1839: Opiumkrieg gegen China

„Ich kenne keinen Krieg und habe auch von keinem gelesen, der von seinem Ursprung her ungerechter und mehr dazu angetan ist, England Schande zu bringen“, erklärte William Ewart Gladstone, nachmaliger mehrfacher englischer Premierminister, am 8. April 1840 im englischen Unterhaus.

Der Krieg, den Gladstone meinte, ging als Erster Opiumkrieg (1839–1842) in die Geschichte ein. Heute, 170 Jahre später, sind die genaueren Umstände dieses Krieges, der aus reinem Profitinteresse heraus geführt wurde, im Westen kaum mehr bekannt. In China hingegen sind die mit den Opiumkriegen verbundene Demütigung durch Großbritannien und der damit verbundene nationale Niedergang des „Reiches der Mitte“ im „öffentlichen Bewußtsein“ nach wie vor äußerst präsent.

Was waren die Voraussetzungen dafür, daß Großbritannien China zwingen konnte, seine Grenzen für den Opiumhandel zu öffnen? Hierzu bedarf es eines Blickes auf die Handelsaktivitäten der Britischen Ostindienkompanie (British East India Company, BEIC). Diese vor allem belieferte Europa zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit Tee, Seide und Porzellan.

Opiumhandel als Haupteinnahmequelle

In den Kassen der BEIC machte sich im Handel mit China aber bald ein kritischer Mangel an Barmitteln bemerkbar, unter anderem deshalb, weil die Einfuhr britischer Produkte in China (vor allem von Geweben) kaum auf Resonanz stieß. Das hohe Niveau der Baumwollverarbeitung in China machte englische Importe schlicht überflüssig. Die BEIC sann auf Abhilfe und entdeckte mehr und mehr den lukrativen Opiumschmuggel nach China, den sie seit Mitte der 1770er Jahre als Monopolist betrieb, als „Geschäftsfeld“, mit dem sich ein glänzender Gewinn erzielen ließ.

Die Anbaugebiete mit riesigen Mohnfeldern lagen vor allem in Indien, genauer in Bengalen und im zentralindischen Malwa, wo indische Bauern unter erbärmlichen Bedingungen für die BEIC die Mohnfelder bestellen mußten. Das strenge chinesische Einfuhrverbot für Opium störte die Handelsgesellschaft nicht, im Gegenteil. Mehr als 60 Jahre lang sollte der Opiumhandel die Haupteinnahmequelle Britisch-Indiens im Handel mit China bleiben – ein Handel, der für Großbritannien sonst defizitär geblieben wäre.

Die enorme Einfuhr von Opium drohte bald die chinesischen Staatsfinanzen zu ruinieren, abgesehen von „Begleiterscheinungen“ wie Korruption, steigende Kriminalität et cetera. 1839 versuchte der chinesische Kaiser ein Exempel zu statuieren, indem er 22.000 Kisten Opium beschlagnahmen und vernichten ließ. Die geschädigten britischen Opiumhändler wandten sich an London, das sich zu einer Strafexpedition in Gestalt eines Flottenverbandes entschloß.

Gestohlenes Kulturgut zurückgekauft

Militärisch chancenlos, mußte China 1842 in den Vertrag von Nanking einwilligen, der neben der Abtretung Hongkongs an Großbritannien und der Zahlung von 21 Millionen Silberdollar auch die Öffnung diverser chinesischer Häfen für den „Handel“ (sprich: Opiumhandel) vorsah. Dieser Krieg fand noch eine Fortsetzung, „Zweiter Opiumkrieg“ genannt, an dem sich dann auch Frankreich – beutelustig – aktiv beteiligte. China mußte weitere Häfen für den Handel mit dem Westen öffnen.

Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen wurde 1860 unter anderem der einzigartige Yuanmingyuan-Sommerpalast durch Engländer und Franzosen zerstört und geplündert. Dessen Zerstörung hatte im Jahre 2000 noch ein bezeichnendes Nachspiel, als die britischen Auktionshäuser Sotheby’s und Christies ein eigenes Kapitel „Raubkunst“ schrieben; sie ließen in Hongkong vor den Augen der Chinesen vier aus dem Palast gestohlene Kunstwerke versteigern, was einer offenen Provokation gleichkam.

Die chinesische Regierung, so berichtet Konrad Seitz in seinem Buch „China. Eine Weltmacht kehrt zurück“ (Berlin 2000), sah sich schließlich gezwungen, eine Millionensumme auf den Tisch zu legen, um gestohlenes nationales Kulturgut zurückzuerhalten.

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