Germany’s Next Topmutter

Seit einigen Wochen läuft im Fernsehen wieder eine neue Staffel von Heidi Klums Erfolgssendung „Germany’s Next Topmodel“. Wer die Sendung kennt, weiß, daß es kaum ein besseres Beispiel für weibliche Konkurrenzkämpfe und Stutenbissigkeit gibt als diesen Schönheitswettbewerb. Denn dort werden vor der Kamera nicht nur schöne Augen gemacht, sondern es wird auch ziemlich häßlich getuschelt, gelästert und gemobbt.

Es ist egal, was Frauen machen – sie vergleichen sich immer mit anderen Frauen. In allem, was sie tun, wollen sie besser, schöner und erfolgreicher sein, als die anderen. Und das hört natürlich nicht bei pubertären Schönheitswettbewerben auf, sondern zieht sich durch das ganze weibliche Leben – bis hin zum Muttersein.

Unter der Oberfläche herrscht Krieg

Ja, nichts mit Anmut, Reinheit und Heiligkeit der Mütter: Unter der Oberfläche herrscht Krieg. Dabei gilt die Maxime „Jede gegen Jede“. Die arbeitenden Mütter fühlen sich gegenüber den Hausfrauen überlegen. Die Zuhausebleibenden wiederum beschimpfen diese als Rabenmütter.

Zusätzlich gibt es die militanten Stillmütter, die aktiven „Englisch-für-Säuglinge-Mütter“ und die sanften Biokost-Mütter. Es gibt immer etwas zu meckern: Die anderen sind entweder zu eifrig, zu faul oder, wenn es nichts anderes gibt, zu mütterlich.

Mütter leben in einem ständigen Konkurrenzkampf zu einander: Heimlich wird mit den anderen verglichen: Ist mein Kind größer, weiter, intelligenter? Bin ich die perfektere Mutter, bin ich als Hausfrau fleißiger, und sehe ich dabei besser aus?

Unsicherheit über die eigene Mutterrolle

Zu einer offenen Konfrontation kommt es jedoch meistens nicht. Auch das ist typisch weiblich. Vielmehr werden Spitzen wie „ach Du Arme! Du siehst ja so müde aus. Schläft Dein Kind immer noch nicht durch?“ an der richtigen Stelle losgelassen. Und sie stechen dort, wo es am meisten weh tut: An der Unsicherheit in der eigenen Mutterrolle. Denn jede Mutter fragt sich mehrmals am Tag: „Mache ich das richtig?“

Um sich selbst zu bestätigen, werden die Entscheidungen anderer Mütter als falsch abgestempelt. Bekanntermaßen stärkt ja Abgrenzung die eigene Identität. Doch nur die wenigsten können wirklich sagen, wie eine perfekte Mutter sein sollte. Oder wie eine Mutter überhaupt sein sollte.

Das Problem ist, daß Frauen alles haben wollen und das auch noch gleichzeitig: Brave und intelligente Kinder, ein schönes Zuhause und einen zufriedenen Ehemann, aber auch Freiheit, Anerkennung und die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Sie wollen schön und schlank sein – nicht müde, ausgelaugt oder übergewichtig. Da es aber schier unmöglich ist, das alles gleichzeitig zu haben oder zu leisten, sind viele Frauen nicht selten unzufrieden.

Und das bekommen dann wieder die anderen zu spüren. Ein ewiger Kreislauf im Kampf um die Krone von „Germanys Next Topmutter“.

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