Anklage gegen Kevin Spacey fallengelassen

Falschbeschuldigung: Der ultimative Karrierekiller

Das Strafverfahren gegen Hollywoodstar Kevin Spacey wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung ist eingestellt worden. Der Anklage ist ihr Hauptbelastungszeuge weggebrochen. Der heute 21jährige hatte dem Schauspieler vorgeworfen, ihn im Sommer 2016 in einem Restaurant auf der Insel Nantucket vor der amerikanischen Ostküste zunächst betrunken gemacht und dann unsittlich berührt zu haben. Nun wollte das vermeintliche Opfer auf einmal nicht mehr aussagen.

Viele werden jetzt reflexartig an mögliche Schweigegeldzahlungen denken oder vermuten, der junge Mann habe vielleicht Angst vor der Rache des reichen und mächtigen Megastars. Der Fall scheint allerdings etwas anders gelagert zu sein. Bei einem Gerichtstermin vorige Woche verweigerte der junge Mann explizit die Aussage darüber, ob er Textnachrichten aus der angeblichen Tatnacht auf seinem Handy gelöscht habe.

Ähnlich wie in Deutschland kann man in den USA die Aussage verweigern, wenn man sich durch wahrheitsgemäße Angaben selbst belasten könnte. Das betreffende Handy selbst ist laut den Angaben des Zeugen nicht auffindbar. Dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als den Fall fallen zu lassen. Wenig zuvor hatte der Beschuldige zudem eine Zivilklage gleichen Inhalts gegen Spacey zurückgenommen. Sein Anwalt Mitchell Garabedian sagt: Sein Klient befinde sich auf einer „emotionalen Achterbahn“.

Der gute Ruf des Stars ist dahin

Diese Wendung wird viele überrascht haben. War man sich in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung doch weitgehend einig, daß der „alte weiße Mann“ in jedem Fall schuldig ist. Akteneinsicht, die Beleuchtung beider Seiten einer Geschichte oder gar die Gerechtigkeitsformel, daß jeder so lange als unschuldig zu gelten hat, bis seine Schuld zweifelsfrei bewiesen ist – alles nicht mehr nötig heutzutage, wann man glaubt, die Moral auf seiner Seite zu haben.

So wird wohl auch die Einstellung des Verfahrens den guten Ruf des Stars nicht wieder herstellen. Seit Herbst 2017 sind in mehr als 30 Fällen Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen und Belästigungen gegen den schnell geschassten ehemaligen Hauptdarsteller der Netflix-Erolgsserie „House of Cards“ öffentlich vorgebracht worden. Die Presse berichtete groß und breit darüber, obwohl nur einer dieser Fälle es bis vor ein Strafgericht schaffte. Eben jener von der Insel Nantucket, der nun wegen der Fragwürdigkeit des vermeintlichen Belästigungsopfers eingestellt wurde.

Es ist nicht das erste mal, daß sogenannte Journalisten mit massiven Vorverurteilungen den Ruf eines Beschuldigten beschädigen noch bevor dessen Schuld in irgendeiner Weise bewiesen wäre. 2018 fiel die Medienmeute über Brett Kavanaugh her. Gegen den Mann, den US-Präsident Donald Trump zum Richter am obersten Gericht machen wollte, gab es eine regelrechte weltweite Kampagne.

Auch im Fall Brett Kavanaugh konnte nichts bewiesen werden

Mehrere Frauen hatten dem konservativen Juristen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Nichts davon konnte bewiesen werden. Vieles entkräftet. Nach wochenlangen Demütigungen wurde Kavanaugh vom Senat bestätigt. Die Anti-Trump-Medien tobten und haben von ihren unbewiesenen Beschuldigungen bis heute nicht richtig abgelassen.

Auch in Deutschland hat derlei grob unseriöse Verdachtsberichterstattung immer wieder schwere Schäden für Falschbeschuldigte verursacht. Prominentestes Beispiel ist wohl der im Jahr 2010 zu unrecht der Vergewaltigung angeklagte Meteorologe und Moderator Jörg Kachelmann. Auch nach seinem Freispruch vor Gericht dauerte es noch Jahre, bis der Schweizer wieder an alte Erfolgstage anknüpfen konnte und einen neuen Fernseh-Job als Gastgeber der MDR-Talkshow „Riverboat“ bekommen hat.

Daß dies in dieser Form überhaupt möglich wurde, ist wohl auch auch auf Kachelmanns unermüdlichen Kampf gegen die Windmühlen der Fake-News-Fabrikanten zurückzuführen, den er vor allem über die sozialen Netzwerke geführt hat. Ein anderes Sprechrohr wollte ihm, trotz Freispruch, lange kaum einer zu Verfügung stellen.

Hypermoralistisches Hollywood

Auch sein Kollege Andreas Türck verlor durch den falschen Vergewaltigungsvorwurf einer, wie sich im Laufe des Gerichtsverfahrens im Jahr 2005 herausstellte, psychisch kranken Frau Arbeitsplatz und Ansehen. Auch seine TV-Karriere war, trotz Freispruch, noch auf Jahre beschädigt. Der Vorwurf des sexuellen Übergriffs ist neben dem Nazi- und Rassismusvorwurf der ultimative Karrierekiller. Seien die Vorwürfe auch nachweislich noch so falsch, ein bißchen was bleibt immer hängen.

Dies gilt in besonderem Maße fürs hypermoralistische Hollywood. Der alte weiße Mann gilt hier ganz grundsätzlich schon einmal als schuldig. Auch in den Augen der alten weißen Männer selbst. Es genügt bereits der Hauch eines Verdachts, um die nächste Hexenjagd zu eröffnen. Treffen kann es im Grunde jeden. Auch wenn das vielen der Hexenjäger und Hypermoralisten selbst noch nicht bewußt zu sein scheint.

Kevin Spacey: Dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als den Fall fallen zu lassen Foto: picture alliance / AP Photo

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