BREMEN. Der ehemalige Mitarbeiter des Bremer Jobcenters, Fred Göcken, hat eine Klage gegen seine fristlose Entlassung durch die Stadt Bremen angekündigt. „Natürlich werde ich mich dagegen wehren“, sagte der 60jährige im Gespräch mit der Presseagentur dpa. Ihm gehe es um die Meinungsfreiheit.
Göcken wurde nach seinem Auftritt in der ZDF-Reportage „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ gekündigt. Bereits in der Dokumentation hieß es, dass der Behördenmitarbeiter „viel riskiert“.
In der Sendung bezeichnete er das Geldausgeben als die „zentrale Aufgabe“ der Jobcenter. Das sei auch intern die eigene Wahrnehmung von der Behörde. Und wenn die Antragsteller statt etwa der Unterstützung bei Führerscheinen eine Arbeitet vermittelt bekommen würden, „dann wären wir doch über“, sagte 60jährige in der Sendung.
+++ Bremen feuert Jobcenter-Mitarbeiter +++
Weil sich Fred Göcken in einer ZDF-Doku kritisch zum Thema Bürgergeld äußerte.#Bürgergeld #Jobcenter #Bremen #SPD #Grünen #Linke #Bovenschulte
— ¯\_(ツ)_/¯ 💙 (@BB12_DE) June 7, 2026
Göcken: „Wir bringen uns ja um mit unserem Recht“
Bei den Jobcentern handele es sich um ein selbsterhaltendes System. „Da würden sie nie jemanden finden, in 100 Jahren nicht, der das zugeben würde. Aber das Ergebnis ist ein solches. Das ist die Realität.“ Die Behörde halte laut dem langjährigen Mitarbeiter die Antragsteller in einer Art Dauerfortbildung. „Das sicher nicht als erklärtes Ziel, aber das Ergebnis ist leider so.“ Inzwischen sei die „Lebensalternative Bürgergeld“ entstanden.
30 bis 40 Prozent würden bei den Jobcentern keine wahren Angaben machen. „Die Motivation der Leute, die ist, im System drinnen zu bleiben.“ Um das zu beheben, müsse die Behörde anfangen, zu sanktionieren. Doch er dürfe nicht mehr wie früher die Leistungen kürzen, wenn ein Betreuter nicht zu seinen Terminen erscheine. „Wir bringen uns ja um mit unserem Recht.“
Göcken arbeitete über 20 Jahren beim Jobcenter Bremen, zur Zeit der ZDF-Reportage in der Verwaltung. Dass er mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sprach, hielt er vor seinem Arbeitgeber geheim.
Senatorin sieht keine strukturelle Ausbeutung der Jobcenter
Im Anschluss äußerte sich die Bremer Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, Claudia Schilling (SPD), zu den Äußerungen des Mitarbeiters. „Die Behauptung, 30 bis 40 Prozent der Leistungsbeziehenden würden Sozialleistungen missbräuchlich beziehen, entbehrt jeder belastbaren Grundlage“, schrieb die Politikerin in einer Mitteilung. „Solche pauschalen Aussagen verzerren die Realität, beschädigen das Vertrauen in den Sozialstaat und stellen Hunderttausende Menschen bundesweit unter Generalverdacht, die Leistungen rechtmäßig beziehen.“

Schilling sagte, dass eine „einfache Erklärung der Komplexität dieser Herausforderungen nicht gerecht“ werde. „Nachhaltige Arbeitsmarktintegration beginnt oft schon lange vor der eigentlichen Vermittlung in Arbeit.“
Leistungsmissbrauch werde in Bremen „mit den vorhandenen Kontroll- und Prüfmechanismen verfolgt und sanktioniert“. Aus einzelnen Fällen „dürfen jedoch keine Rückschlüsse auf die Gesamtheit der Leistungsberechtigten gezogen werden“. (mas)






