Kommentar zur AfD

Petrys größte Herausforderung

Nach monatelangem internem Machtkampf hat die AfD am vergangenen Wochenende eine klare Entscheidung gefällt. 60 Prozent der anwesenden 3.500 Mitglieder wählten bei dem vermutlich größten Parteitag der deutschen Nachkriegsgeschichte Frauke Petry zur neuen Vorsitzenden und schickten Bernd Lucke in die Wüste.

Das Petry-Lager wurde zuletzt vor allem durch die Ablehnung Luckes zusammengehalten, der durch Führungsfehler Rückhalt verloren hatte. „Rote Linien“ und eine von oben diktierte programmatische Einengung ohne offene Debatte wollten sich viele Mitglieder nicht aufnötigen lassen. Frauke Petry wiederum erreichte das Herz vieler Mitglieder, indem sie monatelang Kreisverbände bereiste und das Vertrauen in direktem Kontakt gewann.

Die Wahl von Petry ist für die AfD ein Befreiungsschlag in einer zuletzt total festgefahrenen Lage. Daraus droht jedoch ein Pyrrhussieg zu werden, wenn es jetzt zum massenhaften Exodus von Mitgliedern des gemäßigten Flügels der Partei kommt. Hans-Olaf Henkel, der mit dem Bild von der AfD als angebliche „NPD im Schafspelz“ aus Frustration maßlos überzieht, hat die Partei bereits verlassen.

Wahl Meuthens ist wichtiges Signal

Der gerade auch bei Konservativen außerordentlich angesehene Volkswirtschaftsprofessor Joachim Starbatty, den Petry noch erfolglos als ihren zweiten Sprecher vorgeschlagen hatte, hat seinen Austritt am Sonntag angekündigt. Offenbar wird es in den nächsten Tagen zu einer konzertierten Austrittswelle kommen, der Fraktionen in Brüssel, aber auch in einigen Landtagen schwächen könnte.

Die Wahl des Volkswirtschaftsprofessors Jörg Meuthen zum zweiten AfD-Vorsitzenden, den auch Lucke auf seinem Personaltableau hatte, und der als charismatischer, aber besonnener Vertreter des liberal-konservativen Flügels gilt, ist ein Signal in die richtige Richtung. Meuthen fiele es auch zu, die AfD im März 2016 im ersten westdeutschen Flächenstaat, Baden-Württemberg, in die nächste entscheidende Landtagswahl zu führen. Denn auch der dortige Landeschef Bernd Kölmel hat seinen Austritt angekündigt. Erfolgschancen hat die AfD nur, wenn sie ihre Geschlossenheit und Reputation zurückgewinnt.

Drohendes Schicksal der Republikaner

Frauke Petrys größte Herausforderung wird es deshalb sein, die bereits auf dem Parteitag auch unter ihren Anhängern lebhaft diskutierte Gefahr unter Kontrolle zu bringen, daß die AfD mit Karacho in eine politische Sackgasse schleudert. Der Verlust des Lucke-Flügels erhöht arithmetisch das Gewicht des bislang marginalen Rechtsaußenflügels der AfD, der das Bild der Partei zunehmend bestimmen könnte. Diesen in den Griff zu kriegen, daran scheiterte bereits Lucke mit untauglichen Mitteln.

Ob Petry sich hier mit ähnlich eiserner Entschlossenheit durchsetzt wie in der Auseinandersetzung mit ihrem Rivalen Bernd Lucke, muß sie zeigen. Ansonsten folgt die AfD dem traurigen Schicksal der Republikaner.

Steht vor einer großen Herausforderung: AfD-Chefin Frauke Petry Foto: picture alliance/dpa

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