Sprachverwirrung im Osten

Nun ist es offiziell: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sagt Kaliningrad. Das antwortete zumindest Thomas Hinrichs, Chefredakteur von ARD-aktuell, auf die Beschwerde eines Zuschauers, der die Regelung der Presseagenturen und der Tagesschau kritisierte, auf den Namen Königsberg zu verzichten und statt dessen die auf Stalins Getreuen Michail Kalinin zurückgehende Bezeichnung zu wählen. „Oberstes Prinzip für unsere Entscheidungen ist dabei Verständlichkeit“, deswegen benutze man an anderer Stelle auch die deutschen Namen, zum Beispiel Prag statt Praha oder auch Breslau statt Wroclaw. Noch „verständlicher“ wird diese Richtlinie, wenn es um Städte geht, „deren landessprachliche Bezeichnung inzwischen auch bei uns üblich geworden ist“, wie Hinrichs doziert. Also ist nun trotz schwierigerer Aussprache Ljubljana statt Laibach und Bratislava statt Preßburg maßgeblich. Bei Kaliningrad/Königsberg habe man sich „im Einklang mit den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen“ für den russischen Namen entschieden, „auch wenn das alten Königsbergern weh tun mag“. Nur wenn die Stadt in einem historischen Zusammenhang erwähnt werde, wie etwa beim Kant-Jubiläum oder in Erinnerung an die Vertreibung, „nennen wir neben dem heutigen Namen auch den historischen: Königsberg“. Als Begründung, warum man lieber den Namen des stalinistischen Henkers benutzt, der zum Beispiel die Massaker von Katyn 1940 direkt zu verantworten hat, bietet Hinrichs dann ein Lehrstück fast böswilliger Rabulistik an: Der Name Kaliningrad „bürgert sich immer mehr ein“.

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