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Biographie des AfD-Vorsitzenden: Chrupalla stellt sein Buch auf der Hütt‘n vor

Biographie des AfD-Vorsitzenden: Chrupalla stellt sein Buch auf der Hütt‘n vor

Biographie des AfD-Vorsitzenden: Chrupalla stellt sein Buch auf der Hütt‘n vor

AfD-Chef Tino Chrupalla (m.) präsentiert seine Biographie in für viele Journalisten unerwarteter Umgebung.
AfD-Chef Tino Chrupalla (m.) präsentiert seine Biographie in für viele Journalisten unerwarteter Umgebung.
AfD-Chef Tino Chrupalla (m.) präsentiert seine Biographie in für viele Journalisten unerwarteter Umgebung. Foto: JF
Biographie des AfD-Vorsitzenden
 

Chrupalla stellt sein Buch auf der Hütt‘n vor

Wenn ein Handwerksmeister und Parteivorsitzender eine Biographie präsentiert, kann auch der Ort dafür eine Botschaft sein. AfD-Chef Chrupalla wählt ihn mit Bedacht und gibt persönliche Einblicke in seinen Werdegang.
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Fast ausgefuchst könnte man die Strategie bezeichnen, die zusammengetretene Schar von Hauptstadtjournalisten an diesen Ort zu versammeln. Dort, wo einer Berichterstattung in so vollendeter Form das Abreiten aller möglichen Klischees das Bett bereitet wurde. Denn wo sonst sollte die Buchvorstellung des Vorsitzenden einer deutschen Rechtspartei stattfinden als im durch verschlungene Pfade erreichbaren Hinterzimmer eines bayerischen Lokals mit Holzvertäfelung. Dort posierte AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla am Präsidialtisch vor alpin anmutender Kulisse, zwar ohne Herrgottswinkel, aber dafür mit Rehgehörn und Hirschgeweih, um sein aktuelles Buch „Handwerk. Meister. Politik“ vorzustellen.

Den Zeitpunkt habe er mit Bedacht gewählt, so Chrupalla, allein um allen Vorwürfen zu trotzen, er würde seine Vita in Buchform dazu nutzen, irgendwelche Machtgeplänkel auf dem Bundesparteitag am vergangenen Wochenende (JF berichtete) befördern zu wollen. Denn tatsächlich kann die recht liebenswürdig dargebotene Lebenserzählung eines bodenständigen Handwerksmeisters aus der sächsischen Provinz erst mal viele einnehmen. Als Seiteneinsteiger in die schmutzige Welt der Politik geraten, um „mit gesundem Menschenverstand und gerader Haltung“ als Fürsprecher des „wertschöpfenden Teils der Gesellschaft“ zu wirken – das dürfte nicht nur im AfD-Milieu Sympathien wecken.

Der Bundestag bilde seine Lebenswirklichkeit eben nicht ab, schimpft der 51jährige. Er meint jene des selbständigen Handwerksmeisters, der nach 25 Jahren harter Arbeit beim Estrichverlegen „kaputte Knie“ hat und dafür auch noch Geringschätzung einer akademisch geprägten „Anywhere“-Boheme ernte. Schon gar nicht repräsentiere diese Welt die einstige Arbeiterpartei SPD, die schon lange den Draht zu „uns Proletariern“ – ja, das sagt er wirklich – verloren habe.

Chrupalla schildert im Buch putzige Episoden

Das Bild zeigt die Biographie von Tino Chrupalla.
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Diese Arroganz habe er auch in seiner ursprünglichen „Professorenpartei“ spüren müssen, wo der in der Parteihierarchie aufsteigende Sachse der blanken Verachtung von „Parteifreunden“ wie dem damaligen Vorsitzenden Jörg Meuthen ausgesetzt gewesen sei. Doch er habe sich letztlich durchgesetzt, ohne sich zu verbiegen. Heute könne er stolz sagen, nicht nur dienstältester AfD-Vorsitzender zu sein, sondern im Vergleich zu allen Parteien im Bundestag am längsten den Vorsitz geführt zu haben – und nach „seinem zweitbesten Ergebnis bei Bundesvorstandswahlen“ am 4. Juli noch mindestens zwei Jahre weiter das Zepter schwingen wird.

Putzige Episoden aus seinem Buch, das zwar sein Ghostwriter größtenteils begleitet, Chrupalla aber „garantiert KI-frei“ immer selbst gesteuert habe, schildern einen durchaus menschlichen Politiker. Einen, der im Düsenjet zum „Maischberger“-Interview der flugängstlichen linken Journalistin das Händchen hält, obwohl die ihm später in der Sendung als politische Kontrahentin Feuer geben wird. Immerhin habe er ihr bewusst seine „rechte Hand“ geboten, scherzt der Buchautor. Oder den Jungen aus der Provinz, der beim Braunkohlenschippen und im Streit mit seinem SED-Staatsbürgerkundelehrer die harte Realität in der DDR kennenlernte, die er sich heute „nur ungern von Westdeutschen erklären lassen möchte“.

Chrupalla ist PR-Coup gelungen

Natürlich muss sich Chrupalla allerlei gegenwärtigen Fragen stellen, deren Antworten die Journalisten beflissen in ihre Laptops klappern, die zwischen den üppigen Brotzeitplatten auf den derben Holztischen stehen. Wie er zur Co-Vorsitzenden Alice Weidel stehe, die als großstädtische promovierte Volkswirtin eben ein komplettes Gegenbild zum Meister der „Somewheres“ abgebe, oder ob er bereits Ambitionen auf das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten nach der Wahl 2029 habe („Politiker dürfen nichts ausschließen“, „Zwei Jahre sind in der Politik eine lange Zeit“).

Der Lebensrückblick Chrupallas, der selbst Politikerbiographien nicht schätzt, wird aus ebendieser Flut von Selbstbekenntnissen wohl kaum einen herausragenden Markstein setzen können. Dennoch dürften sowohl das Buch als auch sein Presseauftritt als PR-Coup als gelungen zu bewerten sein, allen Klischees zum Trotz.

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Tino Chrupalla: Handwerk, Meister, Politik. Leopold Stocker Verlag, Graz 2026, gebunden, 247 Seiten, Abbildungen, 22 Euro.

AfD-Chef Tino Chrupalla (m.) präsentiert seine Biographie in für viele Journalisten unerwarteter Umgebung. Foto: JF
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