Wahlkampf - CDU-Zukunftsteam
Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit seinem „Zukunftsteam“ Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Wahlkampf
 

Das Anti-Gender-Gepolter der Union ist absolut unglaubwürdig

Ja, es stimmt. Immer mehr Menschen in Deutschland sind genervt von Gendersprech und geschlechtergerechter Sprache. Vor allem seit das politisch korrekte Verbiegen der deutschen Sprache immer wahnwitzigere Ausmaße annimmt und selbst die Nachrichtenmoderatoren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Gendersternchen und Geschlechterdoppelpunkte brav mitsprechen.

Und, oh Wunder: Mittlerweile haben Dank Umfragen auch einige Unionspolitiker Wind davon bekommen, daß die zunehmende Verbreitung von Gendersprech nicht überall auf Begeisterung stößt. So versicherte Unionskanzlerkandidat Armin Laschet erst am Sonntag beim sogenannten Triell, er werde den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu reden hätten.

Kurz zuvor hatte bereits Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, die Laschets Zukunftsteam angehört, verkündet, sie wolle in ihrem Bundesland das Gendern an Schulen künftig verbieten, womit sie einer entsprechenden Maßnahme des CDU-geführte Kultusministerium in Sachsen folgte.

Übliche Rechtsgeblinke

Am Mittwoch nun zog auch CSU-Chef Markus Söder nach und erklärte via Augsburger Allgemeine, er wolle die Leitfäden der Hochschulen zur sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter überprüfen lassen. Es dürfe nicht sein, „daß Sprache am Ende verordnet wird. Es kann nicht sein, daß wir eine Art Gendergesetz oder Genderstrafzettel bekommen“, mahnte der bayerische Ministerpräsident.

Doch so vernünftig solche Äußerungen auch klingen, sie haben ein Problem: Sie sind absolut unglaubwürdig, denn sie kommen von denselben Politikern, die sich jahrelang kein bißchen am Gendern störten, artig bei jeder Gelegenheit geschlechtergerechte Formeln wie „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Wählerinnen und Wähler“ bemühten und Kritik am Gendersprech als verknörztes Gemecker Ewiggestriger abtaten.

Und genau deshalb sollte man ihnen nun auch nicht auf den Leim gehen, wenn sie wenige Wochen vor der Wahl ihr sprachwahrerisches Gewissen entdecken. Es handelt sich dabei um nicht mehr als das übliche Rechtsgeblinke der Union vor Urnengängen.

„Macherinnen und Macher“

Es waren Politiker von CDU und CSU, die jahrelang dem Gender-Mainstreaming in Deutschland Vorschub leisteten, allen voran Ursula von der Leyen als Bundesfamilienministerin. Und es waren Minister aus den Reihen der Union, die aus den von ihnen verantworteten Haushalten Genderprojekte und Lehrstühle förderten und finanzierten, ohne dabei mit der Wimper zu zucken.

Wie ernst es der Union mit ihrer Kritik am Gendern ist, zeigt ein Blick in ihr aktuelles Wahlprogramm: Ganze 31 Mal ist dort von „Bürgerinnen und Bürgern“ die Rede. Hinzu kommen Dutzende weitere Formulierungen wie „Forscherinnen und Forscher“, „Soldatinnen und Soldaten“, „Verbraucherinnen und Verbraucher“, „Macherinnen und Macher“, „Gründerinnen und Gründer“, „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ oder „Bäuerinnen und Bauern“. Ja sogar „Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer“ werden angeführt.

Angesichts solch bemühter Doppelwortschöpfungen zeigt sich klar: Das Verbeugen vor dem politisch-korrekten Zeitgeist gehört mittlerweile zum Markenkern der Union und macht deshalb auch nicht vor den Auswüchsen der geschlechtergerechten Sprache Halt. Spätestens nach der Wahl, wenn Laschet und Co. einmal mehr um SPD und/oder Grüne buhlen, werden CDU und CSU auch wieder brav den sprachlichen Geßlerhut grüßen.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit seinem „Zukunftsteam“ Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
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