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Internes Interview: Jetzt gesteht VW-Chef Blume 50.000 gefährdete Stellen und mögliche Werksschließungen ein

Internes Interview: Jetzt gesteht VW-Chef Blume 50.000 gefährdete Stellen und mögliche Werksschließungen ein

Internes Interview: Jetzt gesteht VW-Chef Blume 50.000 gefährdete Stellen und mögliche Werksschließungen ein

VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: nennt konkrete Zahlen zu Stellenstreichungen und Werksschließungen. Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler
VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: nennt konkrete Zahlen zu Stellenstreichungen und Werksschließungen. Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler
VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: will gegen internen Widerstand harte Unternehmensentscheidungen umsetzen. Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler
Internes Interview
 

Jetzt gesteht VW-Chef Blume 50.000 gefährdete Stellen und mögliche Werksschließungen ein

Erstmals nennt der VW-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume konkrete Zahlen: Ohne ausreichende Kostensenkung drohen weltweit weitere 50.000 Stellenstreichungen – und vier geschlossene Werke in Deutschland.
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WOLFSBURG. Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat in einem internen Interview erstmals eine konkrete Größenordnung für weitere Einsparungen genannt. Sollten die Gemeinkosten nicht wie geplant gesenkt werden, könnten bis 2030 zu den bereits vereinbarten zu streichenden 50.000 Stellen in Deutschland weltweit rund weitere 50.000 Arbeitsplätze wegfallen und vier Werke hierzulande geschlossen werden. „Wir haben keine Wahl und keine Zeit zu verlieren“, zitiert die Bild-Zeitung den VW-Vorstandsvorsitzenden.

Die von Blume angesprochenen Gemeinkosten umfassen bei Unternehmen alle indirekten Aufwendungen, die nicht direkt einem einzelnen Produkt oder einer Produktionslinie zugeordnet werden können. Dazu zählen typischerweise Kosten für Verwaltung, Personalwesen, IT-Infrastruktur, Marketing, Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Unterstützungsfunktionen.

Blume leitete die Zahl aus dem Ziel ab, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützungsfunktionen auf ein mit Wettbewerbern vergleichbares Niveau zu reduzieren. Diese lägen bei VW derzeit im Schnitt noch etwa 20 Prozent höher. „Die Wahrheit ist auch, dass wir heute für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können“, gestand der 58jährige ein. Die europäischen Werke des Konzerns verfügten über teure Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen. Nach bisherigen Planungen soll die Produktion dort zwischen 2031 und 2034 auslaufen.

Umstrukturierung eines VW-Werks könnte an Katar scheitern

Allerdings gebe es laut Blume eine „gute Nachricht“, da VW in den vergangenen zwei Jahren „bereits zwei Millionen weltweit an Überkapazitäten abbauen“ konnte. Die Neuausrichtung sieht eine Produktionsreduktion von zwölf Millionen in den Vor-Corona-Jahren auf neun Millionen Fahrzeuge vor. Ebenfalls solle das Modellangebot um die Hälfte schrumpfen.

Gleichzeitig betonte der Konzernchef, dass intelligente Lösungen stets besser seien als Werkschließungen. Als Beispiel nannte er Gespräche am Standort Osnabrück mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael. Die Verhandlungen gestalten sich aber offenbar schwierig, weil der VW-Großaktionär Katar die Produktionspläne kritisch sieht.

Bis Jahresende sollen schon 27.000 Stellen abgebaut werden

Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen geprüft, welche Anpassungen tatsächlich nötig und möglich seien. Blume deutete an, dass die Zahl der abzubauenden Stellen geringer ausfallen könne, falls die Arbeitskosten pro Beschäftigtem auf andere Weise gesenkt würden. Hierzulande sehe der Konzern gute Fortschritte: Bis Jahresende werde das Ziel von 50.000 gestrichenen Stellen zu mehr als der Hälfte erreicht. Insgesamt gebe es bereits 37.000 unterschriebene Verträge, 63.000 stehen demnach noch aus.

Mit dem Interview reagierte Blume offenbar auf Vorwürfe von Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Die Gewerkschaftsführerin hatte dem Vorstandschef vorgeworfen, die Belegschaft über seine Pläne im Unklaren zu lassen. Blume halte es seit Wochen „offensichtlich nicht für nötig“, den „Zehntausenden völlig verunsicherten, ja verängstigten Beschäftigten“ über sein Programm konkret aufzuklären.

Blume verteidigt Kurs gegen Gewerkschaft und Land Niedersachsen

Auch die IG Metall kritisierte in der Betriebsratszeitung Mitbestimmen einen wachsenden Vertrauensverlust in der Belegschaft. Die Arbeitnehmervertreter stellen knapp die Hälfte der Aufsichtsräte und haben damit bei wichtigen Entscheidungen wie Werksschließungen Mitbestimmungsrechte. „Trotz durchaus kontroverser Positionen in der Diskussion nehme ich im Aufsichtsrat eine breite Unterstützung wahr“, soll Blume im internen Gespräch dagegengehalten haben. In den Sitzungen werde nun „um die besten Lösungen“ gerungen.

Am vergangenen Donnerstag hatte Blume dem Aufsichtsrat offiziell seinen Zukunftsplan, der nicht weniger als die „umfassendste Neuausrichtung der Unternehmensgeschichte“ sei, für das Jahr 2030 vorgestellt (JF berichtete). Mit dem Programm will er neben der Kostensenkung auch eine Neuordnung des Produktionsnetzes durchsetzen. Das Vorhaben war jedoch zunächst am Widerstand der Arbeitnehmerseite und des rot-grün geführten Landes Niedersachsen gescheitert. Im Sommer sind nun weitere Verhandlungen vorgesehen. (rsz)

VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: will gegen internen Widerstand harte Unternehmensentscheidungen umsetzen. Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler
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