Das Haupt der Familie

Wenn man Franz-Josef Breyer fragt, wieso es ihn in die Politik gezogen hat, dann kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Weil keine etablierte Partei sich um die Familie kümmert!“ Diese Erkenntnis hat den Kinderarzt aus dem saarländischen St. Ingbert schon vor Jahren auf den Plan gerufen. Auf der Suche nach einer politischen Heimat wurde der mittlerweile 69jährige in Bayern fündig. Mit einigen hartgesottenen Idealisten belebte er die Familienpartei Deutschlands – eine von vielen Kleinstparteien, die am Wahlabend unter der belächelten Rubrik „Sonstige“ geführt werden. Die kleine Gruppe, die 1981 im Freistaat gegründet wurde und seit 1989 ihren Sitz an der Saar hat, drängt in jüngster Zeit in die Schlagzeilen. Im Saarland erhielt die „Familie“ drei Prozent. Für den Vorsitzenden Breyer keine Überraschung: „Die Menschen sind frustriert und haben kein Vertrauen mehr in die etablierten Parteien. Wir sind die nicht-extremistische Alternative.“ Mit erstaunlicher Energie und Akribie hat der Kinderarzt mittlerweile zehn Landesverbände aus der Taufe gehoben. Rund 500 Mitglieder stark ist die Formation, und der Achtungserfolg an der Saar soll nur der Anfang gewesen sein: „Wir werden in den brandenburgischen Landtag einziehen“, so Breyer zuversichtlich. In Sachsen dagegen war die Zeit für den jungen Landesverband zu knapp, dort tritt man erst in fünf Jahren an. Unterdessen hat man sich an Spree und Havel unter die Hartz-IV-Demonstranten gemischt, „weil die Familien die eigentlichen Leidtragenden der Reformen sind“. Die Familie ist die Keimzelle des Staates – diese durchaus konservative Formulierung im Parteiprogramm wird durch einige populistische Forderungen ergänzt. So wendet sich Breyers Partei gegen die Erhöhung von Kindergartengebühren und tritt für die Abschaffung des Berufspolitikertums ein. Der Ruf nach Einführung eines Erziehungsgehalts mutet ebenso visionär an wie die Forderung nach einem Stellvertreter-Wahlrecht für Eltern. Im politischen Alltag arbeitet die „Familie“ allerdings sachbezogen. Und Querelen, wie sie bei anderen Kleinparteien an der Tagesordnung sind, kennt man hier nicht. Den Traum manches konservativen Wählers, die „Familie“ könnte das parteipolitische Vakuum im nationalen Spektrum ausfüllen, vermag die Formation allerdings nicht zu erfüllen. So hat für die Partei Familie nicht zwangsläufig etwas mit Nation oder Konservatismus zu tun, bleibt die Haltung zur Einwanderung ebenso schwammig wie zum Paragraphen 218, und auch unseriösen gesellschaftspolitischen Experimenten wie der Einführung des Wahlrechtes für Minderjährige ist man nicht abhold. Zwar stellt Breyer fest: „Ein Linker war ich noch nie“, fügt jedoch hinzu: „Ein Rechter aber auch nicht.“ Und als Volkstribun taugt Breyer schon gar nicht. Am saarländischen Wahlabend schickte er lieber seinen Landesvorsitzenden vor die Kamera. Er selbst blieb im Hintergrund – bei seiner Familie.

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