Sprachkritiker Loriot

Auch einen Monat nach dessen Tod beklagen wir weiterhin den Verlust eines herausragend sprachbewußten und beliebten Menschen. Loriot hat die deutsche Sprache geprägt und bereichert. Er hat es darüber hinaus auch nicht an kritischen Bemerkungen zur Entwicklung seiner Muttersprache fehlen lassen.

Das stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. Rolf Landolt, der Präsident des „Bundes für vereinfachte rechtschreibung“ (Zürich), bescheinigt Loriot gar Humorlosigkeit: „Dass er wegen einer banalen änderung der rechtschreibung im alter den humor verlor, ist geradezu tragisch.“ Landolt ärgert sich bis heute über diesen Satz Loriots in der Bild-Zeitung: „Wir sind auf dem Wege, unser wichtigstes Kommunikationsmittel so zu vereinfachen, daß es in einigen Generationen genügen wird, sich grunzend zu verständigen.“ Diese Äußerung aus dem Jahr 2004 sei „ganz unkomisch und populistisch“, meint der Schweizer.

„Die Rechtschreibreform ist völlig in Ordnung …“

In Wirklichkeit bot Loriot gerade die Rechtschreibreform Gelegenheit zur Komik, etwa als er im Oktober 1997 auf einer Dichterlesung feststellte: „Die Rechtschreibreform ist ja völlig in Ordnung, – wenn man weder lesen noch schreiben kann.“ Fast eintausend Zuhörer spendeten ihm damals donnernden Beifall.

Außerdem beteiligte sich Loriot 2004 an dem Spaß, als Ehrenmitglied an der Gründung eines reformkritischen Vereins mit dem Namen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ mitzuwirken. Damit kamen die Reformgegner der Kultusministerkonferenz zuvor, die unter demselben Namen („Rat für deutsche Rechtschreibung“) einige Monate später ein Marionettentheater mit dem Auftrag gründeten, die Rechtschreibreform zu retten.

Anglisierung als „monströse Lächerlichkeit“

Daß Ludwig Eichinger, Mitglied des Kultusministerrats und Direktor des Instituts für deutsche Sprache, an dem die Reform ausgeheckt wurde, Loriot postum als „Meister der deutschen Sprache“ würdigte, findet daher der Reformkritiker Theodor Ickler ganz und gar nicht komisch. Dies habe etwas „Obszönes“, so Ickler. Doch sagt Eichinger ja nichts Falsches, wenn er Loriots Sprachvermögen lobt. Schließlich verdanken wir ihm Wortschöpfungen wie „Spannfedermuffe“. Er hat Ausrufen wie „Moooment!“ und „Ach was?!“ eine neue Bedeutung gegeben. Er hat das Jodeln neu erfunden und mit dem „zweiten Futur bei Sonnenaufgang“ die deutsche Grammatik bereichert.

Nicht nur zur Rechtschreibreform hat sich Loriot kritisch geäußert. Gegenüber der Süddeutschen klagte der Sprachkünstler im Jahr 2002 sein Leid: „Die Anglisierung unserer Sprache steigert sich allmählich in eine monströse Lächerlichkeit. Deutsch wird uncool. Gleichzeitig blamieren wir uns mit Worthülsen wie ‚Ich erwarte mir‘ oder ‚Ich gehe davon aus‘.“ Es muß nicht immer alles komisch sein. Danke für die ernsten Worte zur deutschen Sprache, lieber Loriot!

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