Angela Merkel in Harvard, Österreichs Kanzlerin und ProSieben

Kaisers royaler Wochenrückblick

Angela Merkel hat seit dieser Woche einen weiteren Doktortitel. Die US-Elite-Universität Harvard hat ihr die Ehrendoktorwürde (Dr.h.c.) verliehen. Es ist bereits ihre 16. Auszeichnung dieser Art. Das klingt beeindruckender als es wirklich ist. Hochschulen auf der ganzen Welt schmücken die Regierenden gerne mit solchen Titeln, und dadurch, so ganz nebenbei, sich selbst mit den mächtigen Würdenträgern.

Merkels Vorgänger im Kanzleramt, Gerhard Schröder, hat unter anderem Ehrendoktortitel aus St. Petersburg, Shanghai, Istanbul und Göttingen. Sicher, mögen jetzt viele denken, Harvard ist da schon eine andere Hausnummer. Aber auch das stimmt allenfalls noch auf den ersten Blick. Die berühmten Universitäten in den USA sind längst nicht mehr die großen Wissenschaftstempel und Kathedralen des freien Denkens, als die sie einmal galten.

Inzwischen sind sie, in weiten Teilen vielmehr zu linksideologischen Kaderschmieden verkommen, auf die das kulturmarxistische Establishment seine Kinder schickt, um sie dort in der „richtigen“ Haltung formen zu lassen. Der Sozialdemokrat Schröder wäre den meisten amerikanischen Universitäten wahrscheinlich viel zu rechts. Die amtierende CDU-Kanzlerin ist dagegen, wie für sie oder von ihnen gemacht.

Merkel revanchiert sich mit dem Anti-Trump

Folgerichtig lobte die Harvard-Universität auch explizit ihren Satz: „Wir schaffen das“. Merkels Entscheidung, in großer Zahl Wirtschaftsmigranten und Flüchtlinge ins Land zu lassen, habe ihren Willen gezeigt, für das einzustehen, was sie für richtig halte, auch wenn es unpopulär sei. Gleiches gelte auch für ihr Vorgehen in der europäischen Schuldenkrise.

Die so Gelobte revanchierte sich prompt für den vielen Honig um den Bart. Die mächtigste Frau der Welt gab in ihrer Rede den von den linken Studenten und Professoren so sehnsüchtig erwarteten Anti-Trump. Klima, Handel, Einwanderung: zu so ziemlich jedem Thema erklärte Merkel exakt das, was die linksliberalen amerikanischen Eliten von ihr hören wollten. Also immer genau das Gegenteil von dem, was der böse weiße Mann im weißen Haus sagt.

Für Aussagen wie, „Mehr denn je müssen wir heute multilateral, nicht unilateral handeln. Global statt national. Weltoffen statt isolierend. Zusammen, nicht in Alleingängen“, wurde sie im geistigen Zentrum des Globalismus abgefeiert wie die Jungs von „Tokio Hotel“ zu ihren besten Zeiten von ihren jugendlichen Groupies. Damals, als sie noch in ausverkauften Hallen spielten, statt zum Privatvergnügen von Heidi Klum.

Die Deutschen, die unter den Folgen der in Amerika gefeierten Haltung ihrer Bundeskanzlerin leiden müssen, können zumindest darauf hoffen, daß Merkel bei ihrem Auftritt in Boston auf den Geschmack gekommen ist. Eine ausgedehnte Vortragsreise durch die USA, bei der sie mit viel Geld und reichlich Liebe überschüttet wird, müßte doch eigentlich sehr verlockend klingen; und nicht erst 2021 starten.

Österreich hat jetzt auch eine Kanzlerin

Unsere Nachbarn in Österreich haben seit dieser Woche übrigens auch eine Bundeskanzlerin. Bundespräsident Van der Bellen hat die 69jährige Oberste Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt. Bierlein soll dem Vernehmen nach eine waschechte Konservative sein. Außerdem wolle sie nun zügig loslegen; was so gar nicht nach „Politik der kleinen Schritte“ klingt. Auch hier gibt es also Hoffnung.

Der Gedanke, daß sich die Gemeinsamkeiten zwischen der österreichischen und der deutschen Kanzlerin, allein auf das Geschlecht beschränken könnten, macht Mut. Fast ist man sogar geneigt davon zu träumen, daß es sich, zumindest in diesem Fall, bei dem Geschlecht tatsächlich doch nur um ein „soziales Konstrukt“ handele. Aber solche Spinnereien wären dann doch schon eher wieder was für Harvard.

Wenn das eigene Scheinintellektuellentum für eine amerikanische Elite-Universität nicht ganz ausreicht, dürfte es wenigsten zu einem Platz in der deutschen Promi-Riege genügen. Mit Schlagzeilen wie, „Seenotrettung und Obdachlose: Joko und Klaas überraschen mit Tiefgang“ oder „Sowas kann Fernsehen? Joko und Klaas kriegten 15 Minuten Sendezeit geschenkt – was sie daraus machten, sorgte für Gänsehaut“, kommentierten die ergriffenen deutschen Mainstream-Medien eine 15-minütige Sendesequenz, in der die beiden Moderatoren, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, es „wagten“, noch einmal am Stück alles zu sagen, was man heutzutage als popkultureller Populist, eben so sagt, wann man auch weiterhin populär bleiben will.

Kapitänin Pia Klemp und andere „Aktivisten“

Um genau zu sein: Sie ließen es sagen. Von Leuten, „die vielleicht mehr zu sagen haben als wir“, „Vor allem sinnvollere Dinge,“, wie die beiden Profi-Quatschköpfe noch meinten, bevor sie sich effektvoll zurückzogen und damit die Fernsehbühne freimachten für 15 Minuten Sozialkitsch vom Feinsten. In einem leeren TV-Studio, in dem lediglich ein Stuhl stand, das also in etwa so aussah, wie es bei Anne Will jeden Sonntag aussehen würde, wenn sie ihre etablierten Stammgäste nicht hätte, und wenn die Jusos und die grüne Jugend dort nicht auf den Zuschauerrängen wohnen würden, kamen drei Menschen zu Wort, die sonst überall zu Wort kommen würden.

Kapitänin Pia Klemp vom beschlagnahmten Rettungs-Schlepperdampfer Iuventa 10, ein Berliner Sozialarbeiter vom Bahnhof Zoo, und eine Diplom-Pädagogin/Schriftstellerin/antifaschistische Aktivistin/Konzertveranstalterin, die seit 2007 das Festival, „Jamel rockt den Förster“, für Demokratie und Toleranz, und natürlich „gegen Rechts“, organisiert.

Die 15 Minuten Ruhm für die „Aktivisten“ haben sich Joko und Klaas ehrlich erkämpft. Vermutlich in etwa so ehrlich, wie sich ein Wrestler seinen Champion-Gürtel erkämpft. In ihrem neuen Format „Joko und Klaas gegen ProSieben“ haben die Showmaster die 15 freie Minuten Primetime-Sendezeit nämlich „gewonnen“. Als Notar und Oberschiedsrichter hatten die Programmverantwortlichen wahrscheinlich Robert Hoyzer engagiert, um klarzustellen, daß die Sendung auch so „ungeplant“ abläuft wie alles bei Joko und Klaas.

Angeblich auch völlig ungeplant stellte ProSieben die gut platzierte Meinungsmache anschließend übrigens auch ins Netz. Ursprünglich hieß es, die 15 Minuten sollen „nur einmal live im TV“ ausgestrahlt werden, und dann „nie wieder irgendwo“ zu sehen sein. Daß das Video in der Genration Rezo jetzt auch noch so richtig schön viral geht, kommt für ProSieben bestimmt mindestens so überraschend wie der Sieg seiner beiden Sendergesichter.

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage

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