Die zweite Vertreibung

Und wieder ein Schlag ins Gesicht der deutschen Vertriebenen: Den verdienstvollen und durchdachten Plan der Stiftung Schlesische Heimatstuben, die Bestände aus den Sammlungen an einer zentralen Stätte in Görlitz zusammenzuführen und so für kommende Generationen zu sichern, hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) kurzerhand abgelehnt. „Keinen Bedarf“ sieht er für ein Museum, das das für Deutschland gerettete Kulturgut aus den schlesischen Heimatstuben aufnimmt. Dabei geht es nicht um die schlesischen allein, sondern um die im Bundesgebiet verstreut liegenden Heimatsammlungen aller Vertriebenen, deren Perspektive prekär ist: Die Erlebnisgeneration wird es in Kürze nicht mehr geben, und die über Jahrzehnte mit Eigenmitteln zusammengetragenen, inventarisierten und gepflegten Bestände könnten verlorengehen. Schon strecken Polen begierige Hände nach den wertvollsten Stücken aus.

Es ist die kalte Ignoranz gegenüber den Heimatvertriebenen, die einem dieser Tage so oft die Zornesröte auf die Stirn treibt. Als die „Dahergelaufenen“ wurden sie anfangs beschimpft. Wann begreift dieses deutsche Volk endlich, daß wir ein Volk sind mit einer Geschichte, daß das ostdeutsche Kulturerbe das Erbe des ganzen Volkes, unser aller Erbe ist, das uns Halt und Identität im Gang der Zeiten gibt?

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