Ein Vorbild für die Welt

Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen.“ Dieser Schlußsatz aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“ (1861) von Emanuel Geibels bot nach zwei verlorenen Weltkriegen wenig Anlaß zum Zitieren, ja, er galt sogar als häßliches Synonym für übersteigerten Nationalismus.

Zumindest bei der Abfallentsorgung allerdings ist man nicht nur stolz auf eine weltweite Führungsrolle, sondern hat auch wenig Hemmungen, unseren Standard ohne Minderwertigkeitskomplexe der Menschheit zur Nachahmung anzubieten. Ausländische Delegationen dürfen wißbegierig die Errungenschaften im Vaterland des Müllsortierens bestaunen, so wie polnische Kommunalvertreter aus Koberwitz (Kobierzyce) bei Breslau Ende März in ihrer Partnerstadt Raesfeld im Münsterland. Besonders die Mülltrennung sei bei seinen polnischen Landsleuten in Niederschlesien „aber noch verbesserungsfähig“, bekennt der Delegationsleiter Piotr Kopec neidvoll in der Ibbenbürener Volkszeitung.

Und auch in unserer früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika greift man auf Recycling-Konzepte aus dem alten Mutterland zurück. Im Windhuker Stadtteil Katutura hat sogar die Vize-Bildungsministerin Becky Ndjoze-Ojo ein offizielles Programm gestartet, um mit Schülern die Trennung von Glas, Plastik, Papier und Metall einzuüben. Vergangene Woche wurden die ersten von zehn Recycling-Behältern vor den Schulen positioniert, wie die Allgemeine Zeitung aus der namibischen Hauptstadt meldet. Vielleicht macht man dort aber den zweiten vor dem ersten Schritt, mehren sich derzeit in Namibia die Klagen über eine zunehmende Vermüllung der Umwelt.

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