Idil Baydar: Hat „sehr, sehr lange“ Jugendarbeit in Berlin geleistet Foto: imago images / Future Image
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„Maybrit Illner“

Sachliche Diskussion erfolgreich verhindert

Es hätte tatsächlich Mal eine richtig sachliche Diskussion werden können bei „Maybrit Illner“. Waren zur großen Polizei-Debatte nach den Stuttgarter Krawallen doch sehr kompetente und sachkundige Gäste geladen. Sebastian Fiedler vom Bund der Deutsche Kriminalbeamten (BDK) saß in der Runde. Der CDU-Sicherheitsexperte Wolfgang Bosbach war dabei und mit Cem Özdemir sogar ein für Grünen-Verhältnisse recht vernünftiger Politiker in Sicherheitsfragen. Die Chancen auf eine ruhige, nicht beschönigende, der Ernsthaftigkeit der Thematik aber angemessene Gesprächskultur wären also so gut gewesen, wie lange nicht mehr in einer solchen Fernsehsendung.

Leider ist in der Vorbereitung der Sendung am gestrigen Donnerstag abend dann aber offenbar irgendein Redakteur auf den glorreichen Gedanken gekommen, die türkischstämmige Kabarettistin Idil Baydar einzuladen. Die Krawall-Komikerin, bei der man nie so genau weiß, ob sie gerade sie selbst ist oder ihre Paraderolle, die Kreuzberger-Proll-Türkin Jilet Ayşe, spielt, hat die Sendung von Anfang an übernommen. Sie glänzte dabei vor allem durch ihre massive und sehr laut vorgetragene Ahnungslosigkeit.

Dumme Menschen wirken immer dann ganz besonders blöde, wenn sie versuchen, schlau zu wirken. Die Schauspielerin spulte in den rund 60 Minuten Sendezeit so ziemlich alles runter, was man an einem Berliner Küchentisch so für politische Weisheit hält. Bei den Stuttgarter Krawallen, glaubte sie zu wissen, sei es auch um die globale „Black Lives Matter“Bewegung gegangen. Vor allem auch um die Polizeigewalt, die an „schwarzen Menschen vollzogen“ würde – „und zwar regelmäßig und systematisch.“ Das „Polizieren“, so versucht die fleischgewordene intellektuelle Selbstüberschätzung zu dozieren, „kommt nämlich aus der Kolonialkultur und „diente dazu, weiße Menschen ihren Besitz zu schützen“. Also müßten „wir doch Mal nachfragen, ob das so eine tolle Kultur ist, die da historisch gewachsen ist oder ob wir auch jetzt Mal was anderes machen können“.

 „Jugendliche greifen Polizei nicht an, ohne vorher provoziert worden zu sein“

Baydar betont, daß sie „sehr, sehr lange“ Jugendarbeit in Berlin geleistet habe. Auch an Schulen. Was aber natürlich nur teilweise eine Erklärung für den katastrophalen Zustand der Hauptstadtjugend und der von Generation zu Generation immer mehr um sich greifenden Verblödung sein kann (auch wenn die Schulnoten immer „besser“ werden). Zudem betont sie, daß sie es „bei Jugendlichen noch nie erlebt“ habe, daß diese ohne vorher „provoziert oder in irgendeiner Weise schikaniert“ worden zu sein, einfach die Polizei angreifen würden.

Den Einwurf des BDK-Vorsitzenden Fiedler, sie würde dabei eine Schuldumkehr betreiben und die Polizisten, die zum Opfer solcher Gewalt werden würden, zu Tätern machen, wischt die YouTuberin vom Talkshow-Studiotisch, indem sie sich höhnisch über die Bezeichnung „Opfer“ für Polizeibeamte amüsiert.

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Opfer sind für die selbstgefällige Vielschwaflerin in erster Linie Zuwanderer und ihre Nachkommen: „Was man hier einfach mal nicht vergessen darf ist, daß wir als Migranten ständig im Visier sind, ständig kriminalisiert werden. Von allen Seiten“. Mit einem Hochdruck auf dem inneren Kessel, daß man glauben könne, sie wolle den Auftritt so schnell wie möglich hinter sich bringen, weil hinter der Bühne schon das nächste Biermischgetränk wartet, poltert die nicht nur an diesem Abend auffällig unlustige Komödiantin sich durch die gesamte Show.

Jedes moralische Schuldargument gegen die deutsche Gesellschaft

„Und Hanau dürfen wir an dieser Stelle mal gar nicht vergessen“, schiebt sie noch schnell hinterher, gerade so, als habe sie Sorge, nicht wirklich jedes moralische Schuldargument gegenüber der Polizei und der deutschen Gesellschaft noch vor Ende der Sendung abarbeiten zu können. „Sie sind alle, außer Cem, keine Türken oder Ausländer oder Migranten“ wirft sie den „biodeutschen“ Gästen vor, um damit das ultimative Totschlagargument einzuleiten: „Sie wissen nicht, wie sich das angefühlt hat, als das passiert ist. Wir sind traumatisiert.“ Auch das habe ihrer Meinung nach in der Nacht von Stuttgart eine Rolle gespielt. „Denn wir Migranten wissen: Die Polizei schützt uns nicht. NSU“, schließt die blonde Wuchtbrumme, die permanent von einem „wir“ spricht, zu dem sie, selbst wenn es das von ihr beschriebene migrantische Diskriminierungs-Opferkollektiv tatsächlich gäbe, allein schon optisch beim besten Willen nicht gehören kann.

Wollte man sie zum Beispiel als türkische oder moslemische Migrantin, obwohl sie „hier geboren“ ist, in irgendeiner Weise ausgrenzen oder diskriminieren, müßte man sie ja erst einmal als „Fremde“ ausmachen. Tatsächlich würde Baydar aber wohl, sowohl was die äußere Erscheinung, wie auch was ihr Auftreten angeht, hinter keiner Fleischtheke dieser Republik auffallen. Selbst dann nicht, wenn sie Kunden in irgendeinem kleinen Dorf mit den Schweinenackensteaks für das nächste Grillfest versorgen würde.

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Nachdem Wolfgang Bosbach von einer Zugkontrolle berichtete, bei der ein Afrikaner nicht nur keinen Fahrschein hatte, sondern auch noch falsche Papiere mit sich führte, woraufhin sich mehrere andere Fahrgäste, ohne zu wissen worum es geht, mit dem Schwarzen gegen die „rassistische Polizei“ solidarisierten, fing die überemotionalisierte, argumentative Preßwurst unvermittelt an zu schreien: „Entschuldigung, ich muß eingreifen! Racial Profiling ist rassistisch!“

Clan-Kriminalität sei ein aufgebauschtes Problem

Damit hatte sie eigentlich wirklich alles ausgesprochen, was man als Bauchgefühl-Linke so von sich geben kann, wenn es um das Thema Kriminalitätsbekämpfung geht und darum, wie man die Polizei zwingen kann, diese so ineffizient wie möglich zu betreiben. Zumindest fast alles. Vorher mußte sie natürlich noch das Berliner Anti-Anti-Diskriminierungsgesetz loben und verkünden, daß Clan-Kriminalität ein aufgebauschtes Problem sei. Um ganz sicher zu gehen, daß sie ihre Bullshit-Bingo-Karte vollbekommt, wies sie – erneut den armen Bosbach – auch noch darauf hin, daß Flüchtlinge „wegen Krieg“ zu uns kämen und nicht, weil sie hier so gerne leben wollten.

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Je lauter die bierernste Comedy-Türkin wurde, desto leiser wurde Cem Özdemir. Fast so, als wäre ihm das Benehmen seiner „Landsfrau“ ein wenig peinlich. Immerhin nutzte er eine ihrer kurzen Atempausen, um Kritik an der negativen Haltung gegenüber der Polizei in den eigenen politischen Reihen zu äußern und verurteilte den Müllhalden-Text, der taz-Kolumnisten Hengameh Yaghoobifarah als „einfach widerlich“. Baydar outete sich daraufhin, wenig überraschend, als „großer Fan der Arbeit“, der „brillanten Journalistin und großartigen Autorin“. Das hat das Bild, das man als Zuschauer von der Künstlerin bekommen hat, dann auch vollends rund gemacht. Sie selbst denkt aber wahrscheinlich immer noch, daß die Leute sie wegen ihres Einwanderungshintergrunds unsympathisch finden.

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