Nicht nur Griechen lügen

Alles regt sich über Griechenland auf, weil sich die Griechen mit gefälschten Bilanzen in den Euro hineingeschmuggelt haben. „Tricksen und Täuschen“ habe Tradition in Griechenland, schimpfte etwa die Welt. Den Griechen glaube jetzt niemand mehr. Verbindlichkeiten wurden aus dem Haushalt rausgerechnet, Milliarden für Schwarzarbeit wurden zum Bruttoinlandsprodukt hinzuaddiert. Kreative Buchführung wird so etwas genannt.

Aber haben wir wirklich das Recht, den Griechen hochnäsig die Leviten zu lesen? Ich meine: Nein. Denn: Nicht nur bei Mittelmeeranrainern wird getrickst und getäuscht. Soviel solider sind deutsche Politiker nämlich auch nicht. Sagt uns unsere Regierung die genaue Zahl der Arbeitslosen, die von Tausenden von nutzlosen Beamten der Arbeitsagenturen „verwaltet“ werden? Da wird getrickst und getäuscht, um die Zahl niedriger aussehen zu lassen, als sie ist.

Nun ist Arbeitslosigkeit erfreulicherweise nicht mehr das 1a-Problem unserer Zeit. Dafür laufen die Staatsfinanzen immer weiter aus dem Ruder. Das Thema geht jeden an, der mehr als tausend Euro auf dem Konto hat. Vierzig Jahre lang haben unsere Volksvertreter jedes Jahr mehr Geld ausgegeben, als sie eingenommen haben. So wuchs der Schuldenberg auf die nunmehr astronomische Summe von 1,9 Billionen Euro. Der in der letzten Woche verabschiedete Schuldenhaushalt hat eine neue Rekordmarke gesetzt: 80 Milliarden Euro Neuverschuldung sind ein durch nichts zu rechtfertigender Skandal.

Merkel wird nach der NRW-Wahl das Scheckbuch herausholen

Und diese sichtbaren Schulden sind nur eine Seite der Medaille: Jeder weiß, daß die wahren Schulden noch viel größer sind. Die Verpflichtungen für Pensionen, Renten und den ganzen restlichen Sozialstaat  belaufen sich auf bis zu sieben Milliarden. Diese Summe hat Arnulf Baring kürzlich bei Anne Will genannt. Bestätigt wurde sie jetzt durch ein Gutachten von Professor Bernd Raffelhüschen, der das mal genau nachgerechnet hat. Er kommt auf mehr als sechs Billionen Euro implizite Staatsverschuldung.

Es ist kein Wunder, daß Bundespräsident Horst Köhler die Deutschen auf den Bankrott vorbereitet. Im Focus-Interview spricht er sich heute für ein Insolvenzverfahren für Staaten aus, die mit ihren Schulden nicht mehr klarkommen. Er bezog sich explizit nicht auf Griechenland. Und wo wir gerade wieder bei Griechenland sind: Natürlich werden unsere Politiker Mittel und Wege finden, die Hellenen mit unserem Geld finanziell zu unterstützen.

Die Spatzen pfeifen es in Berlin von den Dächern: Nach der NRW-Wahl wird die Kanzlerin das Scheckbuch herausholen und die Kreditkrise mit unserem Geld lösen. Oder gibt es irgendeinen Grund anzunehmen, daß es anders kommen könnte? Ich sehe keinen. Deutsche Politiker sind keinen Deut vertrauenswürdiger als griechische.

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