Die Verlegerin
Steven Spielberg, Meryl Streep und Tom Hanks bei der Europapremiere von „Die Verlegerin“ in London Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

„Die Verlegerin“
 

Großes Kino mit einer Prise Zeitgeist

Viele Menschen haben wahrscheinlich noch nie von Daniel Ellsberg gehört. Mit seinen Pentagon Papers bahnte der Analyst den Weg für Julian Assange und Wikileaks, für Chelsea Manning und für Edward Snowden – für heutige sogenannte „Whistleblower“, die bereit sind, Gefängnisstrafen zu riskieren, um Verborgenes aus den Fluren der Regierungsgebäude ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Steven Spielberg hat nun mit „Die Verlegerin“ die dramatische Geschichte der Pentagon Papers nacherzählt, anhand derer die US-Bevölkerung Anfang der 70er Jahre die Details der Planungen zum Vietnam-Krieg erfuhr.

Krieg war nicht gewinnbar

Daniel Ellsberg war Militäranalyst bei der RAND Corporation. Mitte der 60er Jahre arbeitete er für das Pentagon und war Beobachter in Vietnam. Sein Gespräch mit Verteidigungsminister Robert McNamara und der damit verbundene Blick auf Form und Wirkung der Kriegspropaganda ließen Ellsberg einen folgenschweren Entschluß fassen. Zurück in der RAND Corporation schmuggelt er eine Kopie einer von McNamara in Auftrag gegebenen geheimen Studie über die Beziehungen zwischen den USA und Vietnam von 1945 bis 1967 heraus. Den 47-bändigen Bericht mußte er stückweise fotokopieren.

Die 7.000 Seiten Text zeigen eine Geschichte von verdeckten Operationen und Vertuschungen seit den Truman-Jahren, einschließlich politischer Morde. Die bemerkenswerte Schlußfolgerung: US-Militärs haben den Vietnam-Krieg schon sehr früh als nicht gewinnbar eingeschätzt. Doch Chinas Expansionsbestrebungen sollten in dieser Phase um jeden Preis eingedämmt werden.

Spielbergs Film „Die Verlegerin“, mit Meryl Streep und Tom Hanks in den Hauptrollen, zeigt die verschlungenen Pfade, die die Pentagon Papers bis zu ihrer Veröffentlichung in der New York Timesund in der Washington Post 1971 bewältigen mußten.

Nervenkitzel fehlt

Spielbergs Versuch jedoch, Parallelen zwischen einer Presse auf Wahrheitssuche damals und einer Presse auf Anti-Trump-Pfaden heute zu ziehen, schlägt fehl. Während beide Zeitungen in den 70er Jahren noch bis vor den Obersten Gerichtshof zogen, um die Öffentlichkeit über geheime Regierungsaktionen informieren zu können (und gewannen), hat Trump bis dato noch keinen Versuch unternommen, das Presserecht in ähnlicher juristischer Weise zu unterminieren.

Dies macht „Die Verlegerin“ nicht zu einem schlechten Film. Spielberg hat einen sehenswerten, recht altmodischen Streifen über journalistischen Idealismus produziert, dem allerdings der Nervenkitzel der Genre-Klassiker fehlt.

Bemerkenswert ist der Schnitt, dem es gelingt, die Geschichte, trotz der dialoglastigen Szenen, spannend zu erzählen. Meryl Streep brilliert als Katharine Graham, bereits verstorbene Verlegerin der Washington Post, die bis zum äußersten ging und letztlich sogar bereit war, ihre Zeitung auf dem Altar der Pressefreiheit zu opfern.

Am Ende wird es kitschig

Auch der Rest der Besetzung spielt gut: Tom Hanks als Redakteur Ben Bradlee, Bob Odenkirk als unermüdlicher Reporter Ben Bagdikian, Michael Stuhlbarg als Redakteur Abe Rosenthal, und Bruce Greenwood, der den Verteidigungsminister Robert McNamara mit glänzender Sensibilität porträtiert.

„Die Verlegerin“ wird auch bei deutschen Medienvertretern sicherlich gut ankommen – es geht schließlich um einen triumphalen Moment ihre Branche. Der Film aber ist kein Meisterwerk. Spielberg drehte ihn sehr zügig, während er schon an seinem Science-Fiction-Werk „Ready Player One“ arbeitete. Gerade gegen Ende fällt so mancher arg polit-kitschiger Moment mit einem Übergewicht zeitgeistiger Botschaft negativ ins Gewicht.

Steven Spielberg, Meryl Streep und Tom Hanks bei der Europapremiere von „Die Verlegerin“ in London Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
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