhin Mitglied in der Landsmannschaft sei.

Darüber hinaus wurde ein Auftritt Rentzings in der Bibliothek des Konservatismus in Berlin problematisiert. Auch seine kurz darauf bekannt gewordene Autorenschaft für die Zeitschrift Fragmente Anfang der neunziger Jahre sorgte für Kritik.

Synodalpräsident kündigt grundsätzliche Klärung an

Eine weitere Petition auf der Plattform Citizengo hatte allerdings den Verbleib Rentzings als Bischof gefordert. Darin heißt es, der Landesbischof habe sich nichts zuschulden kommen lassen, „das einen Rücktritt rechtfertigen würde“. Deshalb sei es nötig, ihn gegen den ausgeübten Druck und die gegen ihn begonnene „Schmutzkampagne in Schutz zu nehmen und für seinen Verbleib im Amt einzutreten, damit die Intriganten nicht die Oberhand behalten“. Die Petition wurde bis zum Dienstag mittag über 20.000 Mal gezeichnet.

Rentzing hatte am 11. Oktober seinen Rücktritt bekanntgegeben, mit der Begründung, Schaden von der Kirche abzuwenden. In einer am 20. Oktober veröffentlichten weiteren Erklärung Rentzings heißt es: „Der Beschluß, mein Amt zur Verfügung zu stellen, geschah aus eigener freier Entscheidung. Ich bin darin weder durch das Landeskirchenamt noch durch die Kirchenleitung unter Druck gesetzt worden.“
Welche Fragen die Kirche klären will

Guse kündigte an, daß die Landeskirche aus der Situation lernen werde. Die Landessynode müsse zwei Fragen klären. Zum einen, ob eine Petition ein geeignetes Mittel sei, um Personalfragen zu klären. Zum anderen, was rechtsextrem und was ein wertekonservativer Christ sei. Prüfstein müsse die Bergpredigt sein. Zudem wolle man die Biografien künftiger Bischofskandidaten stärker prüfen, soweit dies möglich sei. Guse: „Wir sind ja kein Staatsschutz.“ Ihm zufolge ist es nicht möglich, die Krise in ihrer Tiefe auszuloten. Man müsse jetzt miteinander statt übereinander reden und um die Einheit der Kirche kämpfen. Über einen möglichen Nachfolger habe er noch nicht nachgedacht. Guse: „Ich bin zurzeit einfach nur erschöpft.“

Mahnwache in Dresden für den zurückgetretenen Landesbischof Carsten Rentzing Foto: picture alliance/Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa

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