HALLE. Die Zahl der Firmenpleiten hat im Frühjahr den höchsten Stand seit 21 Jahren erreicht. Von April bis Juni gab es insgesamt 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, teilte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag mit. Das ist der hächste Wert seit 2005- Verglichen damit stieg die Zahl der betroffenen Mitarbeiter: Hatten vor 21 Jahren insgesamt 41.500 Beschäftigte ihre Stelle verloren, trafen die Pleiten der vergangenen drei Monate 45.500 Arbeitsplätze.
Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 verzeichnete das IWH neun Prozent mehr Insolvenzen. Der neue Höchststand sei demnach in nahezu allen großen Branchen zu beobachten, darunter im Baugewerbe, im Handel, im Gastgewerbe und in den Dienstleistungen. „Die Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite“, warnte der IWH-Leiter für Insolvenzforschung, Steffen Müller. Demnach sei für das dritte Quartal weiterhin mit mehr Pleiten als im Vorjahr zu rechnen.
Immer weniger Unternehmen können nach Pleiten saniert werden
Gleichzeitig sinkt die Zahl der gelungenen Sanierungen oder Verkäufe insolventer Großunternehmen. 2025 konnten nur 32,1 Prozent der Firmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro gerettet werden, ermittelte die Transformationsberatung Falkensteg in einer neuen Studie. 2020 hatte diese Quote noch 57 Prozent betragen.
Von Januar bis Juni 2026 verzeichnete der Inkassodienstleister Creditreform insgesamt 12.900 Unternehmenspleiten (JF berichtete). Anders als beim IWH schließt diese Zahl auch Einzelunternehmer und Gewerbebetriebe ein. Der Wirtschaftsauskunftei zufolge gerieten immer mehr Firmen und Selbständige zwischen die Auswirkungen von schwacher Nachfrage, hohen Kosten und anhaltender Unsicherheit. (kuk)







