Stalin lebt!

In Bachs „Matthäus-Passion“ heißt es: „Buß und Reu / Knirscht das Sündenherz entzwei“. Buße ist die sittlich und religiös korrekte Haltung zum eigenen sündhaften Verhalten. Ihr zentraler Akt ist die Reue, die Umkehr in Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott. Es ist ein Moment der Gnade und Freiheit. „Gottes Liebe überwindet die Schuld des Menschen, indem sie den Menschen zur freien Gegenliebe bringt“ (Karl Rahner). Die Theorie des Marxismus-Leninismus setzte an ihre Stelle Kritik und Selbstkritik, eine dialektische Methode zur Aufhebung des Widerspruchs zwischen „objektiven Erfordernissen“ und „subjektiven Auffassungen“. Nur war der real-existierende Sozialismus weniger „objektiv“, sondern vor allem eine machtgeschützte Wahnidee. Kritik entpuppte sich als Zwang, sich dem Wahnsinn zu unterwerfen und ihn mittels Selbstkritik zu verinnerlichen, am besten öffentlich. Von Dialektik keine Spur, Freiheit und individuelle Selbstachtung wurden ausgelöscht. Man nennt diese Praxis auch: Stalinismus. Und Stalin lebt! Da hat Rolf Hochhuth in dieser Zeitung einige Narrheiten über die Kollektivschuld der Deutschen und den Historiker David Irving gesagt. Statt über die Tragik eines alten Enthüllers, der nichts mehr zu enthüllen hat, den Mantel des Schweigens auszubreiten, nötigt man ihn zum Kniefall, natürlich nur in bezug auf die Irving-Äußerungen. Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky hat über die „multikulturelle Gesellschaft“ ein paar klare Feststellungen getroffen und die „Mafia der Gutmenschen“ für die Situation verantwortlich gemacht. Nun zwingen die Gutmenschen ihn zum öffentlichen Bekenntnis, daß es keine Gutmenschen-Mafia gibt. Bei der Hatz auf ihn gibt die poststalinistische PDS den Takt vor. Nicht nur die Opfer dieser Praxis, auch die Täter bedürfen der Gnade. In diesem Sinne: Allerseits Frohe Ostern.

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