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Anja Arndt, NGO-Affäre, EU-Kommission

Antideutscher Ausrutscher

Antideutscher Ausrutscher

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Ich rutsche nicht!“ schrieb mir eine empörte Sprachwelt-Leserin. Unser Anglizismenmuffel hatte Unerhörtes gewagt. Denn er hatte es sich nicht nehmen lassen, den Lesern seiner Kolumne zu wünschen, noch in „viele neue Jahre rutschen“ zu können. Das war zu viel für die gute Frau: „Ehrlich gesagt, ich bin entsetzt!“ Den Beweis der rechten nationalen Gesinnung blieben wir ihr schuldig: „Ich bin national, und Sie?“

Schließlich sei die Redewendung vom „guten Rutsch“ jiddischen Ursprungs, erfahren wir von der bekennenden NPD-Anhängerin. Sie fühlt sich durch den Neujahrswunsch regelrecht ausgegrenzt: „Vermutlich wollen Sie auch nichts mehr mit mir zu tun haben, denn ich stehe der NPD nahe! Ich weiß, daß Sie damit nichts zu tun haben wollen!“

Jiddisch und national gehen demnach also nicht zusammen. In diesem Sinne hat auch die JUNGE FREIHEIT endgültig bewiesen, in Wirklichkeit tief antinational eingestellt zu sein. Verkündete sie doch ihren Lesern vor wenigen Tagen in großen Lettern – allerdings nicht in „Schwabacher Judenlettern“ (Martin Bormann): „Die JUNGE FREIHEIT wünscht einen guten Rutsch!“

Der „Rutsch“ – tatsächlich jiddisch?

In zahllosen Veröffentlichungen war zum Jahreswechsel wieder einmal zu lesen, daß der „gute Rutsch“ nichts mit Glatteis zu tun habe. Er leite sich von dem hebräischen Wort für Neujahr ab: Rosch Haschana (Anfang des Jahres). Im Jiddischen sei aus „Rosch“ (Anfang) dann der „Rutsch“ geworden, der dann in die deutsche Sprache eingegangen sei wie andere jiddische Wörter, wie zum Beispiel „malochen“, „meschugge“ und „mies“. Letzteres war übrigens ein Lieblingswort des „Führers“.

Das ist zwar eine nette Herleitung; dennoch ist sie zweifelhaft und unbewiesen. Denn im Deutschen ist auch ohne jiddischen Einfluß bereits das Wort „Rutsch“ vorhanden, auch in der Bedeutung „kleine Reise“. Außerdem: Wer denkt eigentlich ans hebräische Neujahrsfest, wenn er einen „guten Rutsch“ wünscht? Hierzulande verbindet jeder damit doch eher den Gedanken an eine „gute Reise“ vom alten Jahr ins neue.

Fröhlicher Übergang“

Letztlich könnte also der „Rutsch“ genauso wenig jüdischer Herkunft sein wie die wunderschöne Schwabacher Frakturschrift, welche die Nationalsozialisten als „Judenlettern“ verunglimpften und verboten. Es ist statt dessen auch der entgegengesetzte Weg denkbar, nämlich daß im Jiddischen das hebräische „Rosch“ an den deutschen „Rutsch“ angeglichen wurde.

Möglicherweise ist also bei vielen, die den Rutsch für jiddisch halten, eher der Wunsch der Vater des Gedankens, da die Geschichte so schön dem Zeitgeist entspricht.

Die aufgebrachte Leserin hat uns dennoch eine Neujahrsgrußkarte geschickt. Von einem „guten Rutsch“ war darin selbstverständlich nicht die Rede. Statt dessen nehmen wir dankbar Wünsche für einen „fröhlichen Übergang“ entgegen.

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