Unter Waffen stehend

Amerika betreibt das größte und gefährlichste Atomwaffenprogramm der Welt. Tausende von Nuklearraketen stehen zum sofortigen Einsatz auf Knopfdruck bereit. Die Gefahr, daß die einzig verbliebene Supermacht sie auch im „Krieg gegen den Terror“ verwendet, ist größer denn je. Das behauptet die US-Amerikanerin Helen Caldicott, Leiterin des Nuclear Policy Research Institute in Los Angeles. Seit Ende des Kalten Krieges hätten die USA in gigantischem Maß aufgerüstet. Caldicott konstatiert, daß dieser Rüstungswettlauf in der Rivalität der Waffengattungen begründet ist. Diese würde durch die Rüstungskonzerne forciert, die wiederum von den Denkfabriken („Think Tanks“) einiger konservativer Politiker und Publizisten motiviert würden. Diese sogenannten Neokonservativen formulierten gleichzeitig die Politik der Bush-Administration. Neben den bekannten Vertreter wie Paul Wolfowitz, Richard Perle und Charles Krauthammer subsumiert Caldicott auch Politiker im Berater-Altenteil wie Henry Kissinger, Caspar Weinberger, James Schlesinger und Brent Scowcroft unter diese Gruppe. Selbst Lobbyisten der Ölindustrie wie Richard Cheney und Donald Rumsfeld werden den Neokonservativen zugeordnet. Die Spinne im Netz ist für Caldicott allerdings der stellvertretende Außenminister Wolfowitz. Dieser verlangte unmittelbar nach dem 11. September 2001 zynisch einen „unendlichen Krieg“ (infinite war) gegen „den Terror“ mit Bombardierung des Irak, Syriens und Lybiens. Andere „Think Tanks“ wie das American Enterprise Institute, das Cato Institute und das Center for Security Policy fordern sogar eine atomare Aufrüstung, selbst mit taktischen Nuklearwaffen. Caldicott schildert die komplizierten Details neuer Waffentechnik auf thermonuklearer Basis sowie lasergestützt aus dem Weltraum, entwickelt von Firmen wie Halliburton, deren Expansion das ehemalige Vorstandsmitglied Cheney mit Insiderkenntnis unterstützt hat und deren Zukunft dank weiterer Milliardenprogramme des Pentagon gesichert ist. Helen Caldicott: Atomgefahr USA. Die nukleare Aufrüstung der Supermacht. Diederichs Verlag, München 2003, gebunden, 363 Seiten, 23 Euro

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