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Von links gegen Koch

Wer ist Andrea Ypsilanti? Laut der letzten Umfragen im Dezember zur hessischen Landtagswahl am 27. Januar ist die Spitzenkandidatin der SPD einem Drittel aller Befragten so wenig bekannt, daß sie sich kein Urteil über sie zutrauen. Eine verheerende Bilanz für die fünfzigjährige SPD-Politikerin, denn nur wenige Wochen vor der Wahl sollten alle Wahlberechtigten mehr als nur ihren Nachnamen kennen.

Andrea Ypsilanti wurde 1957 in Rüsselsheim als Andrea Dill geboren und stammt aus einer – natürlich – Opel-Arbeiterfamilie. Ihr heutiger, klangvoller Name blieb ihr von ihrem griechischen Ehemann, von dem sie sich vor vierzehn Jahren scheiden ließ. Zunächst arbeitete sie als Stewardeß bei der Lufthansa, studierte dann Soziologie, Politik und Pädagogik. Schon zu Beginn ihres Studiums 1986 trat die heutige Diplom-Soziologin in die SPD ein, in der sie rasch aufstieg. Parallel arbeitete sie von 1994 bis 1999 unter Rot-Grün als Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei. Seit April 1999 ist Ypsilanti Abgeordnete des hessischen Landtags und seit 2003, nach der verheerenden Landtagswahlniederlage ihrer Partei mit nur noch 29 Prozent, Landesvorsitzende in Hessen. Im Januar 2007 kam zuletzt der Fraktionsvorsitz dazu – damit war sie gerüstet, um Roland Koch herauszufordern.

Bekannt wurde Ypsilanti – zumindest bei SPD-Politikern -, als sie die Politik des damaligen Bundeskanzlers Schröder und die Hartz-Reformen unablässig kritisierte. Denn Ypsilanti ist "links" und tritt für jede linke Politik ein: gegen Studiengebühren, für Windräder und erneuerbare Energien, für Mindestlohn, für die Bahn-Volksaktie, für Gesamtschulen, für eine Vermögenssteuer, gegen Hartz IV und die Agenda 2010. Trotzdem – oder gerade deswegen – war sie als Landesvorsitzende in der SPD nie sehr beliebt.

Als Spitzenkandidatin wurde sie nur knapp gewählt. Zunächst reichte es nur für ein Patt (172 zu 172 Stimmen) mit ihrem Konkurrenten und damaligen Fraktionsvorsitzenden Jürgen Walter; am Ende siegte sie mit gerade einmal zehn Stimmen Vorsprung. Nun ist Ypsilanti stolz darauf, die erste Frau zu sein, die alle drei Spitzenämter der hessischen Sozialdemokratie in einer Person vereint.

Man muß hinterfragen, ob es wirklich politische Überzeugungen sind, die Ypsilanti antreiben, oder ob sie eine Karrierepolitikerin ist, die vorgibt, sich für die Arbeiter und kleinen Leute einzusetzen. So ist zum Beispiel ein Schwerpunkt der Spitzenkandidatin die Veränderung des Schulsystems und die Einführung von Gemeinschaftsschulen. Ihren elfjährigen Sohn aber schickt die Genossin auf eine Privatschule. – Politische Überzeugung sieht anders aus.

Wohl nicht von ungefähr würden sich laut Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen 45 Prozent der Hessen für Ministerpräsident Koch entscheiden und nur 32 Prozent für Ypsilanti, wenn sie den Regierungschef in drei Wochen denn direkt wählen dürften.

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