Konsumflaute

Einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge wollen die deutschen Verbraucher in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke im Durchschnitt lediglich 221 Euro und damit zehn Prozent weniger als noch 2007 ausgeben. Die in diesem Trend zum Ausdruck kommende Rückbesinnung auf den ursprünglichen, nicht allein eine Belebung des Einzelhandels bezweckenden Charakter des Festes scheint jedoch nicht freiwilliger Natur zu sein. Die postmaterielle Gesellschaft wird auch hier weniger durch einen Einstellungswandel der Bürger als durch eine Verringerung ihrer finanziellen Möglichkeiten eingeläutet. Nachdem sie durch eine anziehende Inflation und bis zur Erlösung durch die Bankenkrise explosionsartig gestiegene Energiepreise das ganze Jahr über zum Konsumverzicht gezwungen waren, sind die Verbraucher somit nicht bereit, nun zur Weihnachtszeit ihre Zurückhaltung aufzugeben, um wenigstens den Mitmenschen eine Freude zu machen. Der Grund dafür dürfte nicht nur in einer im Angesicht der Krise notgedrungen wachsenden Entsolidarisierung, sondern vor allem in eher skeptischen Zukunftserwartungen zu suchen sein. Es ist gewiß, daß die Arbeitnehmer zur Finanzierung des Gesundheitswesens im neuen Jahr stärker zur Kasse gebeten werden, und das Risiko, den Job zu verlieren, nimmt wieder zu. Der Ankündigung der Regierung hingegen, ein Konjunkturprogramm zur Ankurbelung des Binnenkonsums aufzulegen, möchte man angesichts der immensen Kosten, die der Staat zur Bankensanierung bereits auf sich nimmt, nicht so recht vertrauen. Der Einzelhandel wird daher einem markanten Umsatzrückgang ins Auge schauen müssen, der sich nach den Feiertagen fortsetzen dürfte, da ein gewichtiger Teil der Geldgeschenke nicht mehr wie bisher für entbehrliche Konsumgüter ausgegeben werden kann, sondern zur Bestreitung des allernotwendigsten Lebensunterhaltes verwendet werden muß. Diese Konsumflaute mag für die Geschäftsinhaber bedauerlich sein, für die Volkswirtschaft insgesamt ist sie begrüßenswert. Ein stagnierender Außenhandel kann nicht durch steigende Binnennachfrage aufgefangen werden, da die deutschen Verbraucher andere Güter erwerben wollen, als die Unternehmen exportieren. Konsumieren die Bürger mehr, müssen auch mehr Waren eingeführt werden, die Handelsbilanz verschlechtert sich, und das Risiko einer importierten Inflation wächst. In der Krise hilft nur Sparen: Wohin es führt, wenn alle andauernd über ihre Verhältnisse leben, haben die USA hinlänglich gezeigt.

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