„Stürmer“-Vergleich

Deutsche Redaktionssoldaten formieren sich hinter ORF-Mann

Der Hype deutscher Journalisten um die bezopfte Klimaprophetin aus Schweden ist derzeit ausgesetzt. Der Grund: Armin Wolf. Der Name sagt Ihnen nichts? Muß er auch nicht. Wolf ist Moderator des österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF. Unter seinen Kollegen im In- und Ausland gilt er als „Starjournalist“, als „Anchor“, bekannt für seine besonders kritischen Interviews.

In den vergangenen Tagen hat sich eine Phalanx deutscher Redaktionssoldaten hinter Wolf formiert. Ebenjener hatte in einem Interview mit FPÖ-Generalsekretär und Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Harald Vilimsky, eine gegen illegale Einwanderung gerichtete Karikatur eines lokalen Ablegers der FPÖ-Nachwuchsorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) mit einer antisemitischen Karikatur der NS-Zeitung „Der Stürmer“ verglichen.

Der RFJ-Cartoon war bereits im vergangenen Sommer veröffentlicht worden. Für den Starjournalisten war das aber kein Hindernis, zu versuchen, den FPÖ-Spitzenkandidaten kurz vor der Wahl damit öffentlich in die Bredouille zu bringen. Denn die FPÖ steht teils eigenverschuldet, größtenteils aber aufgrund der Linkslastigkeit österreichischer Medien seit Wochen unter Druck. Begonnen hatte dies übrigens mit einer nach journalistischen Kriterien nicht rechtfertigbaren Kampagne gegen die Identitären, die aber von Anfang an in Wahrheit auf die Regierungspartei FPÖ abzielte.

Warum nicht beides unpassend finden?

Doch zurück zu Wolf. Anstatt festzuhalten, daß sowohl die ein Jahr alte RFJ-Karikatur übertrieben und in dieser Form unnötig, als auch der „Stürmer“-Vergleich schlicht unsinnig war, stellten sich prominente deutsche Journalisten offenbar verlassen von ihrem Urteilsvermögen hinter den ORF-Mann.

ARD-Moderatorin Anja Reschke jubelte: „Es ist nicht der Vergleich mit dem Stürmer, der ‘skandalös, jenseitig und abartig’ ist, sondern der Cartoon der FPÖ-Jugend. Danke, daß Sie stark bleiben Armin Wolf.“

Weil die FPÖ nun selbst auf Attacke ging, rief das Oliver Das Gupta auf den Plan, der von „Regierungsattacken auf die Pressefreiheit“ fabulierte. Der Süddeutsche-Redakteur echauffiert sich über den Tweet eines FPÖ-Mitarbeiters, der Wolf „professionelle Oppositionsarbeit“ attestierte – so als ob Journalisten nicht immer und überall in der Opposition zur Regierung stehen sollten.

Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt brachte die Kritik an den „vorbildlichen Kollegen“ aus Österreich sogar mit dem Mord an einem Journalisten in der Slowakei in Verbindung. Und Konzern-Kollege und Bild-Reporter Paul Ronzheimer nutzte den Wirbel, um seinem Duz-Freund Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) einen „Plan B“ nahezulegen, sprich, den Koalitionspartner FPÖ auszutauschen.

Natürlich müssen sich Politiker kritische Fragen nicht nur gefallen lassen, sondern sich ihnen auch stellen. Ebenso selbstverständlich sollte es aber sein, daß sie auf unsinnige Vergleiche energisch Antworten dürfen. Das nennt sich dann Debatte, auch wenn die einigen konsensverwöhnten Journalisten nicht paßt.

Armin Wolf (l.) und Harald Vilimsky: FPÖ wehrt sich gegen „Stürmer“-Vergleich Foto: Screenshot / ORF

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