Wir werden manipulierbar

Auf ihrem Landesparteitag haben die bayerischen Grünen einen Antrag verabschiedet, der die Abschaffung des verpflichtenden Unterrichtsfachs Religion und die Entfernung jeglicher religiöser Symbole und religiös motivierter Kleidungsstücke fordert: „Religion und religiöse Symbole haben in der Schule nichts zu suchen, und die Kinder und Jugendlichen müssen in ihrem Recht auf Religionsfreiheit geschützt werden.“. Daß gerade die Grünen solche Meinungen vertreten, verwundert wenig. Wundern muß man sich über die Argumentation. Sind es nicht gerade die Grünen, die Vielfalt und eine multikulturelle Gesellschaft propagieren? Wenn aber Kinder in der Schule, einem Ort, an dem sie viel Zeit verbringen und an dem sie lernen müssen, andere Anschauungen und Meinungen zu akzeptieren, diese kulturelle Vielfalt nicht mehr erfahren, dann werden sie weder die eigene Kultur noch andere Kulturen kennenlernen und akzeptieren. Die Religion ist die Basis der Kultur eines Landes. Wir respektieren dies in allen Ländern dieser Welt. Nur hier in Deutschland und Europa versuchen wir unsere christlich-abendländische Kultur zu negieren. Dabei sollten wir es doch besser wissen. Nur intolerante, totalitäre Regierungen, in denen die Bürgerrechte reglementiert sind, verbieten das religiöse Bekenntnis und die religiösen Symbole in der Öffentlichkeit. Zweifelsohne, die Religionsfreiheit ist in unserer Demokratie ein hohes Gut, und wir müssen sie schützen. Das Verständnis von Religionsfreiheit jedoch, welches die Grünen in ihrem Antrag ausdrücken, ist völlig falsch. Es konterkariert diese Freiheit, indem es den Kindern den Zugang zu der eigenen Kultur und zu den eigenen Wurzeln verbieten will. Auf der anderen Seite fordert der Antrag, daß nicht nur das Elternhaus, sondern auch die Schule einen Beitrag zur Werteerziehung leisten muß. Welche Werte aber sollen das sein, und wie soll die Werterziehung gelingen, wenn das Bekenntnis zu diesen Werten in der Schule verboten ist? Unsere Werte sind über eine lange Zeit und aus unserer christlich-abendländischen Tradition gewachsen. Wir wollen, daß in unserem Land die freie Wahl der Religion und deren Ausübung herrscht. Das kann und darf aber nicht bedeuten, daß unser christliches Wertefundament beliebig ist und aus den Klassenzimmern verbannt werden muß. Denn dann verlieren wir unsere Religion und damit die Kultur und die Kraft, uns zu erneuern, und werden manipulierbar. Norbert Geis (CSU) ist Mitglied des Deutschen Bundestages und lebt als Rechtsanwalt in Aschaffenburg.

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