Die Runde von Moderatorin Maybrit Illner war sich einig in der Kritik an US-Präsident Donald Trump Foto: ZDF Mediathek / Screenshot
Die Runde von Moderatorin Maybrit Illner war sich einig in der Kritik an US-Präsident Donald Trump Foto: ZDF Mediathek / Screenshot
Eine selbstzufriedene TV-Runde

Am deutschen Gesundheitswesen soll die Welt genesen

Das Resümee der letzten Sendung von „Maybrit Illner“ vor der Sommerpause läßt sich in zwei Kernaussagen zusammenfassen, über die sich alle „Diskussionsteilnehmer“ einig waren. Erstens: Donald Trump ist immer Schuld; letztendlich auch an der Ausbreitung von Corona und der daraus resultierenden Weltwirtschaftskrise. Sogar die alte Falschmeldung, Trump habe mit einem Angebot an das Biotech-Unternehmen Curevac versucht, sich deren deutsche Wissenschaftler und damit einen potentiell von ihnen entwickelten Corona-Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern, wurde von der ZDF-Redaktion zu diesem Zweck noch einmal aufgewärmt.

Trumps Amerika wurde gleich im ersten Einspieler als „das Land der unbegrenzten Infektionsmöglichkeiten“ bezeichnet. Man stelle sich die Empörung der ZDF-Redakteure vor, hätte der US-Präsident selbst eine solche Wortwahl zur Beschreibung der Corona-Situation in irgendeinem „Shithole Country“ verwendet. Dem bösen Mann im Weißen Haus warfen die öffentlich-rechtlichen Journalisten vor, daß er keine Empfehlung zum Maskentragen ausgesprochen und die eigene Wirtschaft schon wieder hochgefahren hat. „Trump weiß: Nur wenn die Wirtschaft läuft, wird er wiedergewählt; also ignoriert er die Corona-Katastrophe“, hieß es in dem Eröffnungsbeitrag, der die Grundstimmung für die ganze Sendung setzen sollte.

Zu dieser atmosphärischen Basis gehörte auch das zweite Fazit der Polit-Talkshow am Donnerstagabend: Am deutschen sozial- und gesundheitspolitischen Wesen soll nach Corona die Welt genesen. Die live zugeschaltete stellvertretende Büro-Leiterin des „German Marshall Fund“, Sudha David-Wilp, befand, die US-Regierung habe auf Bundesebene „wirklich versagt“ und glaubte, daß die Amerikaner sich jetzt mehr Sozialstaat wünschen.

Der Virologe wird zum Politologen

Daß man „wirklich das ganze Elend Donald Trump anheften“ könne, läßt sich Illner auch noch von einer zweiten Anti-Trump-Expertin bestätigen. Die New Yorker Finanzberaterin Sandra Navidi setzte sogar noch einen drauf. Für sie ist der mächtigste Mann der Welt ein „lupenreiner Autokrat“, der nicht nur selbst nicht die richtigen Maßnahmen trifft, sondern sogar die Schritte der einzelnen Gouverneure sabotiert. Natürlich hätten diese die Corona-Krise automatisch auf die richtige Weise bekämpft.

Sahra Wagenknecht wirkte da fast schon differenziert. Sie sagte, daß Trump zwar einen großen Teil, aber nicht die alleinige Schuld an der Krise trage. Die Linke wies darauf hin, daß in der Corona-Krise mit den Silicon-Valley-Giganten des Internets gerade die Unternehmen keine Verluste verzeichnen, die die wenigsten Arbeitsplätze schaffen. Spätestens mit dem Hinweis auf die fehlende Krankenversicherung vieler Amerikaner war sie aber wieder voll auf Linie der selbstzufriedenen deutschen Plauderrunde.

Die vermeintliche Wahrheit vom überlegenen deutschen Gesundheitssystem ist eine so einfache, daß selbst der Virologe in der Runde zum Polit-Experten mutieren konnte. Hendrick Streeck bemängelte, daß es in den USA keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gebe und die Amerikaner daher eben auch krank zum Job erscheinen würden. Außerdem machte er sich Sorgen um die Stellung der WHO und hoffte, daß diese gestärkt aus der Corona-Krise hervorgeht. Er wünschte sich, daß die Weltgesundheitsorganisation künftig gemeinsam mit dem Robert Koch Institut und anderen Organisationen gezielt als „zentralgesteuerte Eingreiftruppe“ in die „Hotspots“ der Pandemie, reingeht, um „einzudämmen“. Denn Hotspots werde es auch in Zukunft geben. „Komplett austreiben aus der Gesellschaft“ könne man das Virus nämlich nicht.

Altmaier versucht sich in „beschwichtigen und täuschen“

Nach all dem Lob für Deutschland im Vergleich zu den USA unter Donald Trump hätten dem ein oder andere Zuschauer jetzt natürlich die vielen Menschen hierzulande in den Sinn kommen können, die nach den monatelangen Einschränkungen vor den Trümmern ihrer beruflichen Existenz stehen. Deshalb sprach die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer ein paar vermeintlich beruhigende Worte ans Volk betonte, daß sie nicht glaube, daß es so schlimm komme. Allerdings: Selbst nach ihren vorsichtigen Schätzungen wird es in Deutschland bald 500.000 Arbeitslose mehr geben.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der einst versprochen hatte, es werde kein Arbeitsplatz durch Corona verloren gehen, belehrte die besorgten Bürger darüber, daß es Insolvenzen von Unternehmen, die sich verkalkuliert haben, auch in wirtschaftlich guten Zeiten gebe. Eine große Pleitewelle wolle man aber verhindern und bisher habe die Bundesregierung das auch geschafft.

Daß der Minister offenbar auch hier versuchte nach dem Prinzip „beschwichtigen und täuschen“ vorzugehen, machte Sahra Wagenknecht deutlich, als sie einwendet, daß Insolvenzen derzeit gar nicht angemeldet werden müßten und daher überhaupt niemand wissen könne, wie viele Firmenpleiten es bereits gäbe. Wäre natürlich ein Ding, wenn sich irgendwann noch einmal herausstellen würde, daß der Corona-Streber Deutschland doch nicht alles besser gemacht hat als der angeblich so ignorante amerikanische Präsident Donald Trump.

Die Runde von Moderatorin Maybrit Illner war sich einig in der Kritik an US-Präsident Donald Trump Foto: ZDF Mediathek / Screenshot

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