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„Winnetou“-Wirbel geht weiter: Nur ein Greenhorn hat was zu meckern

„Winnetou“-Wirbel geht weiter: Nur ein Greenhorn hat was zu meckern

„Winnetou“-Wirbel geht weiter: Nur ein Greenhorn hat was zu meckern

Die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou am Marterpfahl: Die Debatte um „kultureller Aneignung“ reißt nicht ab
Die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou am Marterpfahl: Die Debatte um „kultureller Aneignung“ reißt nicht ab
Die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou am Marterpfahl: Die Debatte um „kultureller Aneignung“ reißt nicht ab Foto: picture-alliance / dpa
„Winnetou“-Wirbel geht weiter
 

Nur ein Greenhorn hat was zu meckern

Nur ein „Greenhorn“ kann Apachen-Häuptling Winnetou für ein unterdrücktes Opfer halten, das Schützenhilfe von links nötig hat. Karl Mays Abenteuerheld ist freilich fiktiv, doch an ihm entbrennt derzeit eine Grundsatzdiskussion, die sich einfach nicht zu beruhigen scheint. Das stärkste Jagdgeheul stimmen aktuell linke Vorkämpfer an, die Winnetou als Vertreter wirklich existierender Indianer betrachten und an ihm ihre Agenda aufhängen wollen. Unter der Ägide „Antirassismus“ ist es ihnen bereits gelungen, den Verkauf mehrere Produkte des Ravensburger Verlag zu stoppen, darunter zwei Bücher mit dem Titel „Der junge Häuptling Winnetou“. Sie waren begleitend zum gleichnamigen Kinofilm erschienen und adaptierten Karl Mays Werke als Kindergeschichte.

 

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Ein von @ravensburgerkinderbuecher geteilter Beitrag

Damit geben sie sich noch nicht zufrieden. Selbst der Direktor des Karl-May-Museums in Radebeul, Robin Leipold, forderte am Donnerstag gegenüber ntv eine grundsätzliche, kritische Debatte und Aufklärungsarbeit bei dem Thema. Es gehe vielen darum, ob man noch „Indianer“ sagen dürfe und ob man Menschen mit einer Kostümierung verletze. In Deutschland werde alles reduziert. „Indianer ist gleich Winnetou ist gleich Karl May. Das ist kolonialistisch und rassistisch.“ Bücher oder Filme aus dem Programm zu nehmen, halte er allerdings für „etwas überzogen“. Viele Menschen setzten sich gar nicht mit den Werken des deutschen Schriftstellers auseinander, der ein humanistisches Weltbild habe.

Film bediene Klischees über Indianer

Carmen Kwasny findet diese Reaktion hingegen genau richtig. Sie ist selbst keine Indianerin, setzt sich aber für die Interessen amerikanischer Ureinwohner ein. „Ich finde, daß eine Produktionsfirma einen solchen Film in der heutigen Zeit nicht mehr machen kann“, sagte sie der Welt mit Blick auf „Der junge Häuptling Winnetou“, der seit Mitte August im Kino läuft. Der Film sei „durch und durch deutsch“. Das meint sie natürlich nicht als Kompliment, sondern als Vorwurf. Die Kindergeschichte sei voller Klischees und bilde die Lebensweise der „Native Americans“ nicht immer korrekt ab.

Doch muß er das überhaupt? Es handelt sich schließlich nicht um eine Dokumentation. Zu keinem Zeitpunkt erhob der Film einen Wahrheitsanspruch. Es sind fiktive, romantisierende Erzählungen, die zum Träumen einladen. Noch dazu wird ein positives Bild von Indianern vermittelt. Winnetou steht für Stärke und Tapferkeit. Der Apache und sein „Blutsbruder“ Old Shatterhand bleiben ihrem jeweilen Volke treu verbunden und begegnen sich dennoch mit höchstem Respekt und tiefer Freundschaft. Behält man das im Blick, ist die Sorge darum, ob Karl Mays Geschichten Kinder zweifelhafte Botschaften vermitteln geradezu absurd. Das Gegenteil ist der Fall.

Das hielt das eigentlich zu Neutralität verpflichtete ZDF nicht davon ab, sich in die Debatte einzumischen. „Bitte achten Sie darauf, das I-Wort in der Kommunikation zu vermeiden, da wir rassistisch geprägten Begriffen keine zusätzliche Plattform geben möchten“, schrieb sie an die Nutzer gewandt unter ihren Facebook-Beitrag zu dem Thema. Kurz darauf löschte sie den Hinweis jedoch wieder. Wie ein ZDF-Pressesprecher am Donnerstag auf eine Anfrage des Merkurs hin mitteilte, gebe es keine Handlungsanweisung zur Verwendung dieses Begriffs. Den Facebook-Beitrag ergänzte der Sender schließlich um die Anmerkung: „Liebe Community, wir haben einen unserer Kommentare unter diesem Post gelöscht. Darin haben wir User*innen aufgefordert, ‚das I-Wort in der Kommunikation zu vermeiden‘. Diese unglückliche Formulierung bedauern wir. Gleichwohl bitten wir grundsätzlich, auf die sensible Verwendung von Sprache zu achten.“

Uschi Glas: Man muß es auch mal gut sein lassen

Schauspielerin Uschi Glas spielte 1966 im Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ die Tochter eines Siedlers und einer Ureinwohnerin. Nach linker Logik hat sie sich damit auch „kultureller Aneignung“ schuldig gemacht, schließlich trug sie ein Indianerkostüm. Glas plädiert jedoch dafür, nicht immer einen Anlaß zu suchen, auf etwas zu schimpfen. „In den Filmen und den Romanen gibt es Gute und Böse. Sie haben weiße oder rote Haut. Es bildet das echte Leben ab“, betonte sie gegenüber der Bild-Zeitung.

Die Absurdität der Debatte gipfelt in der Redaktion echter amerikanischer Ureinwohner. Die fühlen sich nämlich gar nicht diskriminiert. „Ich bin auf Winnetous Seite. Ich unterstütze seine Geschichten und bin verärgert, daß man versucht, ihn auszuradieren“, zeigte sich

Robert Alan Packard vom Stamm der Sioux am Donnerstag verständnislos und auch ein bißchen wütend. Er fühle sich weder herabgewürdigt, noch könne er bei dem Thema Rassismus erkennen. Die heutigen amerikanischen Ureinwohner wüßten nicht einmal wer Karl May ist.

Winnetou ist ein Vermittler und Schlichter

Auch indianische Darsteller im Themenpark „El Dorado Templin“ teilen die Ansicht hiesiger um Antirassismus bemühter Vorkämpfer nicht. „Ich glaube das ist eine Überreaktion. Das ist etwas zu viel des Guten. Warum müssen wir jede Person mit einem Etikett versehen? Wir sind doch alles Menschen“, betonte Kendall Old Elk gegenüber dem Blatt

Mit dieser Position sind sie jedenfalls deutlich näher an Winnetou als so manches linke „Greenhorn“. In den Büchern tritt Winnetou immer wieder als Vermittler zwischen verschiedenen Gruppen auf. Auf den Gratismut der Gutmeiner sowie ein Opferetikett hätte er aber sicherlich verzichtet.

Die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou am Marterpfahl: Die Debatte um „kultureller Aneignung“ reißt nicht ab Foto: picture-alliance / dpa
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