Gut Ding will Kurzweil haben

Die logische Fortsetzung der überaus erfolgreichen „Indiana Jones“-Filme mußte eines Tages notgedrungen zu dem von zahllosen Legenden umrankten mittelalterlichen Orden der Tempelritter führen. Von den Kreuzzügen über die (eher unhaltbare) Behauptung der Freimaurer, legitime Erben des historischen Templerordens zu sein, bis zu den Legenden über angebliche esoterische Geheimlehren und einen sagenumwobenen Schatz der Templer geleitet Regisseur John Turteltaub („Während du schliefst“) den Zuschauer mit Verve, aber auch jenem Schuß Ironie, der für Action-Abenteuer dieser Kategorie unerläßlich ist, durch ein dramatisches und fintenreiches Katz-und-Maus-Spiel. Benjamin Franklin Gates (Nicholas Gates), ein Archäologe und Abenteurer, hat sein Leben der Suche nach jenem Schatz der Tempelritter gewidmet, von dem die meisten Menschen glauben, daß er gar nicht existiert. Gemeinsam mit seinem Freund Riley (Justin Bartha), einem Computerexperten, und der Wissenschaftlerin Abigail Chase (Diane Kruger) gelingt es ihm tatsächlich, hinter das Geheimnis zu kommen: Der Schlüssel zum Vermächtnis der Tempelritter ist eine Schatzkarte, die in den Wirren der amerikanischen Revolution auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung von 1776 geschrieben steht. Diese liegt jedoch im Nationalarchiv in Washington, geschützt vom besten Sicherheitssystem der Welt. Und Gates‘ rücksichtsloser und habgieriger Gegenspieler Ian Howe (Sean Bean) ist ihm bereits dicht auf den Fersen … „Das Vermächtnis der Tempelritter“ enthält alle Ingredienzien, die eine typische Walt-Disney-Produktion ausmachen. Typen, die niemanden unberührt lassen, erleben aufregende Abenteuer an attraktiven Schauplätzen, und für Humor und Spannung ist ebenso gesorgt wie für angemessen dosierte Gefühlsseligkeit. Beschwingte Musik akzentuiert die kurzweilige Geschichte, die vom ewigen Eis der Arktis bis in die düsteren Katakomben unter der Trinity Church in New York führt. Hier, am Schauplatz erbitterter Kämpfe während des Revolutionskrieges, wird schließlich das letzte Kapitel der Schatzsuche aufgeschlagen. Sean Bean, der mit seiner Darstellung des Boromir in „Der Herr der Ringe“ zu internationaler Berühmtheit gelangte und zuletzt in Wolfgang Petersens „Troja“ als Odysseus überzeugte, brilliert dabei einmal mehr als Bösewicht von überragendem Format – mit Blicken, die keine Zweifel über seine dunklen Absichten aufkommen lassen. Überhaupt sind die Widersacher allesamt finstere Gestalten aus dem Bilderbuch, deren Untaten allerdings nur allzu leicht in Komik umkippen. Und auch der amüsante Schluß bekommt jenen Klang von Ironie, der den gesamten Ton des Films bestimmt. Technisch perfekt inszeniert, bietet der Film triviale, aber vergnügliche Unterhaltung, deren parodierende Elemente so manche historische Ungenauigkeit wiedergutmachen. „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist halt ein betont amerikanisches Abenteuer mit allem, was dazugehört. Da schaut man über derlei „Kleinigkeiten“ auch schon mal hinweg.

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