LUXEMBURG. Der Chef des Molkereiunternehmens Müller, Theo Müller, hat gegenüber der FAZ angekündigt, juristisch gegen die NGO Campact vorgehen zu wollen. Zuvor hatte Campact zehntausende Plakate verbreitet, auf denen das Unternehmen in die Nähe der AfD gerückt wurde. So wurde etwa eine auslaufende Schokoladenmilchflasche dargestellt, dazu der Slogan „Alles AfD, oder was?“ – in Anlehnung an einen Werbespruch der Firma („Alles Müller, oder was?“)
Die linke NGO wirft dem 86jährigen Konzerngründer vor, die AfD zu unterstützen. „Hintergrund der Kampagne sind diverse Treffen mit Alice Weidel und AfD-Sympathiebekundungen von Theo Müller“, teilte Campact mit. So hatte sich Müller während der Bayreuther Festspiele mit Weidel ablichten lassen und sie in einem Interview als „eine Freundin“ bezeichnet.

Insgesamt 28.000 Plakate in 14 Städten verteilte die Organisation daraufhin. Auch mehrere Großprojektionen wie am Berliner Alexanderplatz wurden installiert. Zudem waren auf rund 2,2 Millionen Aufklebern Slogans gedruckt worden, die eine Nähe zwischen Partei und Molkereiunternehmen insinuierten – damit Kritiker diese auf Müller-Produkte wie Müllermilch, Weihenstephan und Landliebe kleben konnten.
Nach der Warnung von Müller, kündigte die NGO an, ihre Aktion weiterführen zu wollen. „Theo Müllers Angriff gegen uns weisen wir entschieden zurück. Denn: Theo Müller unterstützt die AfD“, heißt es in einer Erklärung. Die ideelle Unterstützung, die das Unternehmen der Partei zukommen lasse, sei „für die AfD wertvoller als jede finanzielle Spende“.
Solange sich Theo Müller nicht eindeutig von der Partei distanziere, wolle man die Kampagne weiterführen. „Wir lassen uns durch juristische Einschüchterungsversuche nicht davon abhalten, unsere Informationskampagne weiter fortzuführen – wenn nötig auch noch umfangreicher als bisher.“
Müller spricht von „unwahrer Tatsachenbehauptung“
Der Müller-Chef wies diese Nähe zurück und forderte Campact zur Unterlassung auf. Bereits im Februar 2024 hatte er nach ähnlichen Vorwürfen in einem Interview mit der NZZ geäußert: „Ich bin kein AfD-Mitglied und möchte auch keins werden.“ Er habe die Partei zu keinem Zeitpunkt unterstützt und ihr auch kein Geld gespendet.
Müllers Anwalt Christian Schertz spricht von einer unwahren Tatsachenbehauptung durch Campact. Die Kampagne stelle durch eine „solitäre undifferenzierte blickfangartige Herausstellung“ der Slogans den Eindruck her, daß Müller ein Unterstützer der AfD sei und diese finanziell fördere. Tatsächlich sei Müller seit knapp 30 Jahren CSU-Mitglied und bekenne sich ausdrücklich dazu.
Die Kampagne erwecke den gegenteiligen Eindruck, sagte Schertz. Sollte Campact die beanstandeten Aussagen nicht zurückziehen, sondern weiterverbreiten, wolle Müller rechtliche Schritte einleiten.
Unternehmen kritisierten Campact zuvor
Campact begründe seine Kampagne mit einer angeblichen persönlichen Freundschaft zwischen Weidel und Müller. Eine solche persönliche Bekanntschaft sei jedoch strikt von einer politischen oder finanziellen Unterstützung zu trennen, heißt es in der Unterlassungserklärung.
Zuletzt war Campact bereits von den Chefs der Familienunternehmen Rossmann und dm kritisiert worden. Die Organisation habe sie unter Druck gesetzt, erklärten Christoph Werner und Raoul Roßmann im Dezember in der Talkshow Markus Lanz. Zuvor waren Abgeordnete der AfD vom Verband der Familienunternehmer zu einem Treffen eingeladen – und nach Protesten wieder ausgeladen worden (JF berichtete). „Da haben sich Abgründe aufgetan, daß wir bombardiert wurden mit sehr scharfen E-Mails“, berichtete dm-Chef Werner damals in Bezug auf Campact. (lb)





