Vom großen „Dagegen“ und dem großen „Dafür“ – Teil II

Die mütterlich liebende Kirche und die väterlich führende Hand des Kaisers: das erste große „Dagegen“ wurde mit der Reformation ausgesprochen, an deren Ende, nach einem langen und blutigen Befreiungskampf, die Religionsfreiheit stand. Das zweite große „Dagegen“ wurde mit der Französischen Revolution ausgesprochen, an deren Ende in einem nicht weniger blutigen Befreiungskampf die Demokratie stand. Dazwischen und danach gab es noch eine Reihe weiterer „Dagegen“, die klarer erkennen lassen, was in der heutigen Gesellschaft kocht.

Doch wo ein großes „Dagegen“ ausgesprochen wird, muß es da nicht auch ein großes „Dafür“ geben? Wie sollte die Gesellschaft gestaltet werden, wenn nicht nach der Art der Vorväter? Woher sollte man neue soziale Ideen schöpfen? Man entdeckte die Kultur einer Zeit, die noch vor dem mittelalterlichen Gemeinwesen herrschte. Die Antike war es somit, die als Renaissance die Neuzeit gestaltete. Ein Bürgertum und mit ihm der moderne Nationalstaat bildeten sich herauf, die sich als Abbild der Res Publica formten.

Gegenwart als Endpunkt einer Entwicklung

Aber der Mensch der Antike lebte nicht mehr. Dessen politische Gestalt ahmte man nur nach, man war nicht sein Ebenbild. Es waren andere Menschen, die umher gingen, kein Plutarch oder Seneca, sondern eben Menschen der Neuzeit. Sie dachten und empfanden immer ein wenig anders, stets fehlte ihnen etwas an dem überlieferten Erbe der Antike. So konnte es gar nicht anders kommen, als daß das „Dafür“ schwächer und schwächer wurde und kraftlos vor dem einstürmenden „Dagegen“ zurückwich.

Heute stehen wir kurz vor dem Endpunkt dieser Entwicklung. Unsere Gesellschaft ist fast vollständig in ein großes „Dagegen“ transformiert worden; ein zerbrechliches Nichts, im höchsten Maße gefährdet, von der Vergangenheit verschlungen zu werden. Denn wieder grenzt die Neuzeit an ein Mittelalter, dieses Mal jedoch nicht als Ausgangs-, sondern als drohender Endpunkt seiner Entwicklung. Denn es ist ein anderes Mittelalter.

Der Okzident hat aus der Fruchtbarkeit seines Schoßes die Neuzeit hervorbringen können. Nichts dergleichen vermag der Orient. Was er dem Okzident noch geben konnte, er hat es bereits vor langer Zeit getan. Jetzt ist nichts mehr übrig, aus dem noch eine Entwicklung für die Zukunft gedeihen kann. Diese kann einzig und allein nur aus uns selbst geschehen, aus unserer eigenen Kultur. Was in ihr als Keim gelegt ist, gleichwie sie selbst einst im christlich-abendländischen Mittelalter ruhte, wir müssen es zum Wachstum, zur Knospung anregen.

Die Zukunft kann nur in uns selbst gefunden werden

Dieses neue, große „Dafür“ können wir nicht in der Vergangenheit finden, erst recht nicht in der Vergangenheit jenseits des Mittelmeeres, sondern einzig in uns selbst, als für die Freiheit und die Zukunft geborene Menschen. In uns ruht dieses neue, große „Dafür“ und untrennbar ist es für uns mit der Frage verknüpft, was wir als Deutsche, als Volk gegenüber der Menschheit sind. Vorausahnend hat dies ein anderer bereits vor zwei Jahrhunderten formuliert:

„Die alte Welt mit ihrer Herrlichkeit und Größe, so wie mit ihren Mängeln ist versunken, durch die eigne Unwürde und durch die Gewalt eurer Väter. Ist in dem, was in diesen Reden dargelegt worden, Wahrheit, so seid unter allen neueren Völkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt, und denen der Vorschritt in der Entwicklung derselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zu Grunde, so gehet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Übel zu Grunde.“

Es ist die Idee der Freiheit, die hier und heute verteidigt werden muß. Was Johann Gottlieb Fichte in seinen „Reden an die Deutsche Nation“ sagte, ist nicht nationalchauvinistische Überheblichkeit, sondern lediglich die bittere Wahrheit. „Es ist daher kein Ausweg: wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederherstellung.“ Wir haben gar nicht das Recht unterzugehen und weiter beschaulich unsere spätrömische Dekadenz zu pflegen. Wir haben die Zukunft zu gebären.

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