Kaiser
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Menthol-Zigaretten, Männerhorden und Duisburg-Marxloh

Kaisers royaler Wochenrückblick

Menthol-Zigaretten sind seit Mittwoch endgültig verboten. Endgültig heißt natürlich nicht, daß das neueste Verbot von Vater Staat und Mama EU nicht dennoch zu umgehen wäre. Der laut Spiegel „bösartige Erfindungsreichtum der Tabakkonzerne“ macht es Rauchern auch weiterhin möglich, ihre heißbeliebten Glimmstengel mit dem Geschmack des nun Verbotenen zu genießen. Aroma-Ampullen zum Beträufeln von Zigaretten, geschmackvolle Einlegekärtchen und andere kleine Schummeleien dienen als legale Alternative.

Quasi als Minze-Aufstrich für das Lungenbrötchen zum Frühstückskaffee, der dem überzeugten Menthol-Liebhaber einen frischen Helmut-Schmidt-Start in den Tag beschert. Der Altkanzler war ja regelrecht verrückt nach den gefährlichen Zigaretten mit Menthol-Geschmack. So rissen sie den vielleicht letzten großen Sozialdemokraten 2015, kurz vor Vollendung seines 97. Lebensjahres, auch viel zu früh aus unser aller Mitte. Aber so mußte er zumindest das Inkrafttreten des Verbots seines Lieblingsrauchwerks nicht mehr miterleben.

Die Umsetzung der bereits 2013 beschlossenen Richtlinie paßt perfekt in eine Zeit, in der die politischen Eliten dem Pöbel beispielsweise mit dem Motorradfahren so ziemlich alles verbieten wollen, was ihm möglicherweise noch irgendeine Form von Spaß bereiten könnte. Die Bürger selbst tragen am neuentfachten Machtrausch der Obrigkeit durchaus eine gewisse Mitschuld. Zeigen viele im Zuge von Corona doch nun bereits seit Monaten nahezu unbedingten Gehorsam. Kein Wunder, daß die Politik schlußfolgert: Wer sich so brav an Ausgangssperren und Kontaktverbote hält, der läßt sich doch sicherlich auch ohne Gegenwehr das Motorrad unter dem Hintern wegverbieten.

Trubel im Versuchslabor Duisburg-Marxloh 

Auch am Vatertag sollte der Spaß in diesem Jahr weitgehend verboten bleiben. Manchem war das aber noch nicht weitgehend genug. Zumindest nicht dem Journalisten und Moderator Hanning Voigts. Dem Redakteur der Frankfurter Rundschau (FR) sind sich amüsierende, trinkende Männer ein Greuel. Auf Twitter schrieb er anläßlich des Herrentags: „Angesoffene Heteromänner in Gruppen, die was erleben wollen. Mir fällt grad nichts ein, was ich noch schlimmer finde.“ Das traurigste an der Aussage der FR-redaktionstauglichen Version eines Mannes ist, daß man ihr tatsächlich glaubt. Für den Typus des Medienschaffenden – für den Voigts auch optisch kaum sinnbildlicher stehen könnte – gibt es wohl wirklich kaum eine schlimmere Vorstellung als trinkfreudige, heterosexuelle Geschlechtsgenossen, für die Testosteron kein schädliches Gift ist.

Wobei es das schon sein kann. Zumindest, wenn man es mit anderen Zutaten mischt. In Duisburg-Marxloh gibt es dafür so eine Art Versuchslabor. Das Viertel sorgte in der Vergangenheit bereits immer wieder als „No-Go-Area“ für Schlagzeilen; was regelmäßig dazu führte, daß linksliberale Journalisten der Marke Hanning Voigts ihre Kollegen für die Verwendung des Begriffs kritisierten und die Existenz solcher rechtsfreien Räume in Deutschland anzweifelten. Als Polizisten am Dienstag in dem Problemkiez einen per Haftbefehl gesuchten 18jährigen festnahmen, bildete sich ein höchst aktiver und aggressiver Freundeskreis aus rund 200 Personen, der versuchte, den Nachbarsjungen zu befreien.

Erst durch etliche weitere Polizeikräfte und der Androhung von Pfefferspray konnte der Festgenommene in einen Streifenwagen gebracht werden. Zwei Tage zuvor kam es bereits zu einem ähnlichen Vorfall. Zufälligerweise übrigens mit einer ähnlichen Klientel, um nicht zu sagen: denselben Clanstrukturen. Aber auch die soll es angeblich gar nicht geben in der Bundesrepublik; sagen zumindest einige linksliberale Journalisten.

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