Opfer der Plapperer

Da hatte sich Michael Wolffsohn, Professor für internationale Beziehungen und westeuropäische und israelische Geschichte an der Bundeswehrhochschule in München, etwas zu weit vorgewagt. In einem Gespräch der nt-v-Sendung „Maischberger“ brachte er zum Ausdruck, daß man gegen Terroristen mit „Gentlemen-Methoden“ scheitern werde, und bejahte auf Nachfrage, daß er in besonderen Situationen auch Folter oder die Androhung von Folter für legitim halte. Damit war er in eine ähnliche Falle getappt wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann, als der dem ZDF-Politmagazin „Frontal 21“ den Günzel-Brief gezeigt und auf die versprochene Diskretion vertraut hatte. Wolffsohn hätte also wissen müssen, daß er in Plaudersendungen wie „Maischberger“ nicht seriös über so brisante Themen wie Terrorismus und dessen diffizile Bekämpfungsmethoden debattieren sollte. Und er hätte erst recht wissen müssen, daß er als liberaler Jude, der sich auch gegenüber dem jüdischen Zentralrat und seinen Funktionären kritische Bemerkungen nicht verbieten läßt, unter ganz besonderer Beobachtung der Political Correctness steht. So war es denn nicht verwunderlich, daß nach Bekanntwerden seiner Äußerungen sofort seine Entlassung von der Bundeswehrhochschule verlangt wurde. Auch wenn man Wolffsohns Ansichten nicht teilt, ist das Verfassungsrecht auf Meinungsfreiheit ein so hohes Gut, daß es von niemandem in Frage gestellt werden darf. Bleibt abzuwarten, ob sich SPD-Verteidigungsminister Struck diesmal daran hält.

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