Grundschüler: Intelligenz ist auch genetisch bedingt Foto: dpa
Intelligenz

In der Bildungspolitik ist selbst die SPD ideologischer als die SED

Die neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey kündigte jüngst Änderungen im Bildungssystem an. Aus ihrer Sicht „verdienen Erzieherinnen und Erzieher, auch jene, die im Ganztagsbetrieb im Hort arbeiten, eine Bezahlung ähnlich wie Pädagogen, die etwa in der Grundschule arbeiten“. Man müsse es schaffen, „daß möglichst alle Kinder – egal aus welchen Familienverhältnissen – in der Schule Erfolg haben, eine Ausbildung oder ein Studium beenden können“. Giffey äußerte sich optimistisch, dieses Ziel zu erreichen, denn: „Kinder, die aus ärmeren Verhältnissen kommen, sind doch nicht dümmer geboren oder weniger talentiert. Sie werden nur leider zu oft zu wenig gefördert, weil manche Eltern das allein nicht leisten können.“

Wie die Bundesfamilienministerin zu dieser Erkenntnis gelangt, bleibt aber schleierhaft. Hat sie als Bürgermeisterin Neuköllns denn nicht die Problemschulen ihres Bezirks besucht? Giffeys Vorstoß ähnelt Überlegungen ihrer Partei aus dem Jahre 2009, die damals über ein „Abitur für alle“ sinnierte.

Tatsächlich aber sind ärmere Kinder im Durchschnitt weniger intelligent und alle Versuche einer Gleichmacherei im Bildungssystem von vornherein zum Scheitern verurteilt. Intelligenz ist zu einem erheblichen Teil genetisch bedingt – das ist wissenschaftlicher Konsens. Bekanntermaßen steht die SPD mit diesem Befund auf dem Kriegsfuß, was sich 2010 zeigte. Damals hatte der Bundesbankvorstand und Sozialdemokrat Thilo Sarrazin diese These angesprochen, woraufhin gegen ihn ein Parteiausschlußverfahren eröffnet wurde.

Ungleichheit in den Bildungsabschlüssen kann Ausdruck einer hohen Bildungsgerechtigkeit sein

Auch der Hirnforscher und langjährige Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes, Gerhard Roth, verteidigte die Tatsache, daß Stipendien meist an Kinder aus Akademikerhaushalten vergeben wurden, denn Intelligenz sei „dasjenige Persönlichkeitsmerkmal, das am deutlichsten vererbt wird. Intelligente Eltern haben in der Regel intelligente Kinder“.

In der Tat stammen die meisten Universitätsstudenten aus Akademikerhaushalten, doch dies ist vermutlich gerechtfertigt und weniger Ausdruck einer Diskriminierung. Paradoxerweise kann eine solche Ungleichheit in den Bildungsabschlüssen Ausdruck einer hohen Bildungsgerechtigkeit sein.

In den 1960er Jahren setzte in der Bundesrepublik eine Bildungsexpansion ein. Die Kinder der Arbeiterklasse schafften immer häufiger den Sprung auf das Gymnasium und die Universität. Dieser Prozeß wurde maßgeblich von der SPD angestoßen, wobei unter anderem finanzielle Unterstützung durch das Bafög ein Studium für die finanziell Schwächeren erleichterte. Doch je mehr Arbeiter durch den Bildungsaufstieg zu Akademikern wurden, um so weiter differenzierte sich die Gesellschaft aus und um so weniger intelligente Arbeiter, die zum Hochschulstudium befähigt gewesen wären, verblieben in ihrem Milieu.

Die Gleichheit von Mann und Frau wird zu einer Ungleichheit von Akademikern und Arbeitern

Der sächsische Genetiker Volkmar Weiss konnte dies an Untersuchungen über die Mathematik-Olympiade in der DDR nachvollziehen. In den 50er Jahren stammten noch viele ihrer Teilnehmer aus Bauernfamilien, dieser Anteil sank jedoch bis in die 80er Jahre konstant. Mit jeder Generation hatte die Arbeiterklasse Humankapital an die Bildungsschicht verloren.

Mit Blick auf die erbliche Komponente der Intelligenz erscheint auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau in neuem Licht. So ist der Anteil der weiblichen Akademiker in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Hatte früher ein Ärztekind klassischerweise noch eine Krankenschwester als Mutter, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß heute beide Elternteile Mediziner sind, stark angestiegen. Durch den akademischen Erfolg der Frauen werden Ehen noch häufiger als je zuvor innerhalb einer Bildungsschicht geschlossen. Die Gleichheit von Mann und Frau wurde so zu einer Ungleichheit von Akademikern und Arbeitern.

Und zeigen nicht auch Studien, daß Kinder aus unterschiedlichen Milieus auch bei gleichen Schulleistungen unterschiedliche Chancen haben, das Gymnasium zu besuchen? Das muß aber keine Diskriminierung der Arbeiterklasse darstellen. Erhebungen aus England zeigen: Intelligente Kinder schaffen zumeist den Bildungsaufstieg, weniger intelligente Kinder von Akademikern steigen aber nicht ab. Dies deutet auf eine Privilegierung hin – deren Beseitigung würde zwar für mehr Gerechtigkeit sorgen, aber Arbeiterkindern dennoch nicht zum Bildungsaufstieg helfen.

Künstliche Gleichheit

Tatsächlich setzt sich linke Bildungspolitik nicht für eine Förderung der schwächeren Schüler ein – obwohl sie dies stets von sich selbst behauptet – sondern versucht, künstlich eine Gleichheit herzustellen, indem die Standards abgesenkt werden. Erhalten zu wenige Schüler das begehrte Abitur und läßt sich dieser Umstand auch durch Fördermaßnahmen nicht erreichen, muß der Unterricht am Gymnasium eben leichter werden. Resultat ist, daß Abiturienten immer schlechter auf das Hochschulstudium vorbereitet sind – aber immerhin herrscht Gleichheit!

Bildungsforscherin Elsbeth Stern hat untersucht, wozu eine hohe Abiturientenquote führt. In Österreich absolvieren immer mehr Schüler die Matura (Abitur) – der erwartete Erfolg an den Universitäten bleibt jedoch aus. So führte eine Schwemme neuer Studenten in anspruchsvollen Studienfächern wie Medizin nicht zu mehr Absolventen, sondern nur zu mehr Abbrechern. In den weniger schwierigen Fächern gab es zwar mehr erfolgreiche Abschlüsse – nur garantiert dort ein Abschluß noch lange keinen Job.

Produziert die Schule mehr Absolventen, werden die Universitätsprofessoren oder potentielle Arbeitgeber diesen Leistungsverfall bemerken und um so selektiver aussieben. Selbst das Neue Deutschland titelte schon „Das Gymnasium ist die neue Hauptschule“. Wo auf das staatliche Bildungssystem kein Verlaß mehr ist, erhalten Privatschulen neuen Zulauf. Und so hat die linke Gleichheitsideologe erst recht dazu geführt, daß der Geldbeutel über Bildung entscheidet.

Leistungsgesellschaft DDR

Obwohl er wissenschaftlich anerkannt ist, lehnen viele Linke nach wie vor den IQ-Test ab. Zu sehr erschüttert er ihr Gleichheitsideal, weil er mit nüchternen Zahlen aufzeigt, daß eben nicht alle Menschen gleich intelligent sind. Gleichzeitig ist der Test aber objektiv. Ein Lehrer kann Vorurteile hegen und Ausländer, Mädchen oder Kevins für weniger intelligent halten.

Der IQ-Test ist nur ein Blatt Papier. Wie Untersuchungen zeigen, lassen sich mit ihm viel eher hochbegabte Kinder aufspüren, als wenn man nur dem Gespür der Lehrer folgen würde. Die Möglichkeit, die wenigen unentdeckten Talente an einer Problemschule aufzuspüren und entsprechend zu fördern, schlagen Linke jedoch aus. Lieber halten sie am Gleichheitsdogma fest und verschenken so wertvolles Potential.

Im Übrigen hielt auch die DDR nicht dogmatisch an der Einheitsschule fest. Daß es Intelligenzunterschiede gibt, war auch im Politbüro kein Geheimnis. Besonders begabte Schüler konnten Eliteinternate besuchen – Leistungsdenken in seiner reinsten Form. Indem die SPD die Hinweise, die es in der Wissenschaft längst gibt, verleugnet, daß Menschen eben doch nicht gleich sind, hat sie gezeigt, daß sie weit ideologischer denkt als noch die SED.

Grundschüler: Intelligenz ist auch genetisch bedingt Foto: dpa

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