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Der Film war sein Schicksal

Fritz Hipplers Name ist untrennbar verknüpft mit dem wohl bösartigsten Hetzfilm aller Zeiten. „Der ewige Jude“ (1940) verglich Juden mit Ratten, führte Ghettobewohner aus Lodz als „Untermenschen“ vor und zeigte minutenlang die Schächtung einer Kuh, um die vermeintliche jüdische Grausamkeit anzuprangern.

Der 1909 geborene Fritz Hippler, promovierter Doktor der Philosophie, seit 1927 Nationalsozialist und seit 1939 „Reichsfilmintendant“, war jedoch vermutlich unschuldig an diesen Exzessen. Hippler betonte in seiner Autobiographie, daß der Inhalt des Films vollständig von Goebbels selbst verantwortet wurde. Dies glaubte ihm schließlich sogar der unerbittliche NS-Bewältiger Thomas Harlan, Sohn des Regisseurs von „Jud Süß“, als er den greisen Hippler persönlich kennenlernte: „Je länger man sich in die Archive versenkt, desto vorsichtiger wird man mit Verurteilungen, es gibt so viele Abweichungen und Zufälle und wenige gültige Gesetze.“

In der Tat fehlt Hipplers sonstigen Filmen wie „Feldzug in Polen“ (1940) die demagogische Niedertracht des „Ewigen Juden“. Er scheint vielmehr ein eigenwilliger Querkopf innerhalb des NS-Systems gewesen zu sein. So setzte er sich 1933 in einem Vortrag für die expressionistische Kunst ein, die bald darauf als „entartet“ gebrandmarkt wurde. Als Reichsfilmintendant legte er eine schützende Hand über Schauspieler und Regisseure, die ständig in Gefahr waren, der Willkür von Goebbels’ „Zuckerbrot und Peitsche“-Politik zum Opfer zu fallen. Henny Porten, die eisern zu ihrem jüdischen Ehemann hielt, nannte Hippler einen der „ganz wenigen Menschen in der Zeit des Nazi-Regimes (…), der in warmherzigster und menschlichster Weise mir mein schweres Los erleichtert hat“.

Es war auch Hippler, der den verfemten Erich Kästner als (pseudonymen) Drehbuchautor für die Ufa-Prestigeproduktion „Münchhausen“ (1943) engagierte. Als Goebbels diese Eigenmächtigkeit entdeckte, enthob er Hippler seines Postens und schickte ihn als einfachen Kriegsberichterstatter an die Ostfront. Nach seiner Kriegsgefangenschaft und zwei Jahren alliiertem Gefängnis arbeitete er unter Pseudonym beim Fernsehen, als Werbeleiter und schließlich im Reisebüro seiner Frau.

In seinen autobiographischen Büchern in der Verlagsgesellschaft Berg rechtfertigte Hippler sein Engagement für den Nationalsozialismus, verurteilte jedoch die Verbrechen des Regimes. Er starb am 22. Mai 2002 in Berchtesgaden im hohen Alter von 92 Jahren.

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