Messerattacke ICE
ICE steht nach der MEsserattacke am Bahnhof Foto: picture alliance/dpa/vifogra

Nach Messerattacke in ICE
 

Wo ist die Grenze zwischen Wahnsinn und Fanatismus?

Die islamistischen Attacken seit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 haben uns darauf konditioniert, bei öffentlichen Gewaltausbrüchen instinktiv von Terror auszugehen. Ob ein Mann in einem Supermarkt oder einem Zug mit einem Messer auf Unbeteiligte einsticht, einen LKW in eine Menschenmenge lenkt oder auf offener Straße ein Opfer enthauptet, die Hintergründe der Täter sind meistens identisch: Mann, Migrationshintergrund, Moslem.

Das Haupttatmotiv der Islamisten ist abgrundtiefer Haß. Haß auf Ungläubige generell, Haß auf den „imperialistischen“ Westen, Haß auf unkeusche Frauen, auf Homosexuelle und auf Juden. Doch all zu oft rücken diese Motive in den Hintergrund, werden von Politik und Medien einfach ausgeblendet. Noch während der Polizeieinsatz läuft und die Opfer notfallmedizinisch versorgt oder vom Leichenwagen abgeholt werden, gibt es oft bereits ein Urteil über den geistigen Zustand des mutmaßlichen Täters. Quasi per Ferndiagnose stellt man dessen Schuldunfähigkeit fest.

Für die Anamnese scheint der kulturelle Hintergrund von äußerster Relevanz zu sein. Gemäß dieser, vor allem in Nordeuropa gängigen Schnelldiagnostik, neigt der gemeine „Bio-Deutsche“ zum Rechtsterrorismus, der gemeine Migrant zur psychischen Erkrankung.

Nun ist es auch für den Laien offenkundig, daß sich ein Mensch bei einem Gewaltausbruch generell in einer psychischen Ausnahmesituation befindet. Kein mental gesunder Mensch überfällt seine Mitmenschen mit einem Messer, einer Axt oder einer Machete. Die Zuordnung, ob es eine religiöse, ideologische oder psychotische Tat ist, kann aber die Vorgeschichte des Täters klären.

Der Messerangriff im ICE

Nach ersten Erkenntnissen hat der ICE-Messerangreifer vom Wochenende keinen Bezug zu radikal-islamischen Kreisen. Der 27 Jahre alte Syrer, der 2014 nach Deutschland kam, hatte laut Behördenangaben am Vortrag der Tat seinen Job verloren und glaubte sich im Zug verfolgt und mit dem Tod bedroht. Zusammengefaßt: psychisch gestört und damit vermutlich schuldunfähig.

Ganz unabhängig vom Geisteszustand des ICE-Täters läßt sich allerdings feststellen, daß es ohne die offenen Grenzen und die unkontrollierte Migration weniger Vergewaltigungen, Messerangriffe und Amokfahrten gegeben hätte. Menschen könnten noch am Leben sein.

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Da ich meine Kindheit in Syrien verbracht habe, mit Beduinenkindern zur Schule gegangen bin und fünf Jahre Koranunterricht hatte, kann ich sagen, daß dieser Kulturkreis im Allgemeinen ein anderes Verhältnis zu Gewalt hat, als wir es in Deutschland haben. Konflikte werden meist mit Gewalt gelöst und selten im respektvollen Dialog auf Augenhöhe. Und das meine ich in keiner Weise abwertend. Für die Menschen dort ist das ein funktionierendes Prinzip.

Eine wahre Geschichte: Im Spätsommer 1988 betrat am Golan ein Hirte mit seiner Herde das Land einer anderen Sippe, da es dort noch eine Wasserstelle gab. Dies paßte einem anderen Hirten an der Tränke nicht und er feuerte einen Warnschuß ab. Die Patrone kam aber wieder runter und traf die arme Seele in den Kopf. Das war der Beginn einer monatelangen Fehde.

Unterschiedliche Weltbilder

Die Sippe des erschossenen Hirten warf ihrerseits einen jungen Mann aus einem fahrenden Bus und übte damit Blutrache. Daraufhin entführte die andere Seite einen jungen Mann und vergrub ihn bei lebendigem Leibe in einer Panzerkuhle. Zum Schluß herrschte auf beiden Seiten große Panik, da man stets mit einer Vergeltung rechnen mußte. Sogar meine Schule wurde belagert, bewaffnete Männer kletterten auf die Schulmauern und hielten Ausschau nach einer leichten Beute.

Der Schuldirektor mußte die Kinder der einen Sippe mit seinem Pick Up nach Hause fahren, damit sie nicht entführt wurden. Allein ich konnte mich frei bewegen und mußte nichts fürchten, da ich mit keiner der Sippen verwandt war. Als es allerdings selbst um das Leben der Kinder ging, entschloß man sich endlich, zum Kadi zu gehen und die Blutfehde zu beenden. Der religiöse Richter rechnete die „Verluste“ beider Sippen gegeneinander auf und ordnete Entschädigungszahlungen an. Erst dann kehrte wieder Frieden ein.

Ich erzähle diese Geschichte, um zu verdeutlichen, mit welch einem Weltbild wir konfrontiert sind. Diese Geschichte ereignete sich nicht im 19. Jahrhundert, sondern 1988. Ein Jahr vor dem Mauerfall, dem Jahr in dem Steffi Graf den Grand-Slam und Olympia gewann. Die Menschen, die sich gegenseitig massakrierten, hatten Farbfernseher in ihren Häusern stehen und sahen sich „Dallas“ mit arabischem Untertitel an.

Mit den Menschen kommen ihre Konflikte

Und auch wenn die Menschen im Irak, Syrien oder Afghanistan heute die arabische Version von „The Voice“ am Smartphone verfolgen, hat sich in vielen Köpfen diese Denkweise nicht großartig verändert.

Es ist vermessen, anderen Kulturen unsere Definition von „Zivilisation“ aufstülpen zu wollen. Nach den gescheiterten Missionen im Irak und in Afghanistan sollten wir diese Lektion eigentlich gelernt haben.

Mit den Menschen kommen ihre Konflikte, seien sie nun religiös bedingt oder nicht. Damit müssen wir uns auseinandersetzen.

ICE steht nach der MEsserattacke am Bahnhof Foto: picture alliance/dpa/vifogra
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