Götz Kubitschek, Ellen Kositza und Thomas Veigel
Götz Kubitschek (Bild links), Ellen Kositza und Thomas Veigel (MItte) auf der Frankfurter Buchmesse Foto: Loci/Antaios/Twitter/JF-Montage
Frankfurter Buchmesse

Wie die Schlange dem Bücherfuchs einmal ein Bein stellte

In der nordischen Mythologie ist Loki der Gott der List und des Schabernacks. Berühmt für seine Streiche vermag er in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen und die Gestalt zu wechseln – kurz: Er ist ein Trickser. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat Loki erneut seine gewitzte Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Er hat das „k“ in seinem Namen durch ein „c“ getauscht und sorgt in der Rolle eines Zahnarzts für mißmutiges Zähneknirschen auf der einen und Erheiterung auf der anderen Seite.

Dabei war es eigentlich die Frankfurter Buchmesse, die als schlauer Fuchs einigen unliebsamen Verlagen die lange Nase zeigen wollte. Zu groß war offenbar der Frust darüber, daß sich im Jahr zuvor ein großangelegtes Manöver als peinlicher Schuß ins Knie entpuppt hatte.

Messeleitung und Buchhandel wollten Flagge zeigen gegen einige rechte Verlage, darunter auch die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT und der Verlag Antaios von Götz Kubitschek aus Schnellroda. Doch die entfachten Proteste brachten nicht den gewünschten Effekt. Im Gegenteil: Sie verschafften den unliebsamen Verlagen eine solche Aufmerksamkeit, daß diese am Ende die Messe zu dominieren schienen.

Fuchs und Zwerg haben einen Plan

Wütend zürnte im Anschluß der griesgrämige Zwerg Amadeu und warnte, ein solches Desaster dürfe sich nicht noch einmal wiederholen. In den dunklen Wintermonaten heckten sie daher einen finsteren Plan aus: Als vermeintlicher Hort der Freiheit würde man auch in diesem Jahr allen Ausstellern – ganz gleich welcher politischen Couleur – den Zutritt zur Bücherveste gewähren.

Den vermaledeiten Verlagen, die im Vorjahr unfreiwillig das Spektakel bestimmt hatten, sollte dabei jedoch ein ganz besonderer Platz zugewiesen werden: der des Aussätzigen. Im Nirwana, abseits der heiteren Lichter und des bunten Zaubers, würde sich niemand für ihre Waren interessieren.

Und der Plan schien aufzugehen: Zufrieden zwinkerten sich der Messe-Fuchs und der Amadeu-Zwerg zu, als der Antaios-Verlag verkündete, er habe kein Interesse an dem ihm zugewiesenen Katzentisch und werde dem Spektakel daher fernbleiben.

Ein Sieg auf ganzer Linie, so glaubten sie. Doch dieser Zahn sollte ihnen schon bald gezogen werden. Denn als die Zeit der Anmeldung kam, stand auch ein kleiner unbekannter Verlag namens Loci vor der Pforte. Sein Besitzer, ein Zahnheiler aus dem Süden, hatte seine Liebe zu den Büchern entdeckt und bat um einen Stand.

Als am Loci-Stand ein Loki stand

Gern nahm man seine Thaler und wies ihm einen Platz inmitten des Marktes zu – unweit jenes Standes, dessen Wappentier einst als scharfe Pantherpranke für Furore gesorgt hatte, nun aber, in die Jahre gekommen, satt und zufrieden seine krallenlose Tatze leckte.

Am Abend vor Beginn der großen Bücherschau war alles bereit. Sogar der weißhaarige König hatte sein Kommen für den nächsten Tag angekündigt, da vermeldete der Stadtschreiber, der Besitzer des Antaios-Verlages, Götz Kubitschek, werde sich künftig anderen Aufgaben widmen. Seine Büchergilde habe er verkauft. An wen, das wußte auch der Stadtschreiber nicht. Nur daß es ein Neuling sei. Mehr aber könne auch er nicht sagen.

Um so größer war am nächsten Tag die Überraschung, als die Bücherburg ihre Tore öffnete und am Loci-Stand ein Loki stand. Zwar fand sich dort auch der Zahnheiler, doch um seinen Äskulapstab wand sich nicht die berühmte Natter. Statt dessen blitzte dem überraschten Publikum verschmitzt die Antaios-Schlange entgegen.

Götz Kubitschek (Bild links), Ellen Kositza und Thomas Veigel (MItte) auf der Frankfurter Buchmesse Foto: Loci/Antaios/Twitter/JF-Montage

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