BERLIN. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den offensichtlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin verurteilt, ohne das Motiv zu nennen. „Was für eine abscheuliche Tat“, schrieb er am Sonntag morgen auf dem Kurznachrichtendienst X. „Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen. Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“ Die Tat werde aufgeklärt und „mit voller Härte“ verfolgt.
Was für eine abscheuliche Tat in Berlin. Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen.
Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) July 26, 2026
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer „feigen, abscheulichen Attacke“, die ihn erschüttere. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten.“ Zuvor hatte ein Regierungssprecher mitgeteilt, man werde alles dafür tun, um die Hintergründe des Anschlags aufzuklären.
Auch AfD-Chefin Alice Weidel äußerte sich zu der Tat in Berlin. „Erst fuhr der polizeibekannte, mutmaßliche Täter Abdul B. mit einem Transporter in eine Menschenmenge, danach verletzte er weitere Menschen mit einem ‘Stichwerkzeug’ und floh“, schrieb sie auf X. Meine Gedanken sind bei den Opfern und Hinterbliebenen“.
CSD Berlin: Erst fuhr der polizeibekannte, mutmaßliche Täter Abul B. mit einem Transporter in eine Menschenmenge, danach verletzte er weitere Menschen mit einem „Stichwerkzeug“ und floh. Eine Frau wurde getötet, weitere 16 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Meine Gedanken…
— Alice Weidel (@Alice_Weidel) July 26, 2026
FDP-Chef Wolfgang Kubicki zeigte sich auf der Plattform „tief betroffen“. „Unweigerlich werden Erinnerungen an die Tat von Magdeburg wach.“ Der Angriff richte sich gegen alle als „offene und liberale Gesellschaft“ sowie „das Recht, sich friedlich zu versammeln und gemeinsam zu feiern“. Dieses Recht und „das freiheitliche Leben“ zu verteidigen, bleibe „unsere Aufgabe, weit über diesen schrecklichen Tag hinaus.
Juso-Chefin setzt Rechtsextremisten und Islamisten gleich
Bereits kurz nach der Attacke zeigte sich Linkspartei-Chef Luigi Pantisano „sehr besorgt und traurig“ über die Verletzten. „Ich war selbst vor kurzem vor Ort. Bin in Gedanken bei den Betroffenen“, hieß es von ihm auf der Plattform Bluesky. Gleichwohl fügte er hinzu: „Und bitte spekuliert nicht!“ Sein Bruder und Berlins Queerbeauftragter, Alfonso Pantisano (SPD), bedankte sich bei den CSD-Veranstaltern für eine „ruhige und höchst professionelle“ Evakuierungsaktion. „Der gestrige Tag hätte ein Tag der Freude, der Sichtbarkeit und der Freiheit sein sollen. Stattdessen ist er zu einem Tag geworden, den wir niemals vergessen werden.“
Nach einem großartigen CSD Berlin jetzt sehr besorgt und traurig über die Meldungen, dass Menschen am Abend verletzt wurden. Ich war selbst bis vor kurzem vor Ort. Bin in Gedanken bei den Betroffenen. Und bitte spekuliert nicht!
— Luigi Pantisano (@luigipantisano.bsky.social) 25. Juli 2026 um 23:20
Auch die Queerbeauftragte des Bundes, Sophie Koch (SPD), lobte die „schnelle“ und „umsichtige“ Reaktion der Polizei und Veranstalter. „Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit. Das ist unsere Antwort“, teilte sie mit.
Der Spitzenkandidat der Berliner Grünen zur Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf, forderte eine „lückenlose Aufklärung“ der Tat. Zudem rief er die „demokratischen Parteien“ zu Zusammenhalt und zur gemeinsamen Verteidigung von Freiheit, Vielfalt und Offenheit auf, zitiert ihn der Tagesspiegel. „Berlin ist die Stadt der Freiheit. Daran wird kein Anschlag je etwas ändern.“
Die stellvertretende Chefin der SPD-Jugendorganisation, Mareike Engel, teilte unterdessen einen Instagrambeitrag der linken Journalistin Daniela Sepehri zum Anschlag. Darin beklagte diese, dass Rechtsextremisten den Angriff „feiern“ würden. „Rechtsextreme und Islamisten sind zwei Seiten derselben Medaille. Sie sind beide gleich: Beide Menschenfeinde, beide Demokratiefeinde, beide Arschlöcher“, hieß es darin.
Nach dem CSD-Attentäter wird weiterhin gefahndet
Am späten Samstagabend war ein Mann zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge am Tiergarten gerast. Anschließend soll er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“ verletzt haben, darunter mit einer Machete. Auch gegenüber der JF sprach ein Augenzeuge von einem Messerangriff im Tiergarten (JF berichtete). Mindestens eine Frau wurde bei dem Terrorangriff getötet und mindestens 16 weitere verletzt – drei davon lebensgefährlich, acht schwer. Polizei und Rettungskräfte waren am Abend mit einem Großaufgebot vor Ort.
Vom Platz der Republik hebt ein Rettungshubschrauber ab zwischen Reichstag und Kanzleramt pic.twitter.com/5Y7681VoWr
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) July 25, 2026
Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um den polizeibekannten Abdul Ballout handeln. Er ist 21 Jahre alt, arabischer Herkunft und gehört laut Polizei zur islamistischen Szene in Berlin. Der Terrorist ist flüchtig und vermutlich bewaffnet. Der Terrorist soll das Auto gemietet haben und war nach ersten Meldungen erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden.
In der Nacht zu Sonntag durchsuchten die Beamten seine Wohnung, konnten ihn aber nicht finden. Nach ihm wird weiterhin gefahndet. Am Samstag um 14 Uhr soll eine Gedenkveranstaltung am Pariser Platz stattfinden. (kuk)





