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Gewaltaufruf im Song: Wie Danger Dan den Indymedia-Pop erfand

Gewaltaufruf im Song: Wie Danger Dan den Indymedia-Pop erfand

Gewaltaufruf im Song: Wie Danger Dan den Indymedia-Pop erfand

Daniel Pongratz alias Danger Dan auf der Bühne: Sein neuer Song spielt mit Gewaltphantasien. Foto: picture alliance / Bonn.digital | Marc John
Daniel Pongratz alias Danger Dan auf der Bühne: Sein neuer Song spielt mit Gewaltphantasien. Foto: picture alliance / Bonn.digital | Marc John
Daniel Pongratz alias Danger Dan auf der Bühne: Sein neuer Song spielt mit Gewaltphantasien. Foto: picture alliance / Bonn.digital | Marc John
Gewaltaufruf im Song
 

Wie Danger Dan den Indymedia-Pop erfand

Mit „Keine Angst“ legt der Rapper Danger Dan eine musikalische Anleitung zum Bürgerkrieg vor – das ist viel weniger radikal, als er denkt.
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Deutschrap, Bebop, Dark Wave: Da draußen wabern Hunderte, wenn nicht gar Tausende Musikgenres herum, mit denen die Industrie noch den letzten zahlenden Hörer fängt. Sie sehen sich als moderner Herzensbrecher? Hören Sie die zartschmelzenden Gitarrensolos von John Mayer! Sie fühlen sich als Raubein mit weichem Kern? Schalten Sie den kehligen Country von Chris Stapleton ein! Jedes Selbstbild, jede Stimmung, jeder Impuls ein potenzieller Stream, ein Like – bares Geld.

Selbst junge Intellektuelle mit unterdrückter Gewaltneigung, die sich zu fein für Fußballermilieus sind und ihre Brutalität außerdem gerne unter einen guten Zweck setzen würden, kommen in der ganz zum Markt gewordenen Kultur des Liberalismus auf ihre Kosten. Das Produkt, das Sie suchen, heißt: Indymediapop made by Danger Dan.

Wie man ein Album anteasert

Der Sprachgesangsartist heißt mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz – was komplett langweilig klingt, deshalb das gefährliche Alias – und tritt seit 2009 als Teil der antideutschen Rapcrew „Antilopen Gang“ auf. „Antideutsch“ heißt hier nicht, dass die Künstler Deutschland hassen – das tun sie auch –, sondern auch andere Linke, die ihrer Meinung nach wohl bei einigen Ismen irgendwie die falsche Wahl getroffen haben.

Wie auch immer – mit „Keine Angst“ hat Danger Dan nun einen Song beim Label „Ölsardinenindustrie“ veröffentlicht, der seinem neuen Album, das im Oktober erscheinen soll, vorangestellt ist. So ein Ding muss gleich zünden. Sonst floppt die Platte.

Wie gefährlich ist der gefährliche Daniel?

Also provozieren: Zu ganz netten, aber nach drei, vier Mal Hören auch ein bisschen langweiligen Klavierakkorden gibt Gefahrendaniel eine ausführliche Anleitung für den Bürgerkrieg: Banden bilden, konspirieren, Rechte ausspähen, sich in Zersetzungsarbeit üben und dann, ganz am Schluss, den Rufmord – und vielleicht auch den echten Mord – verüben.

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Der gefährliche Daniel grüßt am Schluss noch die Hammerbande, die alles halbtot prügelte, was für sie „Nazi“ war. Nur brauchten die für ihre Taten den Gefahrendaniel und seinen Flohwalzer nicht. Wer seine rohen Instinkte am politischen Gegner befriedigen möchte, braucht dafür keinen Rollkragenpullover. Solche Aktionen brauchen kein Jingle.

7:20 Minuten Militanz

Vielleicht wäre der ganz gefährliche Daniel gerne wirklich gefährlich – aber das ist sein Problem. Selbst schuld, wenn man Musiker wird.

So ist „Keine Angst“ denn auch eigentlich kein Gewaltaufruf, wie das ZDF zuletzt nahelegte, als es Daniel die Gefahr aus der Satiresendung „Die Anstalt“ auslud (JF berichtete). Vielmehr ist das Lied ein Produkt für all jene, die sich einmal für 7:20 Minuten lang militant fühlen wollen.

Musik für Leute, die nicht früh aufstehen können

Antifa als Tagtraum, gut portioniert als Song, in der Playlist irgendwo zwischen dem Barbierap von Shirin David und dem Bier Hop von Mehnersmoos – als „Zeichen“, das man setzt.

Kritiker haben genau deswegen nichts zu befürchten, auch wenn der gefährliche Daniel gefährlich geschmacklos ist. Was er in die Ohren seiner Fans seiert, ist nur eine Fantasie, eine Ware auf dem Laufband der Kulturindustrie, dazu bestimmt, konsumiert und weiß Gott nicht in die Tat umgesetzt zu werden.

Was auch sonst? Konspirativ-militanter Antifaschismus ist viel zu anstrengend. Die AfD konnte ihren Parteitag in Erfurt zuletzt durch frühes Aufstehen vor der Blockade retten. Wenn es schon am Wecker scheitert, wird Gefahrendaniel wohl viel Geld mit seinem Lied machen, aber wohl sicher keine allgemeinen Unruhen provozieren.

Kulturindustrie frisst Antifa

Vielleicht ist das der Kniff, den er schon beim Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ nicht verstanden hat. Man kann Militanz besingen, Songs schreiben, einen Lifestyle daraus machen. Man ist deshalb noch lange nicht militant – dazwischen liegen Welten.

Also: Viel Spaß mit Indymediapop. Spotify freut sich. YouTube wird auch etwas davon haben. Und natürlich die Labels, die Getränkemarken und die Klamottenhersteller, die an jeder kleinen Soliparty im Kiez verdienen. Das System ist viel zu raffiniert und eingespielt, als dass ein Song es auf einmal ernst meinen könnte.

Daniel Pongratz alias Danger Dan auf der Bühne: Sein neuer Song spielt mit Gewaltphantasien. Foto: picture alliance / Bonn.digital | Marc John
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