Anzeige
Anzeige

Neuer EU-Haushalt: Wie EU-Chefin von der Leyen Mitgliedsstaaten politisch erpressbar macht

Neuer EU-Haushalt: Wie EU-Chefin von der Leyen Mitgliedsstaaten politisch erpressbar macht

Neuer EU-Haushalt: Wie EU-Chefin von der Leyen Mitgliedsstaaten politisch erpressbar macht

BRUSSELS, BELGIUM - JUNE 22: European Commission President Ursula von der Leyen attends a joint press conference following the '2nd EU-Moldova Summit' alongside EU Council President Antonio Costa and Moldovan President Maia Sandu in Brussels, Belgium on June 22, 2026. Dursun Aydemir / Anadolu
BRUSSELS, BELGIUM - JUNE 22: European Commission President Ursula von der Leyen attends a joint press conference following the '2nd EU-Moldova Summit' alongside EU Council President Antonio Costa and Moldovan President Maia Sandu in Brussels, Belgium on June 22, 2026. Dursun Aydemir / Anadolu
EU-Chefin Ursula von der Leyen: Die EU-Kommission möchte neue EU-Steuern einführen. Foto: picture alliance / Anadolu | Dursun Aydemir
Neuer EU-Haushalt
 

Wie EU-Chefin von der Leyen Mitgliedsstaaten politisch erpressbar macht

EU-Chefin von der Leyen will den nächsten EU-Haushalt massiv ausweiten – und zugleich die Kontrolle über die Geldverteilung neu ordnen. Für die Mitgliedstaaten geht es damit nicht nur um Milliarden, sondern um politische Abhängigkeit.
Anzeige

Beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs vorige Woche in Brüssel ging es nicht nur um Geopolitik, sondern auch ums Eingemachte: Ursula von der Leyen forderte weiterhin zwei Billionen Euro für die Haushaltsjahre 2028 bis 2034 (plus 60 Prozent) und 2.500 neue Beamtenstellen. Die linke Mehrheit im Europaparlament (EP) wollte sogar 200 Milliarden Euro mehr. Die auslaufende zypriotische Ratspräsidentschaft kürzte dies als „Kompromiss“ um bescheidene zwei Prozent (33 Milliarden Euro).

Die Ausgaben der EU steigen stetig an. Grafik: JF
Der Finanzrahmen der EU steigt stetig an. Grafik: JF

Die Fronten sind klar. Das sind einerseits die Nettozahler Deutschland, Österreich, die Niederlande und die Skandinavier. Für den niederländischen Finanzminister Eelco Heinen von der rechtsliberalen VVD sind die Vorlagen „unbezahlbar, unausgewogen und zum falschen Zeitpunkt“. Friedrich Merz sah dies ähnlich. Die Nettoempfänger im Süden und Osten von Portugal bis Polen im sogenannten Kohäsionsklub sehen das anders – sie hoffen auf EU-Transfers für Waffenbeschaffungen, Autobahnen und U-Bahnen oder Energiesubventionen, um die Haushalte über Wasser zu halten.

Der Niederbayer Manfred Weber will als Chef der EVP-Fraktion (mit vielen Abgeordneten aus Netto-Emfängerländern) die „Nettozahler-Mentalität“ in der EU endlich überwinden. Mehr EU-Grenzschutz in Polen und Griechenland sei „inhaltlich ein großes Geschäft“, meinte der CSU-Vize. Dabei fordert Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (bis 2025 Chefin der rechten EU-Partei EKR) einen Rabatt für italienische Zahlungen. Auch Jordan Bardella, Mitglied der rechten EP-Fraktion Patrioten für Europa (PfE) und vielleicht neuer Staatspräsident ab 2027, verlangt drastisch gekürzte französische EU-Beiträge.

Persönlicher Machterwerb und neue politische Erpressbarkeiten

Ursula von der Leyen will die eingespielten „Pflichtausgaben“ für die Landwirtschaft und die Regionalhilfen abschaffen und durch „national-regionale Partnerschaften“ ersetzen, die sie persönlich nach dem laut EU-Rechnungshof missglückten Modell ihrer Corona-Fonds mit jedem der 27 Mitgliedstaaten selbst ausverhandeln will. Ihre Ziele sind diffus: Klima, Gender, Digitales, Kohäsion, Ökolandbau, Inklusion, KI, Raumfahrt, Rüstung. Nach dem Erreichen irgendwelcher „Meilensteine“ sollen dann alljährlich neue Tranchen von EU-Milliarden durch sie persönlich freigegeben werden.

Die Absicht ist klar: Die Mitgliedstaaten werden so politisch erpressbar. Ungarn unter Viktor Orbán oder Polen unter den Kaczyński-Brüdern und Andrzej Duda haben dies schon erfahren dürfen. Jetzt soll Ursulas „Hebel“ (so Angela Merkel in ihren Memoiren) nicht „Rechte“, sondern auch unbotmäßige Linksnationalisten wie Robert Fico (Slowakei) oder Rumen Radew (Bulgarien) treffen. Dabei sollen diese „Partnerschaften“ jeweils national intern ausgehandelt werden. Damit verlieren die bisherigen Brüsseler Generaldirektionen für Regionales und Agrar jede Einflussmöglichkeit. Das trifft auch die EU-Kommissare: den Italiener und Meloni-Parteifreund Raffaele Fitto (Kohäsion) und den Luxemburger Christophe Hansen (Landwirtschaft/EVP). Verhandeln soll nur noch Ursula von der Leyens Chefetage über das ihr genehme nationale Gesamtpaket.

EU möchte direkt Steuerabgaben erhalten

Beratende Gremien wie der Ausschuss der Regionen (AdR) mit seinen 329 Mitgliedern, von dem aus Landesminister gerne für ihre Lieblingsprojekte in Brüssel Klinken putzten, werden ebenso überflüssig wie der skandalträchtige Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA) mit 700 Beamten. Doch bisher hat sich keine Bürokratie selbst abgeschafft. Zudem will die EU-Kommission neue „Eigenmittel“, sprich direkte EU-Steuern. Dabei sind ihrer Phantasie bisher keine Grenzen gesetzt. Sie reichen von Glücksspiel- und Digitalsteuern bis zu Tabak-, Elektroschrott-, CO₂- und pauschalen Unternehmenssteuern. Diese „Direktmittel“ sollen zwischen 13 und 58 Milliarden im Jahr einbringen und der Kontrolle der EU-Nettozahler entzogen sein.

Jetzt das JF-WM-Abo bestellen.

Ein schlauer Trick: Denn wo kann die EU-Kommission ihre stets deklarierte und geforderte Transparenz und Nichtkorruption für ihre eigene Mittelverwendung schon dokumentieren? Die ab Juli arbeitende irische Ratspräsidentschaft soll nun den neuen EU-Haushalt nach dem zypriotischen Scheitern bis zum Dezember aus dem Hut zaubern. Es wird spannend werden.

Aus der JF-Ausgabe 27/26.

EU-Chefin Ursula von der Leyen: Die EU-Kommission möchte neue EU-Steuern einführen. Foto: picture alliance / Anadolu | Dursun Aydemir
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles