Kandidatur von Joachim Wundrak

Die unsichtbare Armee

Friedrich Merz, CDU-Chef der Reserve, legte kürzlich empfindlich den Finger in eine Wunde, als er feststellte: „Wir verlieren offenbar Teile der Bundeswehr an die AfD. Wir verlieren Teile der Bundespolizei an die AfD.“ Merz habe diese Erkenntnis aus Gesprächen mit Angehörigen von Bundespolizei und Bundeswehr gewonnen, wie auch durch Informationen von Mitgliedern des Verteidigungs- und Innenausschusses. Sofort war der Aufschrei groß. Das sei doch wieder Wasser auf die Mühlen der AfD. Also nicht den blauen Elefanten im Raum beim Namen nennen?

Noch einmal Aufschwung hat die Debatte um diese Einschätzung gewonnen, als jetzt publik wurde, daß mit Joachim Wundrak der bislang ranghöchste Ex-Militär bei der AfD aktiv geworden ist. Wundrak, Generalleutnant und erst vor einem Jahr mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet, kandidiert für die AfD bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover im Oktober.

Soldaten müssen in der Öffentlichkeit wieder wahrgenommen werden

Wieder werden abgedroschene Argumente aufgewärmt, bei der Bundeswehr gebe es ein „Haltungsproblem“ (Ursula von der Leyen), es gebe zu wenig Prävention gegen Rechtsextremismus bei Armee und Polizei. Doch wieso sonst diese Absetzbewegung von den etablierten Parteien? Alle Mitarbeiter von Sicherheitskräften sind als erstes mit den Konsequenzen konfrontiert gewesen, die eine Politik unkontrollierter Massenmigration ausgelöst hat.

Es ist ein Gefühl aus Machtlosigkeit und Entsetzen, das Bundespolizisten, Soldaten und Kräfte von Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz bis heute nicht mehr verlassen hat, seit sie mit ansehen mußten, wie beim Anschwellen der Migration 2015 durch die politische Führung operiert wurde. Daß die Regierung Merkel im „Willkommens“-Taumel die Sicherheitskräfte hinderte, so zu reagieren, wie es für einen normalen Staat üblich ist – die Grenzen zu sichern.

Ein rührendes, ein seltenes Bild

Joachim Wundrak schildert im Gespräch mit der JF diesen Prozeß der Entfremdung. Empfindlich für Soldaten ist schon seit langem darüber hinaus die fehlende Rückendeckung und Anerkennung für diesen Beruf. Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat mit ihrem Vorschlag, Soldaten in Uniform kostenlos Bahn fahren zu lassen, deshalb ein richtiges Signal gegeben. Soldaten sind kaum noch sichtbar – weil sie es leid sind, in der Öffentlichkeit angepöbelt zu werden und zu erleben, wie gering ihr Dienst von Politikern geschätzt wird, insbesondere der Linken, von denen ihnen überwiegend Verachtung entgegenschlägt.

Vor wenigen Tagen marschierten Soldaten in Flecktarn durch Berlin. Es waren überwiegend Mitglieder des Reservistenverbandes, die mit einem Gedenkmarsch ihrer im Dienst gefallenen Kameraden gedenken wollten. Ein ungewöhnliches, ein rührendes, seltenes Bild.

JF 34/19

Soldaten der Bundeswehr ziehen mit einer Deutschland-Flagge durch Potsdam Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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