Faustschlag ins Gesicht

Unter großer medialer Anteilnahme der Medien haben Anfang Dezember zwanzig Wachschützer in Berlin-Neukölln ihren Dienst aufgenommen. Sie bewachen keine Nobelboutiquen oder Bankfilialen – sondern staatliche Schulen.

Mittlerweile haben sie erste Erfahrungen gesammelt. Doch sind private Wachleute überhaupt die richtige Antwort auf soziale Probleme wie in Nord-Neukölln? Siebzig Prozent der Deutschen beantworten die Frage mit Ja. Die meisten Politiker dagegen waren eher gegen diese neueste Maßnahme von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), der sich darauf beruft, daß Soziologen und Sozialarbeiter allein nicht weiterhelfen.

Es sind Überfälle wie der auf Detlev Bachmann (55), die zu der Entscheidung geführt haben. Der Erdkundelehrer mit Dreitagebart und kariertem Hemd an der Röntgen-Schule ist im Juli überfallen und niedergeschlagen worden. Es gab einen Streit mit einer "schulfremden" Person. Bachmann wollte schlichten und fing sich dafür Tritte und einen Faustschlag ins Gesicht ein. Zwei Wochen lang konnte er kaum etwas hören. "Wenn Ihnen so etwas passiert, sehen Sie die Dinge anders", bilanziert Bachmann sein Engagement.

Deswegen stehen jetzt jeden Tag Önder Öztürk (28) und Christopher Kern (21) von der Sicherheitsfirma Germania vor der Schule. Zumeist stehen immer dieselben Wachleute an einer Schule, so daß die Schüler und ihre "Sheriffs" eine Beziehung aufbauen können. Möglichst auch Migranten einzusetzen mit türkischen oder arabischen Sprachkenntnissen, gehört zur Strategie. Kern war früher Zeitsoldat, Öztürk hatte ein Café. Sie sind mittlerweile zu kleinen Medienstars geworden.

Schulfrei am islamischen Feiertag

So ähnlich ist es auch bei Herrn Mousavi und Herrn Falkenberg an der Albert-Schweitzer-Schule in der Karl-Marx-Straße, die ihre Vornamen lieber nicht nennen wollen. Die beiden haben ein Gymnasium abbekommen, wo es nicht ganz so ruppig zugeht wie auf einer Hauptschule. Sagen dürfen sie aber nichts. Sie verweisen auf den Schulleiter. Der heißt Georg Krapp und hat nur wenig Zeit. Die nutzt er, um folgende Begebenheiten aus den vergangenen Monaten zu schildern: Schulfremde Personen seien ins Gebäude gekommen, hätten die Toiletten und das Treppenhaus verunreinigt. "Manchmal haben sich sogar welche reingeschlichen, um zu nächtigen." Und dann gab es 2006 noch zwei versuchte Brandstiftungen. "Da hat jemand gekokelt", sagt Krapp. Aber der Hausmeister konnte die Täter verjagen. Er hat sie hinterher als "Schulfremde" identifiziert.

Weiter zur Rütli-Schule, der berüchtigten Hauptschule, deren Lehrer 2006 die Schließung der Bildungseinrichtung forderten, weil sie mit den Schülern nicht mehr klarkamen. Und hier war es auch, wo es zum ersten Mal nach der Einführung des Wachschutzes "knallte". Gerade eine Woche standen die stets unbewaffneten Wachschützer vor der Problemschule, da gab es einen heftigen Streit mit Halbstarken, die auf dem Schulhof nichts zu suchen hatten. Es ging dabei – um ein Mädchen. Ein fünfzehn Jahre alter "Schulfremder" wollte seine Ex-Freundin zurück. Also erschien er und drangsalierte und bedrohte sie. Am nächsten Tag kamen beide Seiten mit männlicher Verstärkung. Die Situation zwischen den zwei Gruppen – zusammen etwa dreißig Personen – drohte zu eskalieren. Die Wachleute riefen die Polizei.

Kurz vor Weihnachten, zwei Tage nach dem Vorfall, sind die zwei Rütli-Pforten abgeschlossen. Am Eingang ist eine Klingel, die laut Aufschrift ins Sekretariat führt. Dort ist zu erfahren, daß heute weder Schüler noch Wachleute in der Schule sind. Auf die Frage, warum der Unterricht an einem regulären Schultag ausfällt, gibt es eine verblüffende Antwort: "Heute ist muslimisches Opferfest, da ist bei uns schulfrei." So bleibt es an diesem Tag besonders ruhig an der Rütli-Schule.

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