KÖLN. Der Branchenverband Game hat AfD-Politiker auf der Computerspielmesse Gamescom für unerwünscht erklärt. „Diejenigen, die demokratische Prinzipien und eine offene Gesellschaft bekämpfen, so wie die AfD es tut, die sind nicht unser Partner“, sagte Geschäftsführer Felix Falk am Donnerstag in Köln. Vertreter der Partei seien daher auf der Messe „nicht willkommen“.
Der Gamescom Congress beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Bedeutung von Computerspielen für die Demokratie. „Games sind kein Zuschauersport, und Demokratie ist es auch nicht“, begründete Falk die Themenwahl.
Der Verband trete für Vielfalt, Gleichberechtigung und eine offene Gesellschaft ein, weshalb eine Zusammenarbeit mit der AfD ausscheide. Game hatte bereits zuvor beschlossen, keine Gespräche mit der Partei zu führen und AfD-Politiker nicht zu eigenen Veranstaltungen einzuladen. Der Verband vertritt die Interessen der deutschen Computerspielbranche gegenüber Politik und Öffentlichkeit und setzt sich dabei besonders für staatliche Förderung für Spieleentwickler ein.
Politiker von Union und SPD willkommen
Vertreter anderer Parteien waren auf der Gamescom dagegen gern gesehen. An der politischen Eröffnung nahmen unter anderem Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und die Vizepräsidentin der EU-Kommission Henna Virkkunen teil. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte als erstes deutsches Staatsoberhaupt die weltgrößte Computerspielmesse.
Die Nähe zur Politik ist für die Branche auch finanziell bedeutend. Im Bundeshaushalt stehen 2026 insgesamt 125 Millionen Euro für die Förderung deutscher Spieleentwickler bereit. Die Summe entspricht einer früheren Forderung des Branchenverbandes.
Steinmeier fordert strengere Regeln
Der Bundespräsident bezeichnete digitale Spiele in seiner Eröffnungsrede als „kulturrelevant“ und damit auch als wichtig für die Demokratie. Spiele könnten Wissen vermitteln, Menschen mit anderen Lebenswelten vertraut machen und zum Nachdenken über Regeln und Fairness anregen. Zugleich seien sie längst „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“.
Steinmeier warnte jedoch vor Computerspielsucht, Hass, Mobbing und Manipulationsversuchen in der digitalen Welt. Er forderte „klarere Regeln“, um Gewaltverherrlichung sowie die Verbreitung extremistischer und demokratiefeindlicher Inhalte zu verhindern. Gerade angesichts der Bedrohungen für die Demokratie müsse der Staat stärker eingreifen.
Wer darüber entscheiden soll, welche Inhalte als demokratiefeindlich gelten, ließ der Bundespräsident offen. Der Game-Verband hatte diese Frage für seine eigenen Veranstaltungen bereits vor seiner Rede beantwortet: Politiker von Union und SPD dürfen mitdiskutieren, Vertreter der AfD nicht. (rr)






