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Der beste Botschafter von allen

Mit dem Tod des Schriftstellers Ephraim Kishon hat der jüdische Humor seinen weltweit stärksten Protagonisten verloren. Gleichzeitig verlieren die Deutschen einen israelischen Freund, dessen Freundschaft alles andere als selbstverständlich war. Kishon wächst als Ferenc Hoffmann in Budapest auf. Noch wirkt dort die k. u. k.-Tradition eines jüdischen Großbürgertums fort, das sich noch als Amalgam eines gerade untergegangenen Vielvölkerstaates begriff. Die „Muttersprache“ des Bankiersohns ist Ungarisch, aber schon früh tritt die deutsche Sprache hinzu. 1940 wird ein erster Essay mit dem ersten Preis eines landesweiten Literaturwettbewerbs für Schüler belohnt. Die bürgerliche Idylle zerbricht im Krieg. 1944, nach Absetzung der Regierung Horty, wird die Familie Hoffmann in das KZ Sobibor deportiert. Auf dem Transport gelingt Ferenc in der Slowakei die Flucht. Er kann bis Kriegsende untertauchen. Das Trauma der Deportation läßt ihn vorübergehend an die kommunistischen Verheißungen glauben. 1949 bricht er mit den ungarischen Kommunisten und flieht nach Israel. Von nun an ist Ferenc Hoffmann Zionist und wird es bis zu seinem Lebensende bleiben. Hier wird er als Ephraim Kishon neu geboren. Er muß Hebräisch lernen, tut das im Kibbuz und schreibt bald Kolumnen für die konservative Tageszeitung Ma’ariv, die Glosse wird er dreißig Jahre lang täglich verfassen. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1959, als die New York Times sein Buch „Drehn Sie sich um, Frau Lot“ zum Buch des Monats wählte. Es folgten über 50 Bücher mit einer Gesamtauflage von 43 Millionen Exemplaren, davon 33 Millionen in Deutschland, daneben Theaterstücke und Filme. Viele Preise trug er mit nach Hause, darunter den Israelpreis für den „größten Meister der hebräischen Sprache“, für ihn eine Fremdsprache bis 1950. Neben Yehudi Menuhin gehört er zu denjenigen Juden, die früh für die Aussöhnung mit den Deutschen eintreten. Das machte ihm in Israel einige Feinde, dort wurde er manchmal als „Witzbold der Deutschen“, und der „Nazis“ bezeichnet. In Deutschland war er der erfolgreichste Botschafter Israels überhaupt. Mit Geschichten über den israelischen Alltag, die weder von Opfern noch von Heiligen, sondern von Menschen mit vertrauten Problemen handelten, entkrampfte er das deutsch-jüdische Verhältnis. Deutsche Kritiker stießen sich auffällig oft an seinem Antikommunismus; in der DDR kam er nicht vor. Mit Herbert Fleissner, seinem deutschen Verleger, verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft. Als Zeichner und Karikaturist wurde er weltweit bekannt. Er zeichnete oft das Bild des kleinen zionistischen Siedlers in Sandalen und mit Gewehr, der es der ganzen Welt gezeigt hat. Sein Lieblingsmotiv: David gegen Goliath. Hüten sollte man sich übrigens vor dem von ihm entwickelten Computer-Schachprogramm. Bei Fehlzügen hänselt es den Benutzer. Er war einst Billard-Weltmeister für Israel und nach eigenen Angaben als Informationsminister im Gespräch. Ariel Scharon und vor allem dem 1995 ermordeten Itzhak Rabin stand er politisch am nächsten. Sarah, die „beste Ehefrau von allen“ und Mutter seiner drei Kinder, hat er um knapp drei Jahre überlebt. Geblieben ist sein berühmtes Bonmot über die Ehe: „Die Ehe ist gut für Frauen. Deshalb sollten nur Frauen heiraten.“ Kishons Schicksal steht für Ahasver, den ruhelosen Juden des Talmud, der überall Heimat sucht und sie höchstens zeitweilig finden kann. Nach Ungarn und Israel war das für Kishon das Appenzeller Land in der Zentralschweiz, und es war kein Zufall und kein Einzelfall, daß es den europäischen Juden Kishon im Alter wieder nach Mitteleuropa zog. Die Beisetzung findet trotzdem in Israel statt. Zum Ärger von Ephraim Kishon wird er seine vielen Nekrologe nicht mehr lesen und auch nicht bei seiner Beerdigung zugegen sein können. „Man wird so schöne Sachen über mich sagen, ich werde ein großer Philosoph sein. Schade, daß ich das verpasse.“ Möge Ahasver Ruhe finden.

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