Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

In letzter Zeit ist es wirklich schwer, einmal nicht über anmaßende Blog-Tintenritter und aufstrebende Oberverdachtschöpfer zu schreiben. Angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten des Internets, seine jeweiligen kleinen Komplexe und größeren Neurosen auszuleben, können offensichtlich allzuviele Mit„bürger“ gar nicht anders, als sich mit schweißnassen Händen an der Tastatur abzurackern. Kein Anlaß ist – so man ihn denn unter die „rechten“ Vorzeichen stellen kann – zu lächerlich, und das Schwarze unterm Fingernagel gönnt man anderen Leuten ja sowieso nicht.

Nun, da der sogenannte „shitstorm“ ohnehin seit mehreren Jahren in Mode ist und ein Rudel Hampelmänner wie die Piratenpartei ihn gar in den Rang einer salonfähigen Methode „politischer“ Argumentation erhoben haben, möchte ich neben dem allfälligen Stereotyp des „Blockwarts“ gern aus offensichtlichen Gründen den „Sch…sturmführer“ aus der Taufe heben.

Wenn man liest, wie sich in den letzten Tagen an Tchibo abgearbeitet wurde, fällt einem wirklich nichts Besseres mehr ein. Solch eine Graswurzelhysterie wird dann ausgerechnet lanciert vom Blog „Publikative“, ehemals „NPD-Blog“, des umtriebigen Patrick Gensing. Ausgestattet mit mehreren Nominierungen für den Grimme-Preis und in Arbeitsteilung mit der Amadeu-Antonio-Stiftung gehen die volkspädagogischen Schmutzwürfe doch viel leichter von der vielbemühten Hand. Auch, wenn Gensing selbst mittlerweile zurückgerudert ist – vielleicht ist einem Berufsbesorgten dann doch auch selbst unangenehm, wie leicht die wenig denkenden, dafür um so mehr schreibenden Massen aufzustacheln sind.

Satire? Oder nur eine Frage der Zeit?

Daß Tchibo vor einer solchen „Entladung des Volkszorns“ einknicken würde, war nicht anders zu erwarten. Augenscheinlich fällt auch niemandem mehr ein, wie lachhaft die antifaschistische Zahlenmystik ist; wie auch, wenn Behörden das Spiel längst mitspielen?

In Alex Kurtagi?s genialem opus magnum „Mister“, das nach wie vor bedauerlicherweise nur auf Englisch vorliegt, gibt es eine köstliche Szene, die die ganze Absurdität des Vorgangs aufzeigt: Da wird dem namenlosen Protagonisten, der wegen „Haßverbrechen“ eingesperrt werden soll, von den ihn vernehmenden Polizisten im Brustton der Überzeugung vorgerechnet, daß er und der Historiker David Irving, die auf einer Flugreise zufällig nebeneinander zu sitzen kamen, ihre Sitzplätze zu Propagandazwecken gewählt hätten: „You were seated on 39F and David Irving was on 39E. Three plus nine, twelve. F is the sixth letter of the alphabet. Twelve plus six, eighteen. One, Eight. A is the first letter of the alphabet; H is the eighth. A, H. Adolf Hitler. You are not as clever as you think, Mister. We know everything.“

Nur eine satirische Idee, oder vielleicht doch Zukunftsmusik? Bei derart aufmerksamen, engagierten Mitbürgern wie heutzutage wohl doch nur eine Frage der Zeit.

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